Geely SUV stellt sich Daimler in den Weg
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Daimler-Einstieg des chinesischen Großinvestors Wie konnte sich Geely bei Daimler anschleichen?

Stand: 27.02.2018, 14:26 Uhr

Was ist da hinter den Kulissen gelaufen beim überraschenden Daimler-Einstieg des chinesischen Autobauers Geely und seines Gründers Li Shufu? Die überraschende Transaktion wirft eine ganze Reihe von Fragen auf.

Allen voran die, wie es dem chinesischen Investor gelingen konnte, die Meldeschwelle von drei und fünf Prozent zu erreichen und dann auch noch in einem Zug bis auf 9,7 Prozent auszubauen - ohne dass irgendjemand etwas davon mitbekommen hat. Gibt es gar Lücken im Gesetzgebungsverfahren? Wird der Deal womöglich außenpolitische Konsequenzen haben?

Geely-Chef Li Shufu

Geely-Chef Li Shufu. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Wie konnte der Coup der Chinesen so unbemerkt über die Bühne gehen? Das war nur über ein komplexes Derivategeschäft möglich. Durch eine Mischung aus Aktien und Optionen konnte Geely die dreiprozentige Meldeschwelle umgehen, die nur für reine Aktienpositionen gilt. Gemischte Positionen dieser Art sind erst ab fünf Prozent meldepflichtig.

Beim plötzlichen Sprung bis auf knapp zehn Prozent nutzte Geely eine komplizierte Derivateposition, einen sogenannten Aktien-Collar, wie die "Wirtschaftswoche" unter Berufung auf Finanzkreise schreibt. Dabei taucht ein bekannter Name auf. Das Geschäft soll unter anderem vom ehemaligen Morgan-Stanley-Banker Dirk Notheis eingefädelt worden sein, heißt es bei Reuters unter Bezug auf Insider. Notheis war auch beim gescheiterten Übernahmeversuch von Porsche durch VW vor zehn Jahren beteiligt, der ebenfalls über große Derivatepositionen abgewickelt werden sollte. Am aktuellen Collar zu Daimler sollen Morgan Stanley und die Bank of America beteiligt gewesen sein, die eine Stellungnahme ablehnen.

Politik ist wachgerüttelt

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Angela Merkel. | Quelle: picture-alliance/dpa

Hohe Wellen schlägt der Deal auch im politischen Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte am Dienstag, es müsse geklärt werden, ob es Lücken in der Transparenz der Meldepflichten gebe. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) betonte zwar die prinzipielle Offenheit der deutschen Volkswirtchaft für Investoren, mahnte aber von chinesischer Seite im Gegenzug mehr Offenheit an. "Auch als offener Investitionsstandort haben wir natürlich ein großes Interesse daran, fairen Wettbewerb zu sichern und besseren Schutz vor nicht marktkonformen Firmenübernahmen zu bieten", sagte die Ministerin dem "Handelsblatt".

Brigitte Zypries

Brigitte Zypries. | Bildquelle: picture alliance / AP Images

Gleichzeitig sprach sie von einem "enormen Anstieg" der Übernahmen durch chinesische Firmen. Die EU müsse deshalb künftig Instrumente haben, um solche Investitionen besser prüfen zu können. Auch einen Reformbedarf der deutschen Außenwirtschaftsgesetze deutete sie an. Sie machte aber auch klar, dass im Falle Daimler eine unternehmerische Entscheidung getroffen worden sei Die Finanzaufsicht BaFin prüft ebenfalls, ob die gesetzlich vorgeschriebenen Meldefristen eingehalten worden sind.

Und Daimler selbst? Personalvorstand Wilfried Porth erklärte, mit dem Geely-Einstieg seien keine Arbeitsplätze bei Daimler gefährdet. "Der neue Investor unterstützt unsere Strategie und das Management voll und ganz", sagte der Manager der "FAZ". Arbeitnehmerverteter bleiben bisher gelassen. Es gehe schließlich nicht um die Übernahme von Daimler, erklärte IG Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger. "Chinesische Investoren führen sich nicht wie die Axt im Wald auf", so der Gewerkschaftsverteter weiter.

Alles schon mal da gewesen

Die nebulösen Hintergründe des spektakulären Deals überschatten die eigentlich wichtigste Frage bei einem Geschäft in dieser Größenordnung. Wo liegen für beide Partner bei einem solchen Milliardengeschäft die betriebswirtschaftlichen Vorteile?

Idealerweise sollten beide Partner profitieren, Experten sprechen dann im Fachjargon von einem "win-win-Geschäft". Gerade für den Daimler-Konzern stellt sich aber derzeit genau diese Frage, denn einen chinesischen Kooperationspartner haben die Stuttgarter mit BAIC bekanntlich schon. Und die Börse fragt sich genau dies auch, wie die gestrige Aktienreaktion gezeigt hat. Während Daimler-Papiere absackten, zog die Geely-Aktie in Hong Kong an.

Neu ist das Interesse von Geely allerdings nicht. Schon im vergangenen Herbst hatte das Unternehmen einen Versuch gestartet, bei Daimler einzusteigen, war aber abgeblitzt.

rm