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Zerschlagungs-Fantasie beflügelt Aktie Thyssenkrupp – Etappensieg für aktivistische Investoren

Stand: 17.07.2018, 15:40 Uhr

Der Druck von aktivistischen Investoren, Thyssenkrupp zu zerschlagen, wird immer größer. Laut Experten könnten sie aus dem aktuellen Machtvakuum als Sieger hervorgehen. Die Aktie profitiert.

Mit einem Plus von bis zu 9,3 Prozent auf 22,57 Euro ist die Thyssenkrupp-Aktie am Dienstag der unangefochtene Favorit im Dax. Eine Personalie gibt mächtig Rückenwind.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Lehner hat seinen Rückzug zum Monatsende angekündigt. Lehner nannte das mangelnde Vertrauen der großen Aktionäre als Grund für sein Ausscheiden.

Führungschaos par excellence

Erst Anfang Juli war Vorstandschef Heinrich Hiesinger von seinem Posten zurückgetreten. Mit dem Rücktritt Lehners erreicht das Führungschaos bei dem Dax-Konzern einen neuen Höhepunkt.

Doch das sorgt nicht etwa für Verunsicherung unter den Anlegern, sondern für Freude: Investoren hoffen nämlich darauf, dass nach der Auslagerung der Stahlsparte in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der indischen Tata nun weitere Werte freigesetzt werden, die in dem Konzern schlummern.

Elliott und Cevian trumpfen auf

Die "scharf formulierte Rücktrittsankündigung" von Lehner deute darauf hin, dass eine "aggressive Restrukturierung durchaus möglich ist", urteilt der Experte der Investmentbank Jefferies, Seth Rosenfeld. Durch das Machtvakuum nach dem Führungswechsel würden künftig voraussichtlich aktivistische Investoren den Ton bei Thyssenkrupp angeben.

Und was die wollen, ist klar: Sowohl der schwedische Finanzinvestor Cevian als auch Paul Singers Hedgefonds Elliott drängen auf eine Aufspaltung des Dax-Konzerns. Rückendeckung bekommen sie dabei ausgerechnet von der Krupp Stiftung, die bislang am Markt eher als Verteidiger der diversifizierten Konzernstruktur galt.

Stiftung als Zünglein an der Waage

Laut Medienberichten liebäugeln Vertreter der Stiftung womöglich schon länger mit einer Fusion der Aufzugsparte von Thyssenkrupp. Wie das "Handelsblatt" am Sonntag berichtete, soll die Vorsitzende der Stiftung, Ursula Gather, schon vor zwei Jahren Gespräche über eine Fusion der Sparte mit jener des finnischen Rivalen Kone gesprochen haben.

Ein Händler mutmaßt, dass alleine die Aufzugsparte mehr wert sei als die aktuelle Marktkapitalisierung von Thyssenkrupp (13,9 Milliarden Euro). Tatsächlich dürfte eine Zerschlagung von Thyssenkrupp nur mit Zustimmung der Stiftung machbar sein. Diese ist mit einem Anteil von 21 Prozent der größte Thyssenkrupp-Aktionär vor Cevian. Die Schweden halten rund 18 Prozent.

ag