Neues Logo an einer Lufthansa-Maschine

Bericht im "Handelsblatt" Will Lufthansa nur noch fliegen?

Stand: 26.10.2018, 10:18 Uhr

Strategiewechsel hat die Lufthansa in den letzten Jahren schon öfters vollzogen. Nun gibt es im Management der Lufthansa laut einem Zeitungsbericht Überlegungen, sich künftig stärker auf das Kerngeschäft mit Airlines im Passagier- und Frachtbereich zu konzentrieren. Im Frühjahr klang das noch ganz anders.

So galt die breite Aufstellung mit Fluggesellschaften, Cateringtochter und Wartungsgeschäft lange Zeit als eine der Stärken von Lufthansa: "Für eine solide Statik sind alle Gesellschaften wichtig: die Netzwerk-Airlines, die Eurowings und die Service-Gesellschaften“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr noch am 8. Mai vor Aktionären in der Jahrhunderthalle in Frankfurt. Doch nun zeichnet sich im Management ein Umdenken ab.

Nach Informationen des "Handelsblatts" lässt das Lufthansa-Spitze Optionen nicht nur für die Servicetöchter LSG Sky Chefs (Catering) prüfen, sondern auch für die Lufthansa Technik. Hintergrund sei eine interne Diskussion darüber, ob sich Lufthansa künftig nicht stärker auf das Kerngeschäft in der Passagier- und Frachtsparte einschließlich Lufthansa Cargo konzentrieren sollte.

Überlegungen im frühen Stadium

Zubereitung von Fischmahlzeiten bei LSG Sky Chefs

LSG Sky Chefs. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Noch gibt es keine Entscheidung, ist im Umfeld des Unternehmens zu hören. Auch seien die Überlegungen bislang nicht Thema im Aufsichtsrat. Lufthansa wollte die Informationen auf Anfrage nicht kommentieren. Doch dass die Strategiedebatte nicht nur auf dem Papier stattfindet, zeigten aktuelle Managemententscheidungen, so das "Handelsblatt".

So würden derzeit Optionen für die Cateringtochter LSG Sky Chefs geprüft, darunter ein Teilverkauf an einen Partner oder auch die komplette Trennung. Zum anderen ist nach Informationen der Zeitung aus Unternehmenskreisen auch die Zukunft der Wartungstochter Lufthansa Technik (LHT) Teil der strategischen Überlegungen. Eine Option ist die Aufteilung des Ablegers.

Enttäuschende Marge

Wie hoch die Dominanz des reinen Flugbetriebs in der Bilanz der Lufthansa hat, zeigt auch ein Blick in die Zahlen. So stammten im vergangenen Jahr 80 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) von knapp drei Milliarden Euro 2017 aus dem Airline-Geschäft.

Experten verweisen zudem auf enttäuschende Zahlen der zur Debatte stehenden Randbereiche: So erreichte Sky Chefs 2017 eine Marge von bescheidenen 2,1 Prozent, wenngleich sie durch Sonderaufwendungen belastet war. Zudem habe der Trend zu Billigangeboten auf der Kurzstrecke dazu geführt, dass die Bordverpflegung an Bedeutung verloren hat. LSG Sky Chefs arbeitet deshalb schon länger an einer Restrukturierung, bei der von den rund 5.500 Stellen in Deutschland bis zu 2.000 wegfallen könnten.

Verändertes Wording

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Nicht zuletzt der Chaos-Sommer mit reihenweise Verspätungen und Flugausfällen habe gezeigt, wie wichtig die Konzentration auf eine reibungslose Abwicklung des Flugbetriebs sei, zitiert das "Handelsblatt" einen Lufthansa-Vorstand. Andere Teile von LHT wie zum Beispiel die Kompetenz beim Thema Bordunterhaltung (In flight-Entertainment) oder bei der Internetversorgung an Bord könnten für externe Partner interessant sein, etwa für den Flugzeugbauer Boeing.

Lufthansa-Führungskräfte berichten, dass sich das "Wording" im Konzern in den zurückliegenden Wochen deutlich verändert habe. Der Fokus liege klar auf dem Thema Airline. Noch laufe die Debatte über die künftige Ausrichtung, wann es zu einer Entscheidung komme, sei derzeit nicht absehbar, heißt es im "Handelsblatt". Was gerade passiere, sei nicht unbedingt ein Widerspruch zu den bisherigen Aussagen von Carsten Spohr.

Die Diversifizierung war und ist wichtig. Aber man müsse halt immer wieder hinterfragen, ob Lufthansa noch der richtige Eigentümer etwa für einen Catering-Spezialisten oder einen Technikdienstleister sei, so der Konzernchef.