Apothekerin an der Kasse
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Milliardendeal im US-Gesundheitsmarkt Wenn die Apotheke zum Krankenhaus wird

Stand: 04.12.2017, 11:02 Uhr

Klingt ungewöhnlich, macht aber aus Sicht von Experten durchaus Sinn: Die US-Drogeriekette CVS will in Zukunft Patienten in schon in der Apotheke behandeln, und damit gewaltige Einsparungen für die Krankenversicherung möglich machen.

Die Idee lässt sich die Apothekenkette CVS satte 69 Milliarden Dollar kosten. So viel ist der auf Krankenversicherungs-Produkte spezialisierte Konzern Aetna an der Börse wert. Durch eine Zahlung in bar und eigenen Aktien an die Aetna-Aktionäre will CVS die Transaktion perfekt machen, die am Wochenende durchgewunken wurde - Aetna hat den Deal akzeptiert und laut Branchenkennern stehen die Chancen nicht schlecht, dass die US-Kartellbehörden grünes Licht für die ungewöhnliche Verbindung geben. Nach der Fusion würden die jetzigen Aetna-Aktionäre 22 Prozent an dem neuen Unternehmen halten. Insider hatten schon im Oktober gesagt, die Firmen seien seit Monaten in Gesprächen.

Aetna-Aktie auf Rekordhoch

An der Börse dürften am Montag vor allem die Aktien des Übernahmekandidaten Aetna gefragt sein. Die Papiere notieren derzeit an der New Yorker Börse mit rund 180 Dollar auf einem Rekordhoch. Aktien von CVS werden voraussichtlich am Nachmittag an der Wall Street leicht im Minus eröffnen.

Mit Aetna im Hintergrund kann CVS Dienstleistungen in Apotheken anbieten, die über das "normale" Angebot hinausgehen. So könnten Patienten in Gesundheitsfragen direkt in der Filiale beraten werden, Diabetiker könnten bei in Sachen Blutzucker-Messung beraten und in den CVS-Medizinzentren betreut werden. Damit kann die Krankenversicherung Aetna in Zukunft womöglich erhebliche Einsparungen erwarten, wenn Patienten bei weniger schweren Erkrankungen eine Apotheke aufsuchen und nicht ein Krankenhaus.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 15.00 Uhr: Mega-Übernahme im US-Gesundheitssektor

Sollte der Zusammenschluss der beiden Unternehmen gelingen, sehen Beobachter weitere Kooperationen im US-Gesundheitssektor voraus. Bereits in der vergangenen Woche hatte ein anderer Pharmazie-Händler, Express Scripts Holding, erkärt, er sei offen für eine Fusion mit einem Krankenversicherer. Auch eine Zusammenarbeit mit dem Versandhändler Amazon könne man sich vorstellen.

Achtung auf Amazon

Amazon seinerseits liebäugelt mit einem Einstieg in das Pharmageschäft. In den vergangenen Monaten hat der Internet-Riese weitgehend unbemerkt in mehreren US-Bundesstaaten die Lizenz zum Betreiben von Arzneimittel-Großhandelsaktivitäten gewonnen, wie mehrere US-Medien übereinstimmend Anfang November berichten. 

AB