EZB-Präsident Mario Draghi

Spekulationen über Wiederaufnahme der Anleihenkäufe Wie locker wird die EZB?

Stand: 21.07.2019, 15:34 Uhr

"Super Mario" Draghi will sich offenbar mit einem letzten Coup als oberster europäischer Währungshüter verabschieden. Laut Medienberichten plant die EZB, die Anleihenkäufe wieder aufzunehmen. Blackrock-Chef Larry Fink reicht das nicht.

Der weltgrößte Vermögensverwalter empfiehlt der Europäischen Zentralbank (EZB), die Geldpolitik noch stärker zu lockern und nun auch noch Aktien zu kaufen - nach dem Vorbild der Bank of Japan. Mit einem solchen Schritt könnten die Währungshüter die Konjunktur in Europa ankurbeln, sagte Blackrock-Chef Larry Fink. Europäische Aktien seien deutlich preiswerter als ihre US-Pendants, weil Europa über keine "Aktien-Kultur" verfüge. Eine weitere geldpolitische Lockerung mit negativen Zinsen dürfte nicht dieselbe Wirkung entfalten wie Aktienkäufe. Äußerungen von Blackrock haben großes Gewicht an den Finanzmärkten.

Neues Anleihenkaufprogramm bis November?

Dass EZB-Präsident Draghi so weit gehen wird, ist fraglich. Vieles aber deutet darauf hin, dass der Italiener am Donnerstag die Wiederaufnahme der Anleihekäufe verkündet. Anlagestratege Felix Herrmann von Blackrock rechnet mit einer Geldspritze von weiteren 500 bis 600 Milliarden Euro.

Draghi wolle den umstrittenen Kauf von Staatsanleihen bis November durchführen lassen, berichtete der "Spiegel" am Freitag unter Verweis auf Notenbankkreise. Der EZB-Präsident wolle in seinen letzten Monaten seiner Nachfolgerin Christine Lagarde den Start erleichtern.

Höhere Strafzinsen für Banken

Darüber hinaus erwäge die EZB-Führung, den Strafzins für Banken zu erhöhen, den diese zahlen müssen, wenn sie überschüssiges Geld bei der Notenbank parken. Ein entsprechender Entschluss sei im September möglich. Die meisten Ökonomen rechnen mit einer Zinssenkung. Die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB den Einlagenzins von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent senkt, wird mittlerweile auf etwa 60 Prozent taxiert.

Draghi hatte im Juni neue Lockerungsschritte der EZB signalisiert, sollte die Inflation weiterhin nicht anziehen. Es gebe erheblichen Spielraum für weitere Anleihenkäufe. Zudem gehörten erneute Zinssenkungen und Maßnahmen, um unerwünschte Nebenwirkungen der lange bestehenden Negativzinsen einzudämmen, zu den Instrumenten, sagte er auf einer EZB-Konferenz in Sintra.

Lockerung des Inflationsziels?

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In dem Bericht des "Spiegel" hieß es weiter, Draghi wolle außerdem das Inflationsziel lockern. Künftig solle es bei genau 2,00 Prozent liegen statt wie bisher bei unter aber nahe 2,00 Prozent. Auf der jüngsten Zinssitzung im Juni hatten die Währungshüter laut dem Sitzungsprotokoll bereits über mögliche Strategieüberlegungen gesprochen. Die letzte größere Strategieüberprüfung des Inflationsziels gab es 2003.

Deutsche Banken haben einem Medienbericht zufolge im vergangenen Jahr Negativzinsen auf ihre bei der Bundesbank gehaltenen Einlagen von rund 2,4 Milliarden Euro bezahlt. Das berichtet die "Rheinische Post" am Samstag unter Berufung auf eine Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine kleine Anfrage der FDP-Fraktion. Demnach leisteten alle im Euroraum ansässigen Banken zusammen Zahlungen von rund 7,5 Milliarden Euro, weil die EZB ihnen negative Zinsen in Rechnung stellte. Unter dem Niedrigzinsumfeld leiden demnach vor allem kleine und mittlere Kreditinstitute. Niedrigzinsen hätten "die Ertragssituation der kleinen und mittelgroßen Kreditinstitute in Deutschland stark belastet".

nb