Markus Braun, CEO Wirecard
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Aktie gefragt Wirecard bezichtigt "FT" der Beihilfe

Stand: 22.07.2019, 11:14 Uhr

Der Streit zwischen Wirecard und der "Financial Times" eskaliert: Der Zahlungsdienstleister sieht einem Insider zufolge den Verdacht einer Zusammenarbeit zwischen Aktien-Spekulanten und der "FT" bestätigt. Die Finanzzeitung widerspricht.

Wirecard habe Beweismittel an die Staatsanwaltschaft München I übergeben, darunter den Mitschnitt eines Gesprächs zwischen zwei Investoren, in dem es um einen bevorstehenden Bericht der Londoner Wirtschaftszeitung über Wirecard gehe, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Das "Handelsblatt" hatte bereits am Sonntag darüber berichtet.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
111,65
Differenz relativ
-6,29%

Die Staatsanwaltschaft wollte sich am Montag nicht dazu äußern, Wirecard nahm ebenfalls keine Stellung. Eine Sprecherin der Wirtschaftszeitung wies die Vorwürfe im "Handelsblatt" zurück: "Es gab keinerlei geheime Absprachen von Journalisten der FT mit Short Sellern oder anderen Dritten, was den Inhalt oder den Veröffentlichungszeitpunkt von FT-Artikeln über Wirecard betrifft."

Wirecard fordert Einstellung der Berichterstattung

Wirecard habe die Londoner Zeitung in einem über die Anwaltskanzlei Herbert Smith Freehills übermittelten Schreiben aufgefordert, bis auf weiteres nicht mehr über das Unternehmen zu schreiben und stattdessen eine interne Untersuchung über ein mögliches Fehlverhalten in der Redaktion zu starten, berichtete das "Handelsblatt".

Eine Reihe von kritischen Berichten der "FT" seit Anfang des Jahres hatte die Wirecard-Aktie immer wieder abstürzen lassen. Das Unternehmen und die deutsche Finanzaufsicht BaFin hegen den Verdacht, dass sich Leerverkäufer das zunutze gemacht haben. Die BaFin hatte Leerverkäufe mit Wirecard-Aktien im Frühjahr sogar für zwei Monate verboten

Wusste Investor von bevorstehendem Bericht?

Dem "Handelsblatt" zufolge hatte die "Financial Times" einen weiteren Bericht über Wirecard geplant und dem Unternehmen dazu einen Fragenkatalog zukommen lassen. In einem mitgeschnittenen Telefonat erzählt ein britischer Investor einem Geschäftspartner von einem Bericht, der innerhalb von 48 Stunden in der "FT" erscheinen werde und den er für eine millionenschwere Spekulation gegen Wirecard nutzen wolle.

HSBC erhöht Kursziel deutlich

Am Montag gehört die Wirecard-Aktie in einem ruhigen Gesamtmarkt zu den größten Gewinnern im Dax. Der zuständige Analyst der britischen Großbank HSBC sieht noch großes Kurspotenzial bei dem Titel und hat sein Kursziel von 195 auf 225 Euro erhöht.

Die Geschäfte des Unternehmens gewännen immer mehr an Dynamik, so der HSBC-Analyst Antonin Baudry. So könne Wirecard das Umsatzziel für das kommende Jahr um 15 bis 20 Prozent nach oben schrauben. Die Corporate Governance und die Kommunikation von Wirecard blieben zwar unterentwickelt, die Sorgen hierüber seien aber übertrieben, so Baudry.

rtr/dpa-AFX