MTU-Triebwerk

Aufstieg in die erste Börsenliga Wer ist der Höhenflieger aus München?

Stand: 05.09.2019, 10:40 Uhr

Hätten Sie's gewusst? In den Triebwerken jedes dritten Flugzeugs weltweit - vom zivilen Airbus bis hin zum Kampfjet - steckt ein Stück des MTU-Konzerns. Ein Überflieger, der nun in den Dax aufsteigt. Was hat die Münchner so groß gemacht?

Vereinfacht gesagt ist MTU einer der großen Profiteure des weltweiten Luftfahrtbooms. Umsatz und Gewinn legen seit Jahren konstant zu, die Aussichten sind rosig. Dabei ist das Unternehmen erst seit 2005 börsennotiert. In dieser Zeit hat sich der Kurs verzehnfacht, schnellte von 25 auf 250 Euro in die Höhe. Ein Erfolg, der nun durch den anstehenden Aufstieg in den Dax gekrönt wird.

Anja Kohl
Video

MTU fliegt in den Dax

Tatsächlich hat MTU in den vergangenen Jahren Vieles richtig gemacht. Umsatz und Gewinn wuchsen von Jahr zu Jahr, ein Ende ist nicht in Sicht. Ende Juli schraubte der Konzern einmal mehr seine Erwartungen nach oben. Dank eines lukrativeren Produktmixes und des Wartungsgeschäfts in China soll die Gewinnmarge weiter gesteigert werden. "Damit halten wir die MTU auf Rekordkurs", versprach Vorstandschef Reiner Winkler bei der Vorlage der Zahlen des ersten Halbjahres.

Kein eigenes Triebwerk

MTU entwickelt und baut an den Antrieben für Mittelstrecken- und Großraumjets von Boeing und Airbus mit. Auch der brasilianische Regionaljet-Hersteller Embraer setzt auf Triebwerke mit MTU-Beteiligung. Im Kampfjet Eurofighter sorgt ebenfalls MTU-Technik mit für den Vortrieb. Hinzu kommt das Wartungsgeschäft, das zuletzt deutlich lukrativer wurde.

Ein eigenes MTU-Triebwerk gibt es übrigens nicht, und das aus gutem Grund: Die Entwicklung wäre so teuer, dass ein Flop eines Modells das Unternehmen leicht die Existenz kosten könnte. Um die Risiken besser zu verteilen, setzt MTU auf Partnerschaften mit anderen Herstellern wie General Electric, der United-Technologies-Tochter Pratt & Whitney.

Airbus und Boeing sind Kunden

Es kann also nicht überraschen, dass sowohl bei den verschiedenen Airbus-Modellen als auch beim Boeing 787 "Dreamliner", Boeing 777 sowie dem alten und neuen Jumbo-Jet 747 vielfach MTU-Technik mit an Bord ist. Arg verschätzt hatten sich die Münchner und ihre Partner beim weltgrößten Passagierjet A380. Airbus muss die Produktion mangels Nachfrage im Jahr 2021 - und damit nur 14 Jahre nach der ersten Auslieferung - einstellen.

Doch MTU hatte bei der A380 für sich längst nicht mehr mit neuen Aufträgen gerechnet. Stattdessen liefert der Hersteller mit General Electric den Antrieb für die modernisierte Boeing 777-X. Sollte Boeing tatsächlich einen neuen mittelgroßen Jet entwickeln, stehen die Münchner zusammen mit Pratt & Whitney schon in den Startlöchern.

Fast soviel wert wie die Deutsche Bank

Boeing: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
330,00
Differenz relativ
-0,74%

Der Börsenwert von MTU liegt mittlerweile bei gut 13 Milliarden Euro, der Konzern ist damit an der Börse nur eine Milliarde Euro weniger wert als die Deutsche Bank. Nach dem anhaltenden Höhenflug der vergangenen Monate sehen die Experten bei der Aktie allerdings nicht mehr viel Luft nach oben. Viele Analysten haben ihre Kursziele zuletzt zwar weiter angehoben, aber keiner stufte das Papier hoch - im Gegenteil: Société-Générale-Experte Zafar Khan hob zwar sein Kursziel leicht auf 216 Euro an, senkte aber seine Einstufung wegen des zuletzt guten Laufs von "Hold" auf "Sell".

Das durchschnittliche Kursziel der 17 von dpa-AFX erfassten Analysten liegt mit rund 220 Euro auch etwas unter dem aktuellen Niveau. Größter Optimist unter den Experten ist der JPMorgan-Analyst David Perry, der sein Kursziel zuletzt auf 260 Euro erhöhte.

Konkurrent Safran erhöht Prognose

Dabei zeigen die jüngsten Zahlen des französischen Konkurrenten Safran, dass der Boom der Branche weitergeht. So haben die Franzosen trotz der anhaltenden Probleme bei dem wichtigen Kunden Boeing ihre Umsatz- und Gewinnprognose erhöht. Allerdings belastet das anhaltende Flugverbot für den Boeing-Flugzeug 737 MAX, für das Safran gemeinsam US-Konzern General Electric alle Triebwerke liefert, den Kapitalzufluss.

Da das Geschäft aber sonst rund läuft und der Euro schwächer ist als zuletzt angenommen, rechnet Safran beim Umsatz 2019 jetzt mit einem Anstieg um rund 15 Prozent. Bislang hatte Safran ein Plus von sieben bis neun Prozent in Aussicht gestellt. Das operative Ergebnis soll der erhöhten Prognose zufolge um über ein Fünftel zulegen.

lg/dpa/rtr