Apple-Store in Shanghai

50 Prozent Marktanteil Wie Apple den Smartwatch-Markt dominiert

von Lothar Gries

Stand: 09.09.2019, 10:57 Uhr

Heute vor fünf Jahren stellte Apple seine Smartwatch vor. Was anfangs als Spielerei für Fitness-Fetischisten belächelt wurde, ist heute ein lukrativer Markt mit Apple an der Spitze. Wie haben die Kalifornier das geschafft?

Glaubt man den Berechnungen der Marktforschungsfirma Strategy Analytics hat Apple allein im zweiten Quartal dieses Jahres 5,7 Millionen Computer-Uhren verkauft, 50 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Anteil von Apple am Smartwatch-Markt sei damit von 44,4 Prozent auf 46,4 Prozent gestiegen.

Konkurrent Samsung mit seiner "Galaxy Watch" folgt weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz mit zwei Millionen verkauften Computer-Uhren und knapp 16 Prozent Marktanteil. Einen Rückgang verbuchte der drittgrößte Anbieter, Fitbit. Wurden im Vorjahresquartal noch 1,3 Millionen Fitbit-Smartwatches verkauft, waren es im zweiten Quartal 2018 1,2 Millionen. Das entspricht einem Marktanteil von 9,8 Prozent. Die restlichen 28 Prozent verteilen sich auf verschiedene kleinere Anbieter.

Weltweite Smartwatch Marktanteile

Apple ist der große Dominator auf dem Smartwatch-Markt. | Bildquelle: Strategy Analytics

Vorteil Apple-Öko-System

Damit konnte Apple seine dominierende Position weiter festigen. Konzernchef Tim Cook hatte bereits im letzten Jahr verkündet, dass Apple nicht nur der erfolgreichste Hersteller von Smartwatches ist, sondern sich in der Rangliste der weltweit größten Uhrenanbieter an die Spitze gesetzt und Rolex abgelöst habe. Laut den Marktforschern von IDC soll Apple im vergangenen Jahr mehr Uhren verkauft haben als alle Schweizer Uhrenmacher zusammen – was ein neuer Rekord wäre.

Smartwatch-Verkäufe weltweit

Smartwatch-Verkäufe weltweit. | Bildquelle: Strategy Analytic, Grafik: boerse.ARD.de

Was macht die Apple Smartwatch so attraktiv? Wie hat es Apple geschafft, den Markt derart zu dominieren, obwohl über 80 Prozent aller Smartphones auf dem Betriebssystem Android basieren? Der Konzern profitiere davon, dass schon viele potenzielle Smartwatch-Käufer andere Geräte aus dem Hause Apple besitzen wie iPhones oder iPads und diese sich untereinander perfekt verknüpfen ließen, erklärt Analyst Neil Mawston. Zudem biete Apple derzeit die nutzerfreundlichsten Geräte an, die die meisten Apps haben und eine wohlhabende Kundenbasis besitzen, die ihre iPhones gerne mit neuen Gadgets aufrüsten, so der Experte.

Besonders attraktive Gesundheits-Funktionen

Besitzer von Mobiltelefonen auf Android-Basis sind dagegen deutlich weniger oft Nutzer smarter Uhren. Das liege nicht nur daran, dass sie weniger wohlhabend seien als Apple-User, sondern erkläre sich vielmehr damit, dass es in der Android-Welt keine gemeinsame Software-Basis gebe, erklären Experten. Apps müssten jeweils angepasst werden. Die Integration in die Android-Software auf den Telefonen der Nutzer funktioniere dadurch zwangsläufig nicht so gut wie bei Apple.

Zudem punktet die Apple Watch nicht nur mit der besseren Anbindung an das Apple-Ökosystem. Sie bietet auch die als besonders attraktiv geltenden Gesundheits-Funktionen an. So verfügt die Uhr über Funktionen wie Schrittzähler, Herzfrequenzsensor und hat inzwischen sogar eingebaute EKG-Sensoren und Sturz-Warner, die automatische Notrufe auslösen können. Und die Funktionen werden ständig erweitert. Schon morgen auf dem Apple-Neuheiten-Event dürfte der Technologiekonzern eine Schlafüberwachung vorstellen, das so genannte "Sleep Tracking". Damit wäre die letzte "Lücke" geschlossen, die eine Apple Watch von einem klassischen Fitness-Armband trennt.

Apple Watch Series 4

Das ist die aktuelle Apple Watch Series 4, morgen stellt Apple den Nachfolger vor. | Bildquelle: picture alliance / MAXPPP

Für Android-Nutzer attraktiver werden

Um sich möglichst lange einen hohen Marktanteil zu sichern, will sich Apple demnächst auch den Android-Nutzern stärker öffnen. Das iPhone bleibe für die Ersteinrichtung zwar unerlässlich, danach könne die Uhr (wenn es sich um das LTE-Modell handelt) aber wie ein separates kleines Smartphone genutzt werden. Experten glauben, dass es genau diese Unabhängigkeit vom iPhone braucht, um den Siegeszug der Uhr dauerhaft zu sichern.

Zumal sich Fachleuten zufolge mit der Smartwatch eine noch höhere Marge erzielen lasse als mit dem iPhone. Somit könnte sich der stetige Ausbau des Watch-Angebots sowie der Marktanteile positiv auf die Bilanz des gesamten Unternehmen auswirken.

Apple sagt dazu wenig. Seit Einführung der Uhr vor fünf Jahren gibt es aus dem Konzern keine konkreten Verkaufszahlen. Nur soviel: Für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2019/20 hat der Konzern Einkünfte für Wearables und anderes Zubehör von 5,53 Milliarden Dollar ausgewiesen, 50 Prozent mehr als vor einem Jahr. Darin enthalten sind neben der Apple Watch auch Airpods, Beats und Homepods.