Kleine Roboterfigur

Neue Entwicklungen Wie Roboter Panikverkäufe verhindern - in Zukunft

Stand: 06.06.2018, 13:25 Uhr

Auf Algorithmen basierende Anlageberatung wird in der Vermögensverwaltung schon lange praktiziert. Doch dank dem Einsatz künstlicher Intelligenz können die "Robo Advisors" immer mehr - sogar die Kunden vor Panikverkäufen bewahren.

Spätestens in zwei Jahren, glauben die Experten von Morgan Stanley, könnte der Dialog zwischen einem Kunden (hier Dave genannt) und seinem Anlageberater, einem "intelligenten" Roboter, so aussehen:

Kunde: Die Märkte stürzen ab. Verkauf alles, sofort.

Morgotron 2000: Es tut mir leid, Dave, aber ich kann dich das nicht machen lassen.

Kunde: Wie meinst Du das?

Morgotron 2000: Ich habe deine Facebook-Seite gelesen und gesehen, dass deine Tochter Felicity nächstes Jahr auf die Universität gehen soll. Du weißt, was das kostet. Du kannst es dir also gar nicht leisten, all deine Wertpapiere zu verkaufen. Außerdem schreibt deine Tochter auf Instagram, dass sie sich ein Pferd wünscht. Auch das ist nicht billig.

Kunde: Wie bitte??

Morgotron 2000: Zudem weiß ich von deinem Kokain-Problem, Dave. Wenn du jetzt deine Wertpapiere verkaufst, jagst du doch das ganze Geld durch deine Nase.

Kunde: Woher weißt du das?

Morgotron: Wir sollten nicht mehr über einen Verlauf reden. Übrigens sehe ich, dass du auch noch ein Depot bei Goldman hast. Wäre es nicht an der Zeit, vollständig zu Morgan Stanley zu wechseln?

Noch sind solche Dialoge Zukunftsmusik. Doch die US-Bank arbeitet bereits an der Einsetzung künstlicher Intelligenz für ihre 16.000 Finanzberater. Damit werden Anlageempfehlungen von Computern ("Robo-Advice" oder "Robo-Advisors") immer wichtiger. Der Vorteil: Sie treffen kühle Entscheidungen nur aufgrund ihrer Analysen, während sich Menschen häufig von Emotionen leiten lassen und dabei irrationale Entscheidungen treffen: Ein Problem, das sich besonders bei Börsencrashs oder heftigen Kursabstürzen zeigt, weil es dann zu Panikverkäufen kommt.

Besonnener handeln

Ein Anlageroboter, so die Überzeugung vieler Bankexperten, würde dagegen besonnener handeln. Käme es zu einer Finanzkrise wie 2008, würde das System beispielsweise den Aktienanteil herunterschrauben und verstärkt in Tagesgeld investieren, statt gleich das gesamte Depot zu liquidieren. Zur Zeit ist es meist noch ein sehr einfaches, aber effektives Mittel, um überstürzte Verkäufe von Privatanlegern zu vermeiden: Die Webseiten von Brokern und „Robo Advisors“ sind in Panikzeiten manchmal gar nicht aufrufbar.

Dass Anlageroboter mindestens ebenso gut sind wie menschliche Anlageberater, haben erste Erfahrungswerte bereits gezeigt - zumindest in einem Zeitraum von einigen Monaten. So haben hierzulande, wie ein Vergleichstest von Brokervergleich.de ergab, Robo-Advisors im zweiten Halbjahr 2016 Performances zwischen 4,7 und 9,5 Prozent zustande gebracht. Und damit ein als Vergleichsbasis verwendetes Benchmarkportfolio (halb Anleihen, halb Aktien in Form eines MSCI World-Indexfonds und eines breit diversifizierten Anleihe-Indexfonds) in acht von neuen Fällen geschlagen. Zum Teil recht deutlich, denn die Benchmark erreichte 5,2 Prozent Performance.

Rolle des passiven Users

Nachteil von Robo-Advisors ist dagegen, dass der Anleger in den meisten Fällen in die Rolle des passiven Users delegiert wird, der nur das Grundgerüst seiner Anlage mit dem Risiko vorgibt – die Anlagestrategie legt der Robo-Advisor autonom fest, ohne dass der Benutzer nachsteuern kann.

lg

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