Wework Co-working space in New York

Großinvestor besorgt WeWork-Börsengang: Softbank drängt auf Verschiebung

Stand: 10.09.2019, 12:04 Uhr

Der Großaktionär Softbank blickt skeptisch auf die Entwicklung des amerikanischen Büroraum-Anbieters. WeWork soll den geplanten Börsengang zunächst absagen. Ansonsten droht eine Schlappe wie bei Uber.

Die Investoren von WeWork sind besorgt. Neben der Unternehmensführung und dem Geschäftsmodell sei es vor allem die Fähigkeit, Profite bei anhaltendem Wachstum zu generieren, die bei den potenziellen Anlegern Sorgenfalten bilden lässt, berichtet das "Wall Street Journal".

Und die Skepsis ist nicht unbegründet. Laut der Studie Global Coworking Survey erwirtschaften 50 Prozent der Coworking-Spaces keinen Gewinn. Auch WeWork weitete im ersten Halbjahr seinen Verlust um zehn Prozent auf 689,7 Millionen Dollar aus, während sich der Umsatz auf 1,54 Milliarden Dollar mehr als verdoppelte.

"Auf absehbare Zeit nicht profitabel"

Und das Startup rechnet auch vorerst weiter nicht mit einem Plus. "Wenn wir mit der gleichen Geschwindigkeit wachsen, werden wir auf absehbare Zeit nicht profitabel sein", so das Unternehmen selbst. Für Aufsehen hatte zuletzt auch das Verhalten von Firmenchef Adam Neumann gesorgt.

Unmittelbar vor dem Börsengang soll der WeWork-Mitgründer Anteile seines Unternehmens im Wert von 700 Millionen Dollar verkauft haben. Außerdem sicherte er sich die Rechte an dem Wort "We" - und ließ sich von seinem eigenen Startup für die Verwendung fast sechs Millionen Dollar bezahlen. Angesichts wachsender Zweifel wurde dieser Deal aber in der vergangenen Woche gestoppt. Investoren verwirrte er dennoch.

Softbank droht die nächste Enttäuschung

Größer Aktionär ist Softbank. 10,65 Milliarden US-Dollar hat der japanische Technologieinvestor in WeWork gesteckt und sich damit einen Anteil von 29 Prozent gesichert. Mit seinem 100 Milliarden Dollar schweren Investmentfonds Vision Fund setzt Softbank auf "Einhörner" - heiße Startups, deren Wert auf über eine Milliarde Dollar geschätzt wird.

Bisher hatten die Japaner damit wenig Erfolg. Nach Angaben des amerikanischen Senders "CNBC" ist etwa ihr Uber-Anteil auf sieben Milliarden Dollar geschrumpft, ein Minus von rund 600 Millionen Dollar. WeWork könnte der nächste Flop werden. Droht dem neun Jahre alten Unternehmen das gleiche Schicksal wie Uber oder Snapchat, deren IPOs in ziemlicher Enttäuschung endeten?

Deutlich niedrigere Bewertung

Angesichts weitreichender Skepsis seiner Investoren fasst WeWork eine deutlich niedrigere Bewertung für den geplanten Börsengang ins Auge als zunächst angenommen. Das mittlerweile in WeCompany umbenannte Startup denke über eine Summe nach, die sogar unter der 20 Milliarden-Dollar-Marke liegen könnte, sagten zwei Insider. Eine mit den Plänen vertraute Person rechnet sogar nur mit einem Wert zwischen 15 und 18 Milliarden Dollar. Damit wolle WeWork doch noch den Sprung an die Börse schaffen.

Softbank will den Börsengang offenbar komplett verschieben, schreibt die Nachrichtenagentur "Bloomberg" mit Verweis auf mit der Sache vertrauten Personen. Eine Erstnotiz solle zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Anfang des Jahres hatte das Unternehmen 47 Milliarden Dollar von privaten Investoren eingesammelt. Die Pläne für den Börsengang waren bereits Ende April bekannt geworden, im Dezember wurde ein entsprechender Antrag bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC eingereicht. Noch im September hatte sich WeWork laut "Bloomberg" einen Emissionserlös zwischen drei und vier Milliarden Dollar erhofft.

Wachstum mit hohen Kosten

Nach eigenen Angaben vermietet WeWork Büros an 527.000 Kunden in 111 Städten auf der ganzen Welt. Das Wachstum kostet allerdings viel Geld. Die Immobilien liegen überwiegend in angesagten Lagen mit steigenden Preisen. Um an freie Büros zu kommen, zahlt WeWork allein auf dem deutschen Markt zehn bis 20 Prozent mehr Miete als die Konkurrenz, sagen Branchenkenner.

WeWork WeiHei Lu Commons Shanghai

WeWork. | Bildquelle: Unternehmen

Die New Yorker Firma mietet Bürogebäude, baut sie um und vermietet die Schreibtische weiter. Ursprünglich waren Freiberufler die Zielgruppe der Gründer Neumann und Miguel McKelvey. Mittlerweile arbeiten 40 Prozent der Nutzer bei Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern.

Nur wenn WeWork es schafft, dauerhafte und verlässliche Mieter zu finden, könnte sich das Geschäft lohnen. Denn die Amerikaner haben oft lange Mietverträge mit bis zu 15 Jahren Laufzeit, die Untermieter binden sich im Schnitt allerdings nur für 15 Monate. Dieses Geschäft ist riskant. Kommt es tatsächlich zu einer Rezession, steht WeWork mit leeren Büros da - und Investoren wie Softbank mit leeren Händen.

tb