Heuschrecken

Neue Studie Wenn plötzlich die Heuschrecken kommen

Stand: 19.03.2018, 15:01 Uhr

Es ist der Albtraum jedes Firmenchefs. Plötzlich steht ein aggressiver Investor vor der Tür, der aktiv mitbestimmen und alles anders machen will. Wie gut vorbereitet sind deutsche Firmen auf einen solchen Tag X?

Dieser Frage widmet sich in einer Studie die Wirtschaftskanzlei CMS Hasche Sigle, die dazu 102 Rechtsvorstände deutscher Firmen befragt hat. Die erste Erkenntnis der Befragung: Zwei von drei Verantwortlichen gehen davon aus, dass aktivistische Großaktionäre in den kommenden Jahren noch aktiver werden.

Ein Paradebeispiel ist die Pharmafirma Stada aus dem MDax, die zunächst vom Investor Active Ownership attackiert wurde, der dann den Verkauf an die beiden Private-Equity-Investoren Bain und Cinven in die Wege leitete. Dabei war auch Paul Singer, der bekannte US-Investor, der schon so manchen Manager und sogar Finanzminister das Fürchten gelehrt hat.

Paul Singer

Paul Singer. | Bildquelle: World Economic Forum.swiss-image.ch/Photo Remy Steinegger

Sein Name wird vor allem mit der Staatspleite Argentiniens in Verbindung gebracht. Investoren wie Singer, im Branchenjargon auch Heuschrecken genannt, mischen sich aktiv in die Firmenpolitik ein, fordern Sitz und Stimmrecht in den Leitungsgremien und attackieren meist zuerst das Top-Management.

Stada galt jahrelang als sorgenfreies Investment, bei dem das langjährige Management relativ ungestört schalten und walten konnte. Heute gehört die Firma zu 64,5 Prozent Bain, Singer hält noch 3,6 Prozent und knapp 27 Prozent sind im Streubesitz. Profitiert haben die Aktionäre, denn eine Aktie, die jahrelang zwischen 30 und 40 Euro kostete, ist aktuell mehr als 80 Euro wert.

Kaum Gegenmaßnahmen ergriffen

Zurück zur CMS-Studie. Obwohl eine deutliche Mehrheit hierzulande also davon ausgeht, dass die Attacken aktivistischer Investoren zunehmen werden, geben nur 38 Prozent der Befragten zu Protokoll, Konterstrategien ausgearbeitet zu haben.

Bei Versicherungen und Finanzdienstleistern erwarten sogar 83 Prozent der Befragten Angriffe der Heuschrecken. Selbst Europas größter Versicherer, die Allianz, war ins Visier chinesischer Investoren geraten. Die hohe Marktkapitalisierung, aber auch die hohen aufsichtsrechtlichen Hürden haben einen Einstieg letztlich verhindert, berichtete letztes Jahr Allianz-Finanzvorstand Dieter Wemmer.

Das Waffenarsenal

Fressen und gefressen werden

Fressen und gefressen werden. | Quelle: colourbox

Von denen, die Abwehrmaßnahmen ausgearbeitet haben, setzen mit 27 Prozent die meisten auf kommunikative Maßnahmen, etwa eine klare Kommunikation der eigenen Standpunkte in den Medien. Medienwirksam sind Übernahmeschlachten allemal. Strategische Maßnahmen (zum Beispiel Änderungen der Firmenstruktur) folgen mit 24 Prozent an zweiter Stelle, danach kommen rechtliche und operative Maßnahmen. Personelle Maßnahmen werden nur von acht Prozent erwogen - trotz der Vorliebe aktivistischer Investoren, zuerst den Wechsel an der Führungsspitze eines Unternehmens zu fordern.

Interessant auch noch die Erkenntnis, dass 37 Prozent der befragten Juristen in den Chefetagen der Firmen angeben, dass ihr Unternehmen schon mal Ziel eines Angriffs geworden sei. Die Attacken gehen also durchaus in die Breite.

rm