Angeleuchtetes Zalando-Paket

Nach fünf Jahren am Kapitalmarkt Wie Zalando Amazon die Stirn bieten will

von Mark Ehren

Stand: 01.10.2019, 06:45 Uhr

Vor fünf Jahren ist Zalando an die Börse gegangen. Seitdem hat die Aktie kräftig zugelegt. Und der Online-Bekleidungshändler ist weiter angriffslustig - auch in Richtung des Konkurrenten Amazon.

Zwar macht der große Mitspieler aus Amerika mit seinen vielen hundert Millionen Produkten aus allen nur denkbaren Kategorien der Konkurrenz - und damit auch Zalando - das Leben immer schwerer. Auch dürfte Amazon im Bereich Mode wesentlich mehr Artikel führen als die 400.000, die Zalando derzeit im Angebot hat. Doch Masse heißt nicht unbedingt mehr Kundenzufriedenheit.

Denn während Amazon vergleichbar mit einem Kaufhaus ist, in dem man eigentlich alles kaufen kann, ist Zalando die Mode-Boutique, die sich darauf spezialisiert hat, alles rund um Kleidung, Schuhe und Accessoires zu präsentieren - und natürlich zu verkaufen. Während Amazon vor allem auf Menge setzt und dem Kunden edle Seidenblusen in der gleichen Art und Weise wie Schraubenzieher präsentiert, konzentriert sich Zalando darauf, die Bedürnissen einer scheinbaren Individualität zu befriedigen.

Mit Künstlicher Intelligenz durch den Klamotten-Dschungel 

Um die Genauigkeit der Outfit-Zusammenstellung zu verbessern, will das Berliner Unternehmen in Zukunft verstärkt auf künstliche Intelligenz setzen. Seit Oktober 2018 nutzt Zalando dazu seine “Algorithmic Fashion Companion” (AFC). Dabei wertet der Algorithmus die bisherigen Einkäufe der einzelnen Kunden aus, um individuelle Outfits zusammenzustellen und dem Kunden vorzuschlagen.

Noch einen Schritt weiter geht mit Zalando Zalon, dem so genannten “kuratierten” Shoppingservice, Hierbei geben die Kunden ihre Vorlieben für bestimmte Stile, Marken, Arten von Kleidungsstücken und Farben an. Außerdem teilen sie dem Algorithmus mit, welche Kleidungsstücke sie nicht mögen, wie z. B. Jeanshemden oder -Blusen, Kleidung mit Button-Down-Kragen oder auch Cargohosen. Zudem wird die Zahlungsbereitschaft für die einzelnen Kleidungsstücke wie Pullover und Schuhe abgefragt.

Auf Basis dieser Daten entwickeln menschliche Stylisten ein Outfit für die Kunden. Die Kunden können den Service dabei einmal und in festen monatlichen oder mehrmonatlichen Intervallen in Anspruch nehmen.

Für Zalando hat das eine Reihe von Vorteilen. Das Unternehmen kann den Kunden gleich mehrere Artikel verkaufen, die Warenkörbe werden größer. Außerdem sind die Kunden bereit tendenziell mehr Geld auszugeben, da sie sich ihr Outfit nicht selbst zusammensuchen müssen.

In Zukunft will Zalando den Zalon-Dienst dafür nutzen, der weiblichen Kundschaft auch gleich die passende Make-up-Produkte zu verkaufen.

Mehr Technologie

Doch bei diesen Innovationen wird es sicher nicht bleiben. Dafür spricht allein schon die Verpflichtung von Jim Freeman, der seit April das Technologiegeschäft bei Zalando führt. Der 47-jährige frühere Amazon-Manager war bei seinem alten Arbeitgeber in führender Position für Prime Video und der Entwicklung von Services für Alexa- und Echo-Geräte verantwortlich.

Verbindung von Online- und Offlinewelt

Zukunftsweisend ist auch die Zusammenarbeit von Zalando mit dem Modedienstleister- und Großhändler Katag. Dabei bietet Zalando seinen Kunden an, bestimmt Kleidungsstücke beim Händler vor Ort zu kaufen, falls es die Kunden besonders eilig haben. Zalando erhält dafür eine Verkaufsprovision.

Auch mit Markenherstellern scheint man in Zukunft noch enger zusammenarbeiten zu wollen. So liefert Zalando in Paris seit kurzem Pakete für den Sportartikelherstellers Adidas aus, die nicht etwa bei Zalando, sondern direkt über die Adidas-Website bestellt worden.

Weiteres Umsatzwachstum in Sicht

Somit stehen die Chancen nicht schlecht, dass Zalando das Umsatzwachstum der vergangenen Jahre weiter fortführen kann. So schraubten die Berliner ihren Umsatz von 2014 bis 2018 um 150 Prozent in die Höhe. Die Ergebnisentwicklung verlief wohl auch wegen der hohen Investitionen weniger stetig. Aber immerhin stand in den vergangen fünf Geschäftsjahren in jedem Fall unter dem Strich ein Gewinn.

Aktie fast verdoppelt

Seit dem Börsengang vor fünf Jahren hat sich die zu 21,50 Euro ausgegebene Aktie fast verdoppelt. Ein Belastungsfaktor könnte auch in Zukunft die Aktionärsstruktur sein. Denn der schwedische Investor Kinnevik hält auch nach den jüngsten Verkäufen noch 26 Prozent der Zalando-Aktien. 

Zalando-Chart: Okober 2015 bis September 2019

Zalando. | Bildquelle: boerse.ARD.de