Financial Times-Artikel zu Wirecard
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Aktie unter Druck Wirecard - die "Financial Times" schlägt zurück

Stand: 29.03.2019, 10:50 Uhr

Die "Financial Times" zeigt sich von der Wirecard-Klage auf Schadenersatz alles andere als eingeschüchtert - und erhebt erneut schwere Vorwürfe. Die Wirecard-Aktie bricht erneut ein, obwohl das Dax-Unternehmen sich auch äußert.

Nur wenige Stunden, nachdem das Wirecard-Management die "Financial Times" und ihren Autor Dan McCrum auf Schadenersatz verklagt hat, legen die "FT" und McCrum erneut nach.

In dem neuesten Artikel widmet sich die Finanzzeitung den Geschäften von Wirecard in Asien. Fast schon traditionell arbeitet das Unternehmen beispielsweise wegen fehlender Lizenzen mit Partnerunternehmen zusammen, um Bezahlvorgänge abzuwickeln. Bei der Überprüfung einiger Partnerfirmen ist die Zeitung auf Ungereimtheiten gestoßen.

"Missverhältnis zwischen vermeintlicher Größe und Realität"

Die Adresse einer Partnerfirma führt zu einem Privathaus, eine andere zu einer leerstehenden Lagerhalle in einem heruntergekommenen Viertel der philippinischen Hauptstadt Manila. Ein weiteres Unternehmen teilt sich offenbar die Büroräume mit einem Busunternehmen, das einem früheren hochrangigen Wirecard-Manager gehört. Laut der Finanzzeitung gebe es ein lebhaftes Missverhältnis zwischen der vermeintlichen Größe der Partnerunternehmen und der bescheidenen Realität vor Ort in Ländern wie den Philippinen. Und das, obwohl diese Firmen für erhebliche Einnahmen von Wirecard zuständig sein sollen.

Auch sollen Partnerunternehmen hohe Schulden bei Wirecard haben, was laut "FT" Fragen nach der Qualität der ihnen zugeschriebenen Umsätze und Gewinne aufwerfe.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
146,55
Differenz relativ
-1,48%

Laut der "FT" hätten die Wirecard-Partner PayEasy und Centurion eine identische Kundenliste angegeben. Keiner der genannten Kunden wie die Fluggesellschaft Emirates hätten sich, als sie von der "FT" kontaktiert wurden, an Geschäfte mit Centurion oder PayEasy erinnern können.

Des Weiteren wurde der britischen Finanzzeitung von Informanten mitgeteilt, dass 2018 voraussichtlich die Hälfte der für dieses Jahr prognostizierten weltweiten Umsätze von Wirecard von Partnern erbracht werden solle. Der Beitrag sei laut "FT" zum Teil deshalb so hoch, weil der Konzern nicht nur die Provisionserträge als Umsatz ausweise. Wirecard sei der Meinung, dass man an einigen Transaktionen ausreichend beteiligt sei, um die Erlöse und Kosten der Partner als eigene zu behandeln.

"Falsche und irreführende Informationen"

Wirecard bezeichnete den neuen Bericht als Teil einer Reihe von falschen, irreführenden Informationen. Die Angaben der "FT" seien ungenau und absichtlich falsch zitiert. Der Anteil der Transaktionen über Lizenzpartner nehme kontinuierlich ab.

Die Wirecard-Aktie brach nach dem Bericht um bis zu neun Prozent auf 111,60 Euro ein.

Das Papier war zu Wochenbeginn furios bis auf über 130 Euro in die Höhe geschossen, nachdem das Unternehmen behauptet hatte, eine externe Untersuchung der Singapurer Kanzlei Rajah & Tann käme zu dem Schluss, bei Wirecard gäbe es keine Scheinumsätze.

Viele Fragen bleiben offen

Doch dabei handelt es sich wohlgemerkt nur um die von Wirecard verfasste Stellungnahme zur von einer Beratungsfirma erstellten Zusammenfassung der Zusammenfassung der Anwaltskanzlei. Weder diese noch das Ursprungsdokument wurden veröffentlicht. Wichtige Fragen blieben offen. Dafür räumte Wirecard erstmals ein, dass es in Singapur durchaus zu strafbaren Handlungen seiner Mitarbeiter gekommen sein könnte. Die Ermittlungen der Polizei in Singapur laufen wohlgemerkt noch.

Fakt ist auch: Wirecard hat seine Bilanzvorlage vom 4. auf den 25. April verschoben – und das, obwohl es angeblich "keine wesentlichen Auswirkungen auf die Abschlüsse von Wirecard" gibt.

boerse.ARD.de

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Wirecard vs. "FT" - Chronologie der Ereignisse Galerie

Kursverlauf Wirecard, 1. Januar bis 19. März 2019

30.1.19: Erste Vorwürfe
Am Mittwoch, 30. Januar bricht die Wirecard-Aktie nachmittags schlagartig um rund 21 Prozent und damit zwischenzeitlich mehr als ein Fünftel ein. Grund ist ein kritischer Bericht in der Online-Ausgabe der "Financial Times" über den Zahlungsabwickler. Demnach habe ein hochrangiger Manager in Singapur im vergangenen Jahr womöglich Verträge gefälscht und Geldwäsche betrieben. Die Zeitung bezog sich in ihrer Online-Ausgabe am Mittwoch auf eine von ihr eingesehene interne Präsentation, die sich mit zweifelhaften Geldströmen beschäftigt haben soll.