Wochenausblick

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Fed-Sitzung im Blick Wie hoch steigen die US-Zinsen?

von von Robert Minde

Stand: 23.09.2018, 12:57 Uhr

Die Börse blickt kommende Woche auf die Zinssitzung der amerikanischen Notenbank Fed. Eine weitere Erhöhung gilt an der Börse als ausgemachte Sache. Aber was kommt danach? Das ist die eigentlich entscheidende Frage für die Anleger.

Schon seit dem Jahr 2015 drehen Amerikas Notenbanker behutsam an der Zinsschraube, begleitet von einer umfangreichen Kommunikation der Notenbank mit den Märkten - fast schon vorbildlich, der Erfolg gibt den Bankern bisher recht. Trotz der angezogenen Zinszügel zeigen sich die Kapitalmärkte nämlich unbeeindruckt, was alles andere als selbstverständlich ist, wenn Geldpolitik restriktiver wird. Erst am Freitag markierte die Wall Street neue Höchststände.

Jerome Powell

Jerome Powell. | Bildquelle: Imago

Am Mittwoch dürfte es wieder so weit sein; der achte Zinserhöhungsschritt wird erwartet auf die neue Spanne von 2,00 bis 2,25 Prozent. In Anbetracht eines leergefegten Arbeitsmarktes, und trotz des anhaltenden Handelskonflikts vor allem mit China einer weiterhin boomenden US-Wirtschaft, ein nachvollziehbarer Schritt. Amerikas Notenbanker dürften dabei die Fehler zu Beginn des Jahrtausends stets im Kopf haben, als sie zu spät gegengesteuert hatten und die Blase am Hausmarkt dann nicht mehr zu stoppen war.

In Richtung 3,0 Prozent

Bankchef Jerome Powell wird am Mittwoch (ab 20:00 MEZ) die Entscheidung der Bank verkünden. Mit Spannung erwarten die Märkte dabei vor allem den Ausblick des Bankchefs. Mit einer weiteren, einer vierten Zinserhöhung in diesem Jahr, wird mehrheitlich noch im Dezember gerechnet. Und dann?

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"Weitere Schritte dürften folgen, aber es ist davon auszugehen, dass die Leitzinsen bei etwa 3,0 Prozent ihren Gipfel erreichen werden", meint Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner, der damit auch die allgemeine Markterwartung trifft. Würde bedeuten, dass 2019 noch zwei weitere Zinserhöhungen auf der Agenda stehen. Was auch immer Powell sagt, je eher er den Märkten Klarheit verschafft, desto besser.

Euro muss kämpfen

Die höheren US-Zinsen bedeuten aber auch, dass das Zinsvoraus des Dollar gegenüber dem Euro weiter steigt. Und das ist jetzt schon mit 250 Basispunkten gewaltig.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren nämlich mit rund 3,1 Prozent, Bundesanleihen gleicher Laufzeit bei knapp 0,5 Prozent. Selbst zweijährige US-Treasurys stehen mit 2,8 Prozent in Erwartung weiterer Erhöhungen nur knapp unter den langen Laufzeiten. Ein Laufzeitenbereich, der bei Bundeswertpapieren mit minus 0,55 Prozent deutlich im Minus liegt.

In Anbetracht des zögerlichen Kurses der EZB dürfte sich an diesen gewaltigen Unterschieden so bald auch nichts ändern, so dass der Greenback als Aufwertungswährung weiter stark unterstützt bleibt. Auch für die Schwellenländerwährungen bleibt die Lage damit kritisch, werden doch die in diesen Ländern dringend benötigten Dollars von vielen Investoren in die USA zurückgeholt.

Politik bleibt ein Thema

Und was hat die neue Woche sonst noch zu bieten? Ganz klar, der Handelsstreit der USA mit China kann jederzeit wieder auf die Tagesordnung kommen. Aber die Märkte scheinen sich daran gewöhnt zu haben, zudem fiel die letzte Zollrunde von Donald Trump mit einem Satz von zehn Prozent nicht ganz so desaströs aus wie befürchtet.

Besteht also trotz markiger Rhetorik noch Hoffnung? Es wäre neben den guten Wirtschaftsdaten ein weiterer Treibsatz für die US-Aktienmärkte - von denen dann auch unserer Markt profitieren dürfte, wie zuletzt gesehen. Zumal hierzulande ohnehin erheblicher Nachholbedarf besteht. Über 1.000 Punkte sind es immerhin bis zum Rekordhoch von 13.596 Punkten aus dem Januar. "Die Herbststürme an den Börsen sind offenbar vorüber", schreibt Investmentanalyst Frank Klumpp von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Italien nicht vergessen

Unverhofft kommt aber bekanntlich oft - eine neue politische Front könnte kommende Woche die ungerechenbare italienische Populisten-Regierung aufmachen, die derzeit heftig über den Haushalt 2019 streitet.

Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte (l.) und der Wirtschaftsminister Giovanni Tria

Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte (l.) und der Wirtschaftsminister Giovanni Tria. | Bildquelle: Imago

Gefangen zwischen unbezahlbaren Wahlversprechen und den Brüsseler Regeln dürfen sich die Märkte auf einen weiteren römischen Eiertanz einstellen. Zuletzt hatten Meldungen beruhigt, dass unter der Führung des parteilosen Finanzministers Giovanni Tria das hochverschuldete Land seine Defizit-Pflichten gegenüber Brüssel erfüllen wolle.

Nicht zuletzt deshalb rentieren die marktführenden zehnjährigen italienischen Renditen aktuell mit 2,83 Prozent moderat. Die Märkte werden aber nicht lange fackeln, sollte sich dieser Eindruck verflüchtigen. Ein weiterer, vielleicht sogar der entscheidende Grund für EZB-Chef Mario Draghi, für die alternativlose Nullzinspolitik im Euroraum. Höhere Zinsen können sich Länder wie Italien einfach nicht leisten, Griechenland lässt grüßen.

Neue Indizes der Deutschen Börse

Am Montag aber stehen zunächst die neu formierten Indizes der Deutschen Börse im Blick der Anleger, wobei die Klassifizierung zwischen Technik und Klassik aufgehoben wird. Im Dax tut sich relativ wenig, der Zahlungsverkehrsabwickler Wirecard ersetzt die Commerzbank, die in den MDax abrutscht. Zukünftig können zudem Technologieaktien auch im MDax oder SDax enthalten sein.

Apropos Banken: Die Aktie der Deutschen Bank bleibt zwar im Dax, rutscht aber aus dem europäischen Leitindex Euro Stoxx 50. Kein Wunder, dass zuletzt immer mehr Gerüchte über eine Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank die Runde gemacht haben.

Dies mit dem Ziel, der exportstarken deutschen Wirtschaft eine angemessene große heimische Bank an die Seite stellen zu können. Die Berliner Politik jedenfalls scheint nicht abgeneigt, zumal der Bund noch 15 Prozent an der Commerzbank hält. Ein Thema, das an der Börse kommende Woche aufpoppen könnte.

EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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TecDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zurück zur Änderung der Indexsystematik: Der MDax wird von 50 auf 60 Werte, der SDax von 50 auf 70 Werte aufgestockt, im TecDax bleibt es bei 30 Werten. Trotzdem, daran dass mit der Deutschen Telekom, SAP und Infineon gleich drei Dax-Mitglieder auch im TecDax zu finden sein werden, muss sich der eine oder andere Anleger vielleicht noch gewöhnen. Insgesamt werden sich 13 der bisherigen TecDax-Mitglieder künftig im MDax wiederfinden.

Konjunkturdaten im Blick

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ifo. | Bildquelle: ifo, colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

Hierzulande erwartet die Börse am Montag den wichtigen Ifo-Geschäftsklimaindex für September und am Donnerstag das GfK-Verbrauchervertrauen. In der Eurozone wird am Donnerstag das Wirtschafts- und Verbrauchervertrauen für September veröffentlicht. EZB-Chef Draghi eröffnet zudem die ESRB-Jahreskonferenz in Frankfurt.

In den USA stehen neben der Zinssitzung am Dienstag und Mittwoch Daten zum Verbrauchervertrauen und zum privaten Konsum im zweiten Quartal auf der Agenda. In der Nacht auf Freitag kommen aus China Caixin-Daten für das Verarbeitende Gewerbe im September.

Unternehmensseitig ist es nächste Woche ruhig. Für Interesse dürften die Q4-Zahlen von Adidas-Erzrivale Nike sorgen, die am Dienstag nach Börsenschluss in den USA (22:15 MEZ) veröffentlicht werden. Aus der zweiten heimischen Reihe legt Autozulieferer Hella am Donnerstag Zahlen für sein erstes Geschäftsquartal vor und hält am Freitag seine Hauptversammlung ab. Fußballclub Borussia Dortmund präsentiert noch seinen Geschäftsbericht. Ebenfalls am Freitag tagt der VW-Aufsichtsrat. Es wird mit einer Abberufung des derzeit wegen des Dieselskandals inhaftierten Audi-Chefs Stadler gerechnet.

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