Montage des Fans eines Testtriebwerks GP7000 bei der MTU Aero Engines in München
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MTU steigt auf Wer ist der Neue im Dax?

Stand: 23.09.2019, 06:45 Uhr

Heute steigt MTU in den Dax auf und ersetzt dort den Industrieriesen Thyssenkrupp. Der Triebwerksbauer gilt als Profiteur des weltweiten Luftfahrtbooms. Was hat die Münchner so groß gemacht?

Der Aufstieg des heute MTU Aero Engines genannten Unternehmens begann erst vor wenigen Jahren - mit seiner Eigenständigkeit. Nachdem der Daimler-Konzern unter seinem damaligen Chef Jürgen Schrempp entschieden hatte, sich voll und ganz auf die Herstellung von Fahrzeugen zu konzentrieren, passte der Triebwerksbauer nicht mehr zum Portfolio.

So wurde die ungeliebte Tochter nach Jahrzehnten der Zugehörigkeit zu Daimler mit Wirkung zum ersten Januar 2004 an die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR) verkauft. Die brachte MTU nur ein Jahr später, im Juni 2005, an die Börse und legte damit den Grundstein für den späteren Aufstieg.

Fokussierte Zusammenarbeit

Montage eines Eurofighter-Triebwerks EJ200 bei der MTU Aero Engines in München

MTU Aero Engines. | Quelle: Unternehmen

Entscheidend zum Erfolg des Konzerns beigetragen hat auch der frühere Vorstandschef Egon Behle. Der studierte Luft- und Raumfahrtingenieur mit Erfahrung bei dem Raumfahrtkonzern Dornier leitete die Geschicke von MTU zwischen 2008 und Ende 2013. Er fokussierte das Unternehmen auf die Herstellung von Schlüsselkomponenten für die Triebwerke anderer Hersteller.

Statt das Risiko einzugehen, für viel Geld eigene Flugmotoren zu entwickeln, setzen die Münchner bis heute auf eine enge Zusammenarbeit mit den etablierten Herstellern Rolls-Royce aus England sowie den US-Konzernen GE und Pratt & Whitney.

MTU steckt in fast einem Drittel aller Flugzeuge

So entwickelt und baut MTU an den Antrieben für Mittelstrecken- und Großraumjets von Boeing und Airbus mit. Sowohl beim Boeing 787 "Dreamliner", dem Langstreckenjet Boeing 777 sowie dem Jumbo-Jet 747 ist vielfach MTU-Technik mit an Bord. Natürlich steckt auch viel MTU im Airbus. So liefern die Münchner gemeinsam mit Pratt & Whitney ein treibstoffsparendes Triebwerk für den Airbus-Bestseller A320Neo.

Auch der brasilianische Regionaljet-Hersteller Embraer setzt auf Triebwerke mit MTU-Beteiligung. Im Kampfjet Eurofighter sorgt ebenfalls MTU-Technik mit für den Vortrieb. Hinzu kommt das Wartungsgeschäft, das zuletzt deutlich lukrativer wurde.

Das Unternehmen behauptet sich von sich selbst, in fast einem Drittel aller derzeit im Einsatz befindlichen Flugzeuge vertreten zu sein. Dabei schwankt der MTU-Anteil am Triebwerk allerdings zwischen vier bis 40 Prozent.

Aktienkurs und Dividende kräftig gestiegen

Die fokussierte Partnerschaft hat das Unternehmen groß und die Aktionäre reich gemacht. Seit dem Ausgabepreis der MTU-Aktie bei 21 Euro ist der Kurs bis Anfang September diesen Jahres auf ein Rekordhoch von 257 Euro gestiegen – ein Plus von gut 1.100 Prozent. Der Umsatz hat sich von 2,15 Milliarden Euro im Jahr 2005 mehr als verdoppelt. In diesem Jahr werden 4,7 Milliarden Euro erwartet. Die Ebit-Marge ist auf knapp 15 Prozent gestiegen.

Davon haben auch die Aktionäre kräftig profitiert. Neben der erwähnten Kurssteigerung kletterte die Dividende von 0,73 Euro im Jahr 2005 auf zuletzt 2,85 Euro, also eine Vervierfachung.

An der Börse wird MTU inzwischen mit 12,4 Milliarden Euro bewertet, nur zweieinhalb Milliarden Euro weniger als die Deutsche Bank. Nach dem anhaltenden Höhenflug der vergangenen Monate sehen die Experten bei der Aktie allerdings nicht mehr viel Luft nach oben. Viele Analysten haben ihre Kursziele zuletzt zwar weiter angehoben, aber keiner stufte das Papier hoch.

Gute Wachstumsaussichten

Dennoch gelten die Aussichten für MTU als günstig, steht doch die Luftfahrtindustrie vor einem neuen Wachstumsschub. So schätzt Airbus, dass sich die weltweite Flugzeugflotte bis zum Jahr 2038 auf fast 48.000 Jets mehr als verdoppeln wird - trotz Greta-Effekt. Dabei bedeutet jedes neue Flugzeug auch mehr Geschäft für MTU.

Zudem sind die Münchner an der Entwicklung von E-Antrieben, etwa für Flugtaxis beteiligt. Und im militärischen Bereich arbeitet MTU mit dem französischen Konkurrenten Safran am Antrieb für das künftige deutsch-französische Kampfflugzeug FCAS.

lg

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