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Nach Uber enttäuscht auch WeWork Wie WeWork den Einhorn-Star killte

Stand: 17.09.2019, 11:24 Uhr

Ausbleibende Gewinne, verägerte Investoren und ein umstrittener CEO. Bei WeWork läuft es nicht rund, der für September geplante Börsengang bleibt vorerst aus.

Der WeWork-Eigentümer We Company teilte am Montag in New York mit, dass der Börsengang dennoch in diesem Jahr erfolgen soll. Mehrere Investoren hätten sich skeptisch zur Entwicklung des Konzerns geäußert, hieß es zur Begründung. Zuerst hatte das "Wall Street Journal" über eine mögliche Verschiebung des Börsengangs berichtet. Einige mit den Plänen des Unternehmens vertraute Personen sagten, dass sich das Debüt auf dem Parkett der New Yorker Börse aber bis ins nächste Jahr verschieben könnte.

Zuletzt hatten sich bereits die Anzeichen verdichtet, dass das Mega-Projekt gewaltig floppen könnte. Anleger hegten Zweifel am bislang sehr verlustreichen Geschäftsmodell und an der Machtfülle des umstrittenen Chefs und Mitgründers Adam Neumann. Laut US-Medien peilte WeWork zuletzt nur noch eine Bewertung von rund zehn Milliarden Dollar an. Bei einer Finanzierungsrunde im Januar war das Unternehmen von Investoren noch auf 47 Milliarden Dollar taxiert worden. Startups mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar werden als "Einhörner" bezeichnet.

Rückschlag für Großinvestor Softbank

Die jüngsten Entwicklungen von WeWork sind ein Rückschlag für den japanischen Großinvestor Softbank. Der größte Investor von WeWork versucht 108 Milliarden Dollar für seinen zweiten Technologiefonds „Vision Fund 2“ zu sammeln. Wegen der enormen Minderung der WeWork-Bewertung hatte Softbank auf eine Verschiebung des Börsengangs gedrängt.

Der Faktor Neumann

In der Vergangenheit wurde immer wieder Kritik an WeWork-Chef Neumann laut. Im Juli soll er Unternehmensanteile im Wert von 700 Millionen Dollar verkauft haben, vor dem Börsengang sorgte dieses Handeln nicht gerade für Vertrauen bei Investoren. Neumann soll außerdem in einen massiven Interessenkonflikt verwickelt gewesen sein, berichtete das „Wall Street Journal“ bereits im Januar. Neumann sei gegenüber dem eigenen Unternehmen als Vermieter aufgetreten und habe so Millionen verdient.

WeWork hat nun angekündigt, den Einfluss Neumanns einzuschränken. Seine Aktien sollen mit weniger Stimmrechten ausgestattet werden und seine Familie nicht im Verwaltungsrat vertreten sein.

Gewinne nicht in Sicht

Wework Co-working space in New York

Wework in New York. | Bildquelle: Imago

WeWork hatte sich durch den Börsengang Erlöse von mindestens drei Milliarden Dollar erhofft. Dieses Ziel hängt einem Insider zufolge mit einer sechs Milliarden Dollar schweren Kreditlinie zusammen, die sich WeWork vergangenen Monat gesichert hat. Bedingung dafür sei der Börsengang in diesem Jahr mit einem Erlös von mindestens drei Milliarden Dollar. Sollte der  Börsengang des Büroverwalters in diesem Jahr scheitern, muss sich das Management nach anderen Finanzierungsmöglichkeiten umschauen. Gewinne sind mittelfristig nicht in Sicht. Allein im ersten Halbjahr machte das Unternehmen einen Verlust in Höhe von 690 Millionen Dollar.

WeWork mietet Immobilien an und vermietet Büroflächen an Unternehmen und Startups, die kurzlaufende Mietverträge abschließen. Das Unternehmen ist mittlerweile an 528 Standorten in 29 Ländern vertreten.

ms/rtr