Ein Mann kämpft sich bei Wind und Wetter mit Regenschirm über eine Wiese

Noch keine Entwarnung beim Coronavirus Wird's jetzt wieder stürmischer an den Börsen?

Stand: 09.02.2020, 12:20 Uhr

Was für ein Monatsauftakt! Mit kräftigen Kursgewinnen sind die Aktienmärkte in den Februar gestartet. Die Virus-Sorgen wurden verscheucht. In der kommenden Woche könnte es wieder turbulenter werden - nicht nur wegen Sturmtief "Sabine".

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
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Die Hoffnung auf eine rasche Eindämmung des Coronavirus hatte in der ersten Februarwoche den Dow um drei Prozent und den Dax gar um gut vier Prozent steigen lassen. Doch zum Wochenschluss kehrte wieder etwas Ernüchterung ein. Aktienhändler befürchten nun doch größere Auswirkungen der Epidemie auf die Konjunktur in China. Die globalen Lieferketten könnten zunehmend beeinträchtigt werden.

Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen und der Toten durch das Virus stieg bis Samstag erneut kräftig an. Die Zahl der Patienten in China, bei denen das Virus nachgewiesen wurde, kletterte innerhalb eines Tages um 3.399 auf 34.546. Das teilte die Gesundheitskommission in Peking mit. Die neu nachgewiesenen Infektionen nahmen damit im Vergleich zum Vortag wieder zu, nachdem sie in den vergangenen zwei Tagen leicht zurückgegangen waren. Auch die Zahl der Toten legte erneut deutlich um 86 auf 722 zu. in Wuhan starben zwei Ausländer, ein Amerikaner und ein Japaner.

"Märkte zu sorglos"

Wolfgang Köbler von der KSW Vermögensverwaltung hält die Reaktion der Märkte angesichts der sich ausbreitenden Lungenkrankheit derzeit für zu sorglos. "Abgesehen von den Verwerfungen in China haben die Börsen die Corona-Krise bislang kaum beachtet", sagte Köbler. "Es ist aber noch nicht vorbei. Man weiß nicht, wann und über welchen Zeitraum negative Meldungen kommen, vor allem hinsichtlich der wirtschaftlichen Auswirkungen."

Robert Halver

Robert Halver. | Bildquelle: picture alliance / ZB

Auf eine "chinesische" Konjunkturdelle müsse sich die gesamte Weltwirtschaft im ersten Quartal dieses Jahres einstellen, schreibt Marktexperte Robert Halver von der Baader Bank. Ein Gegensteuern der chinesischen Zentralbank stimme die Börsen dabei zuversichtlich. So hatte die People's Bank of China den Geschäftsbanken zuletzt eine ungewöhnlich hohe Geldspritze zur Verfügung gestellt und gleichzeitig die Zinsen gesenkt.

Viruskrise bald ausgestanden?

Noch glauben die meisten Aktienstrategen und Fondsmanager, dass die chinesische "Viruskrise" zwei bis drei Monate andauert und für Unsicherheit sorgt. Sobald dann die Zahl der Neuinfektionen zurückgeht, dürfte es ähnlich wie bei Sars vor 17 Jahren wieder nach oben gehen. Bei früheren Virus-Ausbrüchen seien Wachstumsdellen durch Naholeffekte rasch wettgemacht worden, sagt Anlagestratege Felix Herrmann vom weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock.

Berichtssaison kommt in Fahrt

Neben dem Coronavirus beschäftigen sich die Anleger in der kommenden Woche auch mit zahlreichen Firmenbilanzen. Die Berichtssaison nimmt nun auch in Europa und Deutschland Fahrt auf. Am Dienstag legen der Autobauer Daimler, am Donnerstag der Industriegase-Hersteller Linde und am Freitag der Zahlungsabwickler Wirecard Zahlen vor. Bei Daimler sagen Experten unter anderem wegen der Kosten für die Bewältigung des Abgas-Skandals und für die Entwicklung von Elektroautos einen Gewinneinbruch voraus. In der zweiten Reihe öffnen unter anderem die Commerzbank, Hochtief, Heidelberger Druck, Tui, ThyssenKrupp, Aurubus, Metro und Teamviewer ihre Bücher.

Bisher hätten negative Überraschungen im vierten Quartal überwogen, schreibt Markus Wallner von der Commerzbank. "Nur 14 Prozent der Unternehmen haben unsere Erwartungen bis jetzt übertroffen, während 43 Prozent der bisher vermeldeten Ergebnisse unter unseren Erwartungen lagen", sagte der Experte. Er rechnet zugleich mit weiteren Gewinnwarnungen und noch konservativeren Ausblicken für das laufende Jahr 2020.

In den USA hingegen haben laut Experten-Einschätzungen gut 70 Prozent die Markterwartungen übertroffen. In Europa ist die bisherige Bilanzsaison gemischt ausgefallen.

BIP-Daten aus Deutschland und Europa

An der Konjunkturfront geht es in der kommenden Woche eher ruhig zu. Es stehen nur wenige Daten auf der Agenda. Am Freitag werden die Zahlen zum deutschen und europäischen Wirtschaftswachstum veröffentlicht. Hier erwarten Analysten jeweils ein Mini-Plus. Ebenfalls am Freitag werden die US-Einzelhandelsumsätze veröffentlicht. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Wegen der ungebrochenen Kauflaune der Verbraucher erwarten Experten ein Plus von 0,3 Prozent.

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell. | Bildquelle: picture alliance / newscom

Gespannt blicken Anleger auf den Auftritt von US-Notenbankchef Jerome Powell vor dem US-Kongress, wo er den Abgeordneten Rede und Antwort steht. Von seiner halbjährlichen Anhörung versprechen sich Börsianer Hinweise auf die US-Geldpolitik.

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