Christian Sewing
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Der neue Chef der Deutschen Bank Wer ist Christian Sewing?

Stand: 09.04.2018, 08:04 Uhr

Vom Lehrling zum Chef von knapp 100.000 Bankern: Nach fast drei Jahrzehnten bei der Deutschen Bank krönt Christian Sewing seine Karriere. Der 47-Jährige folgt dem Briten John Cryan mit sofortiger Wirkung – und kündigt harte Entscheidungen an.

Vor dem bodenständigen Westfalen steht eine Herkulesaufgabe. Er soll das einstige Vorzeige-Institut, dem zumindest im prestigeträchtigen Investmentbanking die Konkurrenz längst enteilt ist, wieder auf Vordermann bringen. "Ich habe meine Karriere nie geplant", sagte Sewing im vergangenen Jahr in einem Interview. Damals war der FC-Bayern-München- und Vfl-Osnabrück-Fan gerade zusammen mit Marcus Schenck zum Co-Chef der Deutschen Bank aufgestiegen.

Nun hat er den ehemalige Goldman-Sachs-Banker Schenck, der wegen der gemeinsamen Vergangenheit bei der US-Investmentbank lange als Ziehsohn von Aufsichtsratschef Paul Achleitner galt, im Rennen um die Cryan-Nachfolge ausgestochen.

Führungsstark und große Durchsetzungskraft

"Christian Sewing hat in seinen mehr als 25 Jahren bei der Deutschen Bank konstant bewiesen, dass er führungsstark ist und eine große Durchsetzungskraft hat", lobte Achleitner den neuen Chef. "Der Aufsichtsrat ist überzeugt, dass es ihm und seinem Team gelingen wird, die Deutsche Bank erfolgreich in eine neue Ära zu führen."

Christian Sewing

Christian Sewing. | Bildquelle: Unternehmen

Fast seine gesamte Karriere hat Sewing bei der Deutschen Bank verbracht: 1989 begann er seine Ausbildung zum Bankkaufmann in einer Bielefelder Filiale und blieb auch nach dem berufsbegleitenden Studium an der Bankakademie Bielefeld und Hamburg dem Institut treu. Bis auf ein zweijähriges Zwischenspiel von 2005 bis 2007 als Vorstand der DG Hyp, der Immobilienbank der genossenschaftlichen Institute, arbeitete er stets für Deutschlands größtes Geldhaus.

Was wird aus der Investmentbank?

Auslandserfahrung sammelte der Vater von vier Kindern an Standorten wie Singapur, Toronto, Tokio und London. Sewing erklomm die Karriereleiter im Risikomanagement und der internen Revision. Dadurch hatte er auch Einblick ins Investmentbanking, das für viele milliardenschwere Skandale bei der Deutschen Bank verantwortlich war. Anfang 2015 stieg der passionierte Tennisspieler zunächst als Rechtsvorstand in das Führungsgremium auf, bevor er im Sommer 2015 zum Privatkundenchef ernannt wurde.

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Unter Sewings Führung schloss die Deutsche Bank fast 200 Filialen und strich Tausende Jobs. Er hat keinen Zweifel daran gelassen, dass auch die Wiedereingliederung der Postbank viele Arbeitsplätze kosten wird. Das größte deutsche Geldhaus hatte Anfang 2017 seine Verkaufspläne für die Bonner Tochter begraben. Ein neuer Riese im Privat- und Firmenkundengeschäft mit rund 20 Millionen Kunden soll entstehen. Mit Spannung wird nun erwartet, ob Sewing in seiner neuen Funktion auch bei der Investmentbank hart durchgreift und den Rotstift ansetzt.

Zurück zur Jägermentalität

Harte Entscheidungen hat der Manager bereits angekündigt: „Wir wissen, dass wir uns hinsichtlich der Ertrags-, Kosten- und Kapitalstruktur weiter verändern müssen", schrieb Sewing am Montag in einem Brief an die Mitarbeiter. "Wir werden deshalb genau analysieren, wie wir uns in dem schwierigen Marktumfeld aufstellen wollen." Das Institut wolle sich dort zurückziehen, wo nicht ausreichend rentabel gearbeitet werden könne.

Sewing kündigte an, er werde "harte Entscheidungen treffen und umsetzen". Das Führungsteam werde nicht mehr akzeptieren, dass Ziele auf der Kosten- und Ertragsseite verfehlt würden. So sei es nicht verhandelbar, dass die bereinigten Kosten in diesem Jahr 23 Milliarden Euro überstiegen. "Rückschläge wie im vierten Quartal 2017 dürfen sich unter keinen Umständen wiederholen." Mit Blick auf die Erträge müsse die Deutsche Bank ihre "Jägermentalität" zurückgewinnen. Die Messelatte müsse in allen Geschäftsbereichen höher gelegt werden.

rtr