Kurstafel an der Deutschen Börse in Frankfurt

Dax am Scheideweg Wer stoppt die Börsentalfahrt?

Stand: 09.12.2018, 11:03 Uhr

Frostige Zeiten an den Märkten: Der Dezember hat mit massiven Kursverlusten begonnen. Ob die Talfahrt in der neuen Woche weitergeht, hängt von der Politik ab. Der chinesisch-amerikanische Handelsstreit und das Brexit-Chaos dürften die Anleger in Atem halten. Was tun die Notenbanken?

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Erst war es die Rezessionsangst, die die Börsen nach unten zogen. Dann beendete die Festnahme der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou die Hoffnung auf eine Entspannung im Zollkonflikt zwischen USA und verdarb den Anlegern gänzlich die (vorweihnachtliche) Stimmung. Der Dax rauschte unter die psychologisch wichtige Marke von 11.000 Punkten und büßte auf Wochensicht 4,2 Prozent ein.

Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Noch härter traf es die Wall Street. Der Dow sackte seit Montag um 4,5 Prozent ab. Das war der größte Wochenverlust seit März. Die Nasdaq gab gar um fast fünf Prozent nach. Auch am Freitag hielt die Ausverkaufsstimmung an. Die Bank Julius Bär warnt vor ruppigen Zeiten am Aktienmarkt. Im kommenden Jahr könnten die Kursschwankungen noch größer werden, da erst mit zwei Jahren Zeitverzögerung die Zinserhöhungen der US-Notenbank auf die Märkte durchschlagen.

"Huawei-Affäre" wird zur Gefahr für die Weltwirtschaft

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Wall Street mit größtem Wochenverlust seit März

Die Furcht vor einer Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China hat die Börsen wieder fest im Griff. Die "Huawei-Affäre" schürte Sorgen der Anleger, dass der Handelskonflikt die Weltwirtschaft ausbremst. "Die neue Konfrontation hat das Potenzial, die anstehenden Handelsgespräche zu belasten", urteilen die Analysten der LBBW. Die Festnahme der Managerin Meng erfolgte im Zusammenhang mit US-Ermittlungen zum Verstoß gegen Iran-Sanktionen. Meng soll demnach geschäftliche Beziehungen Huaweis verschleiert haben. Gegen diese Darstellung wehrten sich chinesische Staatsmedien vehement - und holten zum Gegenschlag aus: Es sei "zweifelsohne wahr und bewiesen", dass die USA alles versuchten, um Huaweis Expansion in der Welt einzudämmen, schrieb die englischsprachige "China Daily".

Britisches Parlament stimmt über den Bexit-Entwurf ab

Britische und Europa-Flagge - davor ein One Way-Schild

Brexit. | Bildquelle: picture alliance / Yui Mok/PA Wire/dpa

Börsianer rechnen damit, dass es Dax & Co es auch in der vorletzten Handelswoche vor Weihnachten schwer haben werden. Neben dem chinesisch-amerikanischen Handelskonflikt schwebt auch die Brexit-Hängepartie über den Handelssälen. Voraussichtlich am Dienstag soll das britische Parlament über den von Premierministerin Theresa May ausgehandelten Vertragsentwurf für den Austritt aus der EU abstimmen. Experten halten eine Ablehnung für wahrscheinlich, da die getroffenen Vereinbarungen weitgehend den Vorstellungen der EU entsprächen. "Danach dürfte genauso wenig Klarheit darüber herrschen, wie die zukünftigen Beziehungen des Vereinigten Königreiches zur EU aussehen werden, wie jetzt", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Das Abstimmungsergebnis könne aber Hinweise liefern, ob May im Amt bleiben könne.

Fällt der Entwurf durch, könnte May erst einmal erneut mit der EU verhandeln und kleinere Änderungen erwirken, glauben die Analysten des Finanzhauses Marcard, Stein & Co fest. "Auf Basis dieses nachgebesserten Entwurfs könnte es Mitte Januar eine zweite Parlamentsabstimmung geben." Die Bank Julius Bär sieht den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union als ein "kurzfristig lösbares Problem". Chefvolkswirt David Kohl geht nicht von einem zweiten Referendum im Königreich aus. Seiner Einschätzung nach dürfte es vielmehr "in letzter Minute eine Einigung für ein Abkommen für einen geregelten Brexit geben"

Italien bleibt stur

Auch den italienischen Haushaltsstreit mit der EU-Kommission haben Anleger weiterhin im Nacken. Die populistische Koalition in Rom will Regierungskreisen zufolge am Mittwoch in Brüssel - und damit einen Tag vor dem EU-Gipfel - einen abermals überarbeiteten Etatentwurf vorlegen, um ein Defizitverfahren zu vermeiden.

Die Flaggen von Italien und der EU

Italien - EU. | Bildquelle: picture alliance / ROPI

Die Regierung aus rechter Lega und populistischer Fünf-Sterne-Bewegung ist mit ihrem Haushaltsentwurf auf Konfrontationskurs zur EU-Kommission gegangenen. Die Brüsseler Behörde dringt auf eine Verringerung der Neuverschuldung und droht mit milliardenschweren Strafen. Doch Insidern zufolge will die Regierung trotzdem kaum von dem avisierten Fehlbetrag von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes abweichen. Italien ist bereits extrem hoch verschuldet, was an den Börsen Sorgen vor einer neuen Euro-Krise ausgelöst hat.

EZB geht vom Gaspedal

EZB-Chef Mario Draghi

EZB-Chef Mario Draghi. | Quelle: picture-alliance/dpa

Die Börsenwoche retten könnten vielleicht die Notenbanken. Am Donnerstag wird der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, im Mittelpunkt stehen. Die Zentralbanker dürften endgültig beschließen, dass die billionenschweren Anleihenkäufe zum Jahreswechsel eingestellt werden. Zudem wird der Schwerpunkt auf den Leitlinien für die Wiederanlage von Geldern aus fällig gewordenen Anleihen und den Wirtschaftsprognosen der EZB-Ökonomen liegen.

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"Horror-Woche" für den Dax

Insidern zufolge nimmt die Debatte über den besten Weg aus der ultralockeren Geldpolitik allmählich Fahrt auf. In der Diskussion sei unter anderem eine Auflage neuer Langfristkredite und eine gestaffelte Abfolge künftiger Zinserhöhungen, sagten mehrere Personen aus dem Umfeld der Währungshüter.

Kommen jetzt die Schnäppchenjäger?

Bei allen Unsicherheiten weisen einige Experten aber darauf hin, dass fundamental betrachtet die Zeit für Schnäppchenjäger kommen könnte, nachdem der Dax seit Anfang Oktober mehr als 11 Prozent verloren hat. So stellte UBS-Investmentchef Mark Haefele fest, dass Aktien derzeit mit einem 15-prozentigen Abschlag zu ihrem langfristigen durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis gehandelt werden. Seiner Einschätzung nach hat der Markt damit auf die Handelsstreitigkeiten überreagiert und die tatsächlichen Risiken mehr als eingepreist.

Auf der Konjunkturagenda stehen in der neuen Woche nur wenige relevante Daten. Am Freitag werden Anleger vor allem die Einzelhandelsumsätze in den USA im Auge behalten. Zudem stehen Daten zur Industrieproduktion an

Unternehmensseitig ist die Agenda vorweihnachtlich kaum gefüllt. Am Dienstag veröffentlicht die Kupferhütte Aurubis ihre Jahreszahlen, am Donnerstag enthüllt der Handelskonzern Metro seine Bilanz. Am Mittwoch steht für die noch verbliebenen Aktionäre der alten Linde AG mit der außerordentlichen Hauptversammlung ein wichtiger Tag an: Nach der Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair will der Gasehersteller Linde Plc. seine Aktien gegen eine Barabfindung einziehen.

nb