Xerox und HP Inc.

Fusion zweier Dinos? Wenn Xerox nach HP greift

Stand: 06.11.2019, 11:00 Uhr

Der unter Druck stehende Kopierer- und Druckerhersteller Xerox sucht den Befreiungsschlag. Das einst gefeierte Unternehmen will den ebenfalls angeschlagenen Rivalen HP übernehmen. Noch ist keine Entscheidung getroffen, denn HP ist dreimal soviel wert wie Xerox.

Totgesagte leben länger, heißt es, wenn man von jemandem lange nichts mehr gehört oder gesehen hat. Auch, wenn jemand sehr zäh ist und einen starken Überlebenswillen zeigt. Dazu gehört offenbar der amerikanische Kopierer- und Druckerhersteller Xerox. Das Unternehmen befindet sich schon seit Jahren auf Schrumpfkurs, muss eine Sparmaßnahme nach der anderen verkünden und ist an der Börse nur noch acht Milliarden Dollar wert - für amerikanische Verhältnisse ein Winzling.

Doch nun wagt Xerox den Befreiungsschlag und will den dreimal größeren Rivalen HP Inc übernehmen. Das berichtet das "Wall Street Journal" am Mittwoch auf seiner Internetseite unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Noch sei aber keine Entscheidung getroffen.

Unklar, wie der Kauf gestemmt werden soll

Ein Zusammenschluss könnte den Unternehmen, die mit dem Wandel der Branche ringen, frischen Schwung verleihen. Zudem wären in überlappenden Bereichen wohl deutliche Einsparungen möglich. HP Inc ist aus der 2015 erfolgen Aufspaltung von Hewlett-Packard in zwei eigenständige Unternehmen hervorgegangen. Während sich das eine, Hewlett Packard Enterprise, auf das Geschäft mit Dienstleistungen konzentriert, ist HP Inc ein Hersteller von PCs, Kopierern und Taschenrechnern.

Derzeit wird HP Inc mit 27 Milliarden Dollar bewertet, ist also mehr als dreimal soviel wert wie Xerox. Der erhofft sich frisches Geld durch den Verkauf des Anteils an einem Gemeinschaftsunternehmen mit Fujifilm an den japanischen Technologiekonzern für 2,3 Milliarden Dollar. Xerox habe sich außerdem eine informelle Finanzierungszusage einer großen Bank gesichert. Dennoch bleibt unklar, wie der Konzern den Riesenzukauf stemmen will - zumal ein Gebot eine Prämie auf den derzeitigen Aktienkurs von HP enthalten müsste.

Unterschiedliche Aktienentwicklung

Xerox macht den meisten Umsatz mit Vermietung und Wartung seiner Drucker und Kopierer. Ein Geschäft, mit dem sich immer weniger Geld verdienen lässt. Doch auch HP steht unter Druck. So verkündete das Unternehmen Anfang Oktober Sparmaßnahmen inklusive eines Abbaus von 9.000 Stellen. Außerdem solle das Druckergeschäft wiederbelebt werden, hieß es. Das erziele zwar tendenziell höhere Gewinne, habe jedoch Probleme, weil die Kunden Tintenpatronen woanders einkaufen.

HP verkaufte in der Vergangenheit Drucker mit Verlusten und verdiente dann Geld mit dem Verkauf von Druckerpatronen. Mit einem neuen Geschäftsmodell will HP Kunden beim Kauf eines Druckers mit wiederkehrenden Rabatten an Tintenpatronenkäufe binden. Außerdem investiert HP in den 3-D-Druck.

Nach Jahren des Niedergangs haben sich die Aktienkurse der beiden Unternehmen zuletzt unterschiedlich entwickelt: Das Xerox-Papier legte in diesem Jahr um 84 Prozent zu - nach der Bekanntgabe Anfang Oktober eines Sparprogramms und starker Quartalszahlen. Der Kurs von HP ging dagegen seit Jahresbeginn um zehn Prozent zurück.

lg