CBOE Volatility Index: 31.01. bis 06.02.2018

Volaprodukte der Credit Suisse Wenn plötzlich das Geld weg ist

Stand: 07.02.2018, 15:01 Uhr

Der jüngste Börsencrash an der Wall Street hat so manchen Investor auf dem falschen Fuß erwischt. Mit dabei auch die Schweizer Großbank Credit Suisse. Sie nimmt jetzt komplexe Finanzprodukte aus dem Markt, deren Werte sich nahezu in Luft aufgelöst haben.

S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
2.815,62
Differenz relativ
+0,22%

Dabei geht es etwa um ein Produkt mit dem sperrigen Namen Velocity Shares Daily Inverse VIX Short Term ETN (WKN A1KH9C), das die Bank 2010 aufgelegt hatte und an dem sie etwa ein Drittel hält. Wer ein solches Produkt besitzt wettet darauf, dass die Volatilität, also die Schwankungsbreite, im Volatilitätsindex VIX der CBOE (Chicago Board Options Exchange) auf den S&P-500-Index niedrig bleibt.

Der VIX misst genau diese Volatilität - und am Montagabend explodierte er so stark wie noch nie. Verheerend für die Besitzer dieses Papiers, deren Wert sich mit einem Minus von über 90 Prozent nahezu komplett in Luft auflöste. Ähnlich erging es dem ProShares Short VIX Short-Term Futures ETF (SVXY) (WKN A1JZDM), der mehr als 82 Prozent in die Tiefe rauschte.

Vola short - lukrativ, aber gefährlich

Die Papiere auf die entgegengesetzte Vola-Entwicklung des S&P-500-Index waren lange Zeit ein gutes Geschäft. Die Tasache, dass gerade jüngere Marktteilnehmer Entwicklungen wie vom Montag noch nie erlebt haben, zeigt die Dauerhaftigkeit der Marktbewegung. Der S&P-500-Index kannte lange Jahre lang nur eine Richtung - nach oben, und zwar ruhig und stetig. Eine Marktentwicklung, die wie geschaffen war für die Anti-Vola-Produkte der Credit Suisse und anderer Anbieter.

Nun zeigt sich, wie gefährlich es ist, diese Strategien zu lange auszusitzen, zumal schon im Vorfeld des Montagscrash an der Wall Street die steigenden Rentenrenditen Unheil ankündigten. Erfahrenere Marktteilnehmer erinnern sich noch an das Ende des LTCM-Fonds, dem ein Volatilitätsschub 1998 ebenfalls zum Verhängnis wurde.

CBOE Volatility Index: 31.01. bis 06.02.2018

CBOE Volatility Index . | Bildquelle: boerse.ARD.de

Credit Suisse dementiert

Tidjane Thiam, CEO, Credit Suisse

Tidjane Thiam. | Bildquelle: Unternehmen

Presseberichte, die Schweizer Großbank habe selbst einen dreistelligen Millionenverlust mit ihren Produkten eingefahren, wurden dementiert. "Die Entwicklung des XIV ETN spiegelt die Marktvolatilität wider", erklärte eine Sprecherin. "Es gibt keinen wesentlichen Einfluss auf Credit Suisse." Anders ausgedrückt: Die Bank war gegen steigende Volatilitäten und damit gegen die Risiken ihres eigenen Produktes abgesichert.

Trotzdem ist dessen Zeit nun abgelaufen. Denn mit dem Tagesverlust von über 80 Prozent war eine Schwelle überschritten, ab der die Bank die Produkte wieder zurückkaufen kann. Diese sollen nun am 21. Februar getilgt werden.

Die Reputation aber leidet - was dessen Chef Tidjane Thiam nicht gefallen dürfte. Denn er baut die Bank gerade um und will vor allem das Zockerimage loswerden. CS-Aktien erholen sich heute wieder etwas vom jüngsten Kurssturz, nachdem sie noch Ende Januar mit 18,60 Franken an der Züricher Börse ein neues Zwölf-Monats-Hoch erreicht hatten.

Der Schmetterlingseffekt

Was aber war die Ursache für den Crash? Kommentatoren sind sich einig, dass die Sorge der Anleger vor dem Ende des nahezu unbegrenzt vorhandenen billigen Notenbankgeldes die Haupttriebfeder war. Hinzu kamen technische Effekte, die den Effekt verstärkten. Etwa computergestützte Verkaufsprogramme, die den Markt binnen kürzester Frist automatisch mit Verkaufsaufträgen überschwemmen, wenn gewisse Kursgrenzen erreicht werden.

EZB-Präsident Mario Draghi

EZB-Präsident Mario Draghi. | Bildquelle: picture alliance / Wiktor Dabkowski

Analyst und Marktstratege Thomas Mayer vom Vermögensverwalter Flossbach von Storch bemüht einen Vergleich:"Es ist so ähnlich wie beim sogenannten Schmetterlingseffekt. Die Chaostheorie besagt, dass alles mit allem zusammenhängt und schon ein kleiner Flügelschlag eine Kettenreaktion auslösen kann", sagte Mayer gegenüber dem "Spiegel.

Denn eine Folge der guten Wirtschaftsentwicklung diesseits und jenseites des Atlantiks ist, dass Inflationsgefahren zunehmen. "Während die Fed bereits seit Ende 2015 daran arbeitet, in der Geldpolitik zur Normalität zurückzukommen, fahren die europäische und die japanische Notenbank weiter auf Vollgas und versorgen den Markt mit frischem Geld. Sie haben sich in ihrer Geldpolitik verfangen. Diese funktioniert nur, solange die Inflation nicht steigt." Sollte diese auch in der Eurozone wieder anziehen, könnte das Gleiche passieren, wie jetzt in den USA. Dann genügt ein Funke, oder eben ein kleiner Flügelschlag, wie bei einem Schmetterling.

rm