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Folgen des Handelsstreits Wenn Apple und Samsung China verlassen

von Lothar Gries

Stand: 12.12.2018, 14:23 Uhr

Offiziell ist es wegen der schwächelnden Nachfrage, doch auch die drohenden Zölle sorgen für Verunsicherung: Samsung schließt eine von zwei Fabriken in China. Auch Apple droht mit dem Weggang.

Samsung hat bereits Konsequenzen gezogen: Bis Ende des Jahres soll das Werk in Tianjin im Norden Chinas mit derzeit 2.600 Mitarbeitern geschlossen werden, teilte der südkoreanische Elektronikgigant am Mittwoch mit. Eine weitere Fabrik in der südlichen Provinz Guadong, in der mit jährlich 72 Millionen Handys rund doppelt so viele Geräte wie in Tianjin hergestellt werden, bleibt aber in Betrieb.

Samsung produziert seit längerem verstärkt in Vietnam und Indien, wo die Arbeitskosten niedriger sind als in China. Die scharfe chinesische Konkurrenz durch Huawei, ZTE und kleinere Anbieter wie Oppo setzt dem Branchenprimus seit einiger Zeit zu.

Rückläufige Umsätze

Die Umsätze auf dem weltgrößten Smartphonemarkt sind stark rückläufig. Nach Berechnungen der Marktbeobachter von Counterpoint ist der Marktanteil von Samsung im ersten Quartal auf ein Prozent geschrumpft. Vor rund fünf Jahren waren es noch rund 15 Prozent gewesen.

Auch der iPhone-Hersteller hat in China gegenüber einheimischen Konkurrenten wie Huawei viel Boden verloren. Auf der ganzen Welt hat Huawei im zweiten Quartal sogar Apple auf Platz drei der größten Smartphone-Hersteller verdrängt. Trotzdem ist China noch immer Apples drittwichtigster Markt.

Verlässt auch Apple China?

Allerdings könnte auch Apple demnächst seine Produktionskapazitäten in China verringern. Einem Bloomberg-Bericht zufolge erwäge der iPhone-Konzern die Fertigung in China komplett einzustellen und in ein anderes Land zu verlagern, falls die USA tatsächlich eine Strafsteuer von 25 Prozent auf Importe aus China verhängen sollten.

Dem Bericht zufolge wollen Apples Zulieferer aber an ihren Fabriken festhalten, wenn die Strafsteuer zehn Prozent des Warenwertes nicht überschreiten sollte. Bereits in der vergangenen Woche hatte ein chinesisches Gericht im Streit zwischen dem Chiphersteller Qualcomm und Apple ein weitgehendes Verkaufsverbot für iPhones In China verhängt.

Kein Interesse am Verlust von Arbeitsplätzen

Daran hat sich zwar niemand gehalten, denn China ist alles andere als ein Rechtsstaat, doch nach Ansicht der Pekinger Parteizeitung "Global Times“ zeigt die Entscheidung der Richter, dass die chinesische Regierung Druck auf amerikanische Technologiegiganten ausüben könne. Deshalb sei der Gerichtsentscheid gegen Apple im Zusammenhang mit den "wachsenden Spannungen“ zwischen den USA und China zu sehen.

Allerdings dürfte China in Zeiten eines wirtschaftlichen Abschwungs kein Interesse daran haben, noch mehr Industriearbeitsplätze zu verlieren. Vielmehr hat die Pekinger Führung in den vergangenen Monaten versucht, China als sicheren Standort darzustellen, der offen für ausländische Investitionen sei und Rechtssicherheit biete.

Apple's Gewinn dürfte nachgeben

Auch sind die Überlegungen von Apple bisher nur Drohungen, denn eine Verlagerung der iPhone-Produktion aus China in ein anderes Land ist kurzfristig kaum möglich - und würde hohe Kosten verursachen. Aber auch die Einführung von Strafzöllen in Höhe von zehn Prozent des Warenwertes dürfte die Apple-Bilanz belasten. Ein Analyst der Royal Bank of Scotland (RBC) hat ausgerechnet, dass der Gewinn je Aktie des Unternehmens in diesem Fall im kommenden Jahr um einen Dollar auf geschätzte 13,32 Dollar sinken dürfte.

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Platz 1: Samsung
Samsung steht weiterhin an der Spitze des Marktes, verlor laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Gartner von April bis Juni mit 72,3 Millionen veräußerten Smartphones allerdings deutlich. Der Marktanteil schrumpfte im Vergleich zum Vorjahresquartal von 22,6 auf 19,3 Prozent.

Den Südkoreanern mache die zunehmende Sättigung des Smartphonemarktes sowie die wachsende Konkurrenz aus China zu schaffen, so Gartner-Experte Anshul Gupta. Neuer Hoffnungsträger seit jetzt das Note 9.