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Aktie wieder unter Druck Wirecard hat Mitarbeiter beurlaubt

Stand: 13.03.2019, 16:37 Uhr

Wegen angeblicher krimineller Machenschaften eines Mitarbeiters in Singapur hat der Zahlungsdienstleister Wirecard den Manager freigestellt, wie erst gestern Abend bekannt wurde. Außerdem gibt es offenbar Unstimmigkeiten mit den Ermittlern. Das beunruhigt die Anleger.

Im vorbörslichen Handel verlor die Aktie bis zu zwölf Prozent, erholte sich aber am Morgen wieder deutlich. Wirecard-Chef Markus Braun hatte der Agentur Reuters bestätigt, dass ein Mitarbeiter bis zum Ende der Untersuchung freigestellt worden sei. "Dies ist ein völlig normaler Prozess", sagte der Manager.

Der Mitarbeiter sei seit einigen Wochen von seiner Arbeit entbunden. Braun bekräftigte, er rechne damit, dass die Vorwürfe bald endgültig ausgeräumt würden, so dass das Tagesgeschäft wieder im Vordergrund stehe: "Unser operatives Geschäft läuft hervorragend."

Obwohl eine Freistellung der Beschuldigten bei derartigen Vorwürfen an sich nichts Ungewöhnliches ist, wurde die Nachricht von manchen Beobachtern als Hinweis darauf gewertet, dass an den Vorwürfen vielleicht doch etwas dran sein könnte. Schließlich hatte Wirecard zuvor mehrfach betont, die Vorwürfe seien haltlos und die interne Untersuchung habe keinerlei Hinweise auf ein Fehlverhalten erbracht.

Neuer "FT"-Bericht

Die neue Aufregung war abermals durch die "Financial Times" ausgelöst worden, die am Dienstag nach mehrwöchigem Schweigen unter Berufung auf Gerichtsunterlagen aus Singapur berichtet hatte, dass Wirecard nach Angaben seiner Anwälte schon seit dem 9. Februar den Kontakt mit dem fraglichen Manager Edo Kurniawan, der die Rechnungslegung in der Region Asien/Pazifik verantwortet, "verloren habe".

Die Strafverfolgungsbehörden in Singapur hätten außer Kurniawan noch fünf weitere Verdächtige benannt. Am Morgen teilte Wirecard hingegen mit, der Manager sei für das Unternehmen erreichbar.

Ergebnis der Prüfung wird veröffentlicht

Ende Januar war durch einen Bericht der britischen Finanzzeitung bekannt geworden, dass ein Wirecard-Mitarbeiter in Singapur Kurniawan beschuldigt hatte, Bilanzen zu frisieren. Der Zeitungsbericht ging mit massiven Kursverlusten der Wirecard-Aktie einher. Wirecard hat die Anschuldigungen als unbegründet zurückgewiesen. In Deutschland hegen Finanzaufsicht und Staatsanwaltschaft den Verdacht, dass Marktteilnehmer den Aktienkurs vorsätzlich manipuliert haben.

"Das Ergebnis der internen Überprüfung war, dass die Vorwürfe ganz klar entkräftet wurden", sagte Braun. "Deswegen sind wir sehr optimistisch, was den Ausgang der externen Prüfung betrifft." Wirecard hatte die angesehene Rechtsanwaltskanzlei Rajah & Tann in Singapur beauftragt, die Vorwürfe aufzuklären. Braun bekräftigte, er rechne mit einem raschen Abschluss. "Das Ergebnis dieser Prüfung werden wir veröffentlichen."

Tatsächlich scheint sich die Untersuchung in die Länge zu ziehen. Denn bereits Anfang Februar hatte Braun einen baldigen Abschluss in Aussicht gestellt.

Dissens mit Ermittlern?

B5-Moderator Christian Sachsinger
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B5 Börse 18.17 Uhr: Hin und Her bei Wirecard

Nach dem "FT"-Bericht hatte die Polizei in Singapur die dortige Niederlassung von Wirecard mehrmals durchsucht. Nach Angaben des zuständigen Gerichts wehrte sich Wirecard juristisch gegen das Vorgehen der Behörden. Die Ermittler des Commercial Affairs Department (CAD) in Singapur beklagten, das Unternehmen missbrauche den Beschwerdeprozess und versuche damit, die Ermittlungen "unrechtmäßig zu beschränken".

Braun erklärte dazu, er habe keine Zweifel am Vorgehen der Ermittler und zeige sich kooperativ. "Wir haben vollstes Vertrauen in die Arbeit der Behörden und in die rechtlichen Abläufe."

Nichts für schwache Nerven!

Für Anleger stellt sich die Lage bei dem Dax-Konzern weiterhin verworren dar. Nicht nur die von Wirecard beauftragte Kanzlei, auch die Behörden in Singapur ermitteln offenbar intensiv in dem fraglichen Fall, während die BaFin in ihren Ermittlungen wegen möglicher Kursmanipulation auch eine mögliche Verletzung der Offenlegungspflichten durch Wirecard prüft. Die Aktie ist also nichts für Anleger mit schwachen Nerven.

rtr/lg/la