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Itzehoer Aktien Club, Screenshot Homepage

Itzehoer Aktien Club Der Investment-Club, der in der Fonds-Liga spielt

Stand: 09.05.2016, 16:43 Uhr

Itzehoer Aktien Club - das klingt nach Stammtisch-Treffen nach Feierabend. Doch in dem kleinen Städtchen Itzehohe in Schleswig-Holstein ist Deutschlands größter Investmentclub beheimatet. Der IAC spielt längst in der Fonds-Liga - in puncto Gebühren leider auch.

Der IAC hat wie die meisten Investmentclubs ganz klein angefangen. Tankstellen-Besitzer Harald Wilkens war es leid, sein Geld in die Fonds der Banken zu stecken, die nur ihre hauseigenen Produkte bewarben. Er wollte sich selbst mit Aktien beschäftigen, aktiv Investments auswählen. Also tat sich Wilkens mit fünf, sechs Freunden zusammen, trat an die TOP Vermögensverwaltung heran, und gründte mit ihr den "Itzehoer Aktien Club". Man traf sich regelmäßig zum Stammtisch und besprach beim Bier den nächsten Aktienkauf.

Aus dem Club wird ein Fonds

Schnell wurde der Club groß. Der Tankstellen-Besitzer steuerte sein Scherflein dazu bei. Er klemmte Werbezeittel für den IAC unter die Scheibenwischer der Kunden seiner Autowaschanlage. Noch vor Platzen der New-Economy-Blase kam der IAC auf 8000 Mitglieder.

2008 wurde das Depotvermögen des Investmentclubs in einen Fonds überführt, um das Thema Abgeltungssteuer für die Anleger zu erleichtern. Der IAC besitzt also keine Aktien direkt mehr, sondern über Fonds-Anteile des damals neu gegründeten IAC-Aktien Global Fonds (WKN A0M2JB). Auch wenn der "Club" nach der heißen Phase des Neuen Marktes wieder kleiner wurde: Mit über 4.000 Mitgliedern und einem Gemeinschaftsdepot von mehr als 60 Millionen Euro ist der IAC der größte Aktienclubs Deutschlands.

"Vorbei die Stammtisch-Zeit"

Abends beim Bier in der Kneipe lässt sich die Geldanlage da nicht mehr managen. "Die Stammtisch-Zeiten sind schon lange vorbei", sagt Nils Petersen, der den IAC Aktien Global managt. Den Auswahlprozess der einzelnen Investments übernimmt die TOP Vermögensverwaltung. Einmal im Quartal trifft sich der Anlageausschuss, um über die Investments der letzten Monate zu berichten und die nächsten Entscheidungen zu beraten. Dorthin "verirren" sich durchaus noch 10 bis 15 Mitglieder. Die Mehrheit ist mit einem monatlichen Depotbericht zufrieden und wolle gar kein Club-Treffen, erklärt der Fondsmanager.

Immerhin: Einmal im Jahr kommt so etwas wie Club-Atmosphäre auf: Im Herbst, wenn der IAC durch Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen tourt und die Mitglieder - kostenlos - einlädt zum Informationsabend. Je nach Gegend kommen da knapp 100 oder bis zu 500 Mitglieder zu dem Treffen.

Das größte Sparbuch Deutschlands

Was steckt drin im IAC-Aktien Global? Der Fonds konzentriert sich auf die 50 größten Titel der Welt. "Da wird die Strategie seit 1998 weitergeführt", so Fondsmanager Petersen. "Wir springen nicht auf neue Trends auf, haben uns auch im Neuen Markt nicht auf die Wachstumstitel gestürzt, sondern auf die Value-Titel." Die Unternehmen müssten groß und stark genug sein, dass der IAC zu der Überzeugung gelangt, dass sie auch Krisen überstehen können.

"Damit sind wir auch sehr, sehr gut durch die Technologieblase der New Economy-Zeit gekommen", erklärt Petersen. In überzogene Tech-Titel habe man nicht investiert. Verluste gab es zwar durchaus. "Natürlich kann man sich dem allgemeinen Aktientrend nicht völlig entziehen", räumt der Fondsmanager ein. Aber der IAC habe nicht in dem Maße verloren, wie die Mitbewerber. "Wir sind da sehr koservativ. Nicht umsonst sind wir mal als das größte Sparbuch Deutschlands bitelt worden."

Misserfolge und Erfolge

Vor Misserfolgen ist aber auch ein konservativer Anleger nicht gefeit. "Mit Nokia haben wir zum Beispiel eine eher schlechte Erfahrung gemacht", erinnert sich Petersen. Einst ein Vorzeigeunternehmen. Ein Weltmarktführer. Doch in der Smartphone-Ära ging der Handy-Konzern unter. "Wir haben damals zu lange an dem Wert festgehalten und darauf gebaut, dass sich Nokia die Position auf dem Weltmarkt zurückerobert."

Umgekehrt funktioniert es natürlich auch: Selbst konservative Investments können durch die Decke gehen. So griff der IAC im vorigen Jahr bei Barrick Gold zu. Eine gute Entscheidung. "Barrick Gold ist 2016 unsere beste Aktie im Depot: seit Jahresanfang haben wir damit 145 Prozent Plus gemacht", freut sich der IAC-Fondsmanager.

Aktien sind für Petersen in der aktuellen Niedrigzinsphase die einzige noch vertretbare Geldanlage. "Aktien werden immer noch als zu riskantes Anlageprodukt gesehen. Zu Unrecht." Bei einer Bundesanleihe gebe es für 10 Jahre fast nichts mehr. Daher sollte man in Sachwerte investieren. "Bei Aktien geht man zwar ein gewisses Risiko ein, aber wenigstens besteht noch eine Chance, überhaupt Rendite zu erwirtschaften", urteilt der Fondsmanager. Gold sei zwar auch ein Sachwert, biete aber langfristig nur einen Inflationsausgleich.

Hohe Kosten

Prinzipiell klingt das gut und vernünftig. Allerdings verlangt der IAC-Fonds recht hohe Kosten. Club-Mitglieder zahlen 2,625 Prozent Ausgabeaufschlag. Dazu kommen pro Jahr für die Verwaltung 2,4 Prozent. Die Anzahl der Mitglieder im IAC bleibt trotzdem stabil, sagt Petersen. "Vielleicht sind wir einen Tick teurer als andere Fonds, viele Banken und Sparkassen arbeiten auf Druck der Online-Banken inzwischen mit Rabatten. Und wir sind auch deutlicher teurer als ETFS. Aber wir gehen mit unseren Kosten transparent um. Unsere Kunden sehen, wie hoch die Kosten sind, aber sie sehen auch unseren Service." So biete der IAC rund ein Dutzend fester Ansprechpartner für die Anleger, dazu die regelmäßigen Informationen und kostenlosen Veranstaltungen.

Allerdings kann sich die Performance nicht mit großen Indizes wie dem MSCI World oder DJ Global Titans messen: In fünf Jahren hat der IAC-Fonds rund 40 Prozent gewonnen - die beiden Welt-Indizes mehr als 70 Prozent. Bei einem ETF auf einen Index spart man sich aber die teuren Gebühren. Erstaunlich ehrlich gibt Petersen zu: "Es spricht natürlich wenig gegen einen ETF", so der IAC-Mann, zumindest wenn man das Emittentenrisiko und gegebenenfalls das Kontrahentenrisiko beachte. Und doch sieht er Vorteile bei aktiv gemanagten Fonds gegenüber ETFs: "Wenn sich eine Aktie beispielsweise verdreifacht, kann ein Klumpenrisiko entstehen. Zum Beispiel kann durch eine Apple-Aktie ein Übergewicht anTechnologietiteln entstehen. Als Fondsmanager können wir dann Gewinne mitnehmen - und das Risiko so wieder minimieren."

bs

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