Thomas Eichelmann

Vorzeitiger Wechsel Wirecard: Eichelmann wird Chefaufseher

Stand: 12.01.2020, 10:39 Uhr

Während der Bilanz-Sonderprüfung tauscht der Zahlungsabwickler Wirecard seinen Aufsichtsratschef aus. Statt Wulf Matthias kommt nun Thomas Eichelmann, der einst bei der Deutschen Börse die Finanzen leitete und vorzeitig gehen musste.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Wulf Matthias habe sein Amt mit sofortiger Wirkung abgegeben, teilte das Unternehmen am späten Freitagabend mit. Der bisheriger Leiter des Prüfungsausschusses, Thomas Eichelmann, leite nun das Gremium.

Wulf Matthias, Aufsichtsratschef von Wirecard

Wulf Matthias. | Bildquelle: Unternehmen

Matthias, dessen Mandat eigentlich bis zur Hauptversammlung Anfang Juli laufen sollte, werde bis zum Ende seiner Amtszeit im Sommer 2021 dem Aufsichtsrat als gewöhnliches Mitglied angehören, hieß es weiter.

Begründet wurde das Vorgehen mit dem Wunsch des 75-jährigen Matthias, einen Generationenwechsel einzuleiten. Matthias stand seit 2008 an der Spitze des Aufsichtsrates von Wirecard.

Umstrittene Persönlichkeit

Sein Nachfolger Eichelmann war im Juni letzten Jahres in den Aufsichtsrat von Wirecard gewählt worden. Seine Berufung hatte in der Branche viel Aufsehen erregt. Denn der 54-jährige studierte Wirtschaftswissenschaftler und Berater bei der Boston Consulting Group gilt als schwierig und arrogant.

Im "Handelsblatt" beschrieb ein ehemaliger Partner Eichelmann als "schillernde Persönlichkeit“, die sehr aufbrausend sei und nicht gut mit Mitarbeitern umgehen könne. Viele unter Eichelmann hätten gekündigt. Auch im Kundenkontakt mit zwei der großen Landesbanken sei es immer wieder zu Problemen gekommen.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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In seiner früheren Funktion als Finanzvorstand der Deutschen Börse war Eichelmann ebenfalls umstritten. Nach der gescheiterten Hedgefondsattacke auf den Börsenbetreiber im Jahr 2009 entließ der Aufsichtsrat am 23. März des Jahres auch Thomas Eichelmann als Finanzvorstand wegen "unterschiedlicher Auffassungen".

Sonderprüfung bis Ende März

Wirecard steht seit geraumer Zeit unter Beschuss, vor allem die britische "Financial Times" veröffentlicht rund um das Unternehmen aus Aschheim bei München seit längerem kritische Berichte. Vor einem knappen Jahr sorgte ein Artikel zu Unregelmäßigkeiten und möglichen Scheinbuchungen in Singapur dafür, dass der Aktienkurs binnen gut einer Woche um fast die Hälfte abstürzte.

In Deutschland gehen die Staatsanwaltschaft München und die Finanzaufsicht BaFin dem Verdacht nach, dass Wirecard einer von Spekulanten orchestrierten Aktion zum Opfer gefallen sein könnte, mit der sogenannte Leerverkäufer an sinkenden Aktienkursen verdienen wollen - wie es auch schon in der Vergangenheit der Fall war.

Wirecard hat nach neuerlichen Vorwürfen in der britischen Wirtschaftszeitung zu angeblichen Scheinbuchungen bei Töchtern in Dubai und Irland eine Sonderprüfung der Bilanzen eingeleitet, neben dem regulären Wirtschaftsprüfer EY durchleuchten nun auch die Spezialisten von KPMG die Bücher des Dax-Unternehmens. Laut Finanzchef Alexander von Knoop dauert die Sonderprüfung bis voraussichtlich Ende des ersten Quartals 2020. Danach sollen die Ergebnisse in einem Bericht veröffentlicht werden.

lg/dpa