Warren Buffett greift nach einem iPhone

Apple-Aktie unter Druck Wie Warren Buffett mal eben vier Milliarden Dollar verlor

Stand: 05.11.2018, 14:32 Uhr

Ende August rühmte sich Starinvestor Warren Buffett damit, weitere Apple-Aktien gekauft zu haben, weil er von der Welt des iPhone-Hersteller fasziniert sei. Doch das Faszinosum hat ihn zuletzt viel Geld gekostet.

Aus Enttäuschung über die eingetrübten Aussichten im laufenden Weihnachtsquartal haben viele Anleger am Freitag ihre Apple-Aktien aus den Depots geworfen. Am Ende des Handels an den New Yorker Börsen - Apple ist sowohl im Dow Jones-Index als auch im Nasdaq 100 notiert - hatten die Aktien des iPhone-Herstellers 6,6 Prozent an Wert verloren und schlossen bei 207,48 Dollar, nachdem sie am Vortag noch auf 222,22 Dollar gestiegen waren.

Für Großanleger und Apple-Liebhaber Warren Buffett hatte der Kursverlust von 14,74 Dollar schmerzliche Konsequenzen. Bei einem Bestand von gut 252 Millionen Aktien summierte sich der Verlust auf 3,7 Milliarden Dollar. Experten zufolge könnten es sogar noch mehr gewesen sein, denn Buffett besitzt inzwischen mehr Apple-Aktien als zuletzt bekannt.

Buffett kauft noch mehr Apple-Aktien

Warren Buffett

Warren Buffett. | Bildquelle: Imago

Er habe in den Sommermonaten noch ein paar Anteilsscheine hinzugekauft, sagte der 88-jährige Starinvestor Ende August in einem Interview mit dem Sender CNBC. Wieviele Titel genau seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway seit Ende Juni dazu gekauft hat, wollte Buffett nicht sagen. Es seien nur wenige Papiere hinzugekommen.

Experten gehen deshalb davon aus, dass die Verluste von Buffett fast vier Milliarden Dollar erreicht haben könnten. Berkshire Hathaway ist einem Anteil von zuletzt gut fünf Prozent einer der größten Einzelaktionäre von Apple. Dessen Börsenwert war als erstes Unternehmen weltweit über die Schwelle von einer Milliarde Dollar geklettert, mit dem Kurssturz am Freitag ist es wieder darunter gefallen.

Kursschwankungen sind nicht so wichtig

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
215,15
Differenz relativ
+0,26%

Buffett bringen die Kursschwankungen nicht aus der Ruhe. Er orientiere sich bei Apple nicht an den Quartalszahlen oder Jahresausblicken, sagte er im CNBC-Interview. Für ihn sei viel wichtiger, dass viele Hundert Millionen Menschen auf der Welt ihr Leben mit Hilfe des iPhones oder eines iPads gestalten.

Zudem hält er die Preise für die iPhones für viel zu niedrig. Ein iPhone X sei viel mehr wert als 1.000 Dollar, die Geräte seien viel zu günstig. Tatsächlich versucht auch Apple die sinkenden Verkaufszahlen durch höhere Verkaufspreise zu kompensieren - offenbar mit Erfolg. Im letzten Quartal stieg der durchschnittliche Verkaufspreis um über 40 Prozent auf 793 Dollar.

Kann Apple noch positiv überraschen?

Präsentation iPhone Xs

Präsentation iPhone Xs. | Bildquelle: ZEW, Grafik: boerse.ARD.de

Eine wichtige Entwicklung, erzielt doch Apple 60 Prozent seines Einkommens mit dem Verkauf von iPhones. In Zukunft will das Unternehmen keine detaillierten Zahlen zu den Verkaufszahlen mehr bekannt geben. Damit zeige Apple den Anlegern in gewisser Weise die kalte Schulter, monieren Kritiker. Allerdings hat Apple auch nie genaue Verkaufszahlen der Apple Watch veröffentlicht. Dem Aktienkurs hat dies nicht geschadet.

Und wie geht es nun weiter mit der Apple-Aktie? Die Experten des in New York ansässigen Finanzportals "Seeking Alpha" sind der Meinung, dass Apple im laufenden ersten Geschäftsquartal durchaus in der Lage ist, die Anleger positiv zu überraschen, also höhere Verkaufszahlen und Ergebnisse vorzulegen als erwartet.

Kultcharakter ist entscheidend

Apple iPhone 8 plus

Apple iPhone 8 plus. | Bildquelle: picture alliance / Valeriy Melnikov/Sputnik/dpa

Denn besonders in den aufstrebenden Ländern Asiens genieße weiterhin Kultcharakter. Zudem habe Apple auch im ersten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres weniger Geräte verkauft als erwartet. Dennoch sei der Aktienkurs im weiteren Verlauf deutlich gestiegen, weil die Verkäufe deutlich angezogen seien. Zudem spiele es keine Rolle für den wahren Wert des Unternehmens, ob Apple nun 77,3 Millionen iPhones im Jahr verkaufe oder 80 Millionen wie sich das einige Analysten vorgestellt hätten.

Überhaupt bemängeln einige Experten, dass der Apple-Kurs zu sehr von den Erwartungen der Analysten abhänge. Das Unternehmen mache sich also weniger angreifbar, wenn es künftig die detaillierten Verkaufszahlen der iPhones nicht mehr bekannt gebe.

Goldman Sachs ist etwas skeptischer

Der Analyst von Goldman Sachs, Rod Hall, ist eher skeptisch. Er hat das Kursziel für Apple nach den jüngsten Zahlen von 240 auf 222 Dollar gesenkt und die Einstufung auf "Neutral" belassen. Die vom iPhone-Hersteller ausgewiesenen durchschnittlichen Verkaufspreise seien hoch gewesen, weswegen er seine Preiserwartungen für 2019 angehoben habe, erklärte Hall. Der Experte geht jedoch von weniger iPhone-Verkäufen aus und senkte deshalb seine Schätzungen zum Gewinn je Aktie (EPS) im kommenden Jahr.

lg