Vapiano-Koch in Bonn bei Essenszubereitung
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Verlust drastisch ausgeweitet Wen will Vapiano eigentlich verschaukeln?!

von Angela Göpfert

Stand: 06.09.2017, 10:43 Uhr

Der Börsenneuling Vapiano tönt, sein Umsatz und Ergebnis sei im ersten Halbjahr "stark" gewachsen. Doch das ist bestenfalls die halbe Wahrheit.

Das Unternehmen, das sich in seiner heutigen Pressemitteilung als "Pionier im italienischen Fast Casual Dining-Segment" bezeichnet, hat seinen Umsatz im ersten Halbjahr um 41 Prozent auf 153,6 Millionen Euro gesteigert.

Das liest sich auf den ersten Blick natürlich spektakulär. Doch es lohnt sich, genauer hinzusehen. So betrug das Wachstum auf vergleichbarer Fläche nur noch 5,8 Prozent.

Plus oder Minus – alles eine Frage der Kennziffer

Noch frecher geht Vapiano bei seiner Interpretation der Ergebnisseite vor: "Deutlich überproportional stieg das bereinigte Ebitda um 52,5 Prozent auf 15,9 Millionen Euro", heißt es da stolz in der Pressemitteilung.

Doch in was für einer Unternehmenswelt existieren keine Steuern, Abschreibungen und Zinsen?! Der Blick auf das noch dazu unter anderem um Währungseffekte "bereinigte" Ebitda lenkt an dieser Stelle vom Wesentlichen ab.

Kosten, Kosten, Kosten

Weitaus erhellender ist da schon der Blick auf das Betriebsergebnis: Hier weitete Vapiano sein Minus von 1,5 auf 10,3 Millionen Euro massiv aus. Der operative Verlust hat sich somit nahezu versiebenfacht.

Hintergrund sind unter anderem ein drastisch gestiegener Materialaufwand (plus 52 Prozent), Personalaufwand (plus 47 Prozent) und "sonstige betriebliche Aufwendungen" (plus 45 Prozent). Die massive Expansion hat offensichtlich einen hohen Preis.

Verlust mehr als verdreifacht

Der eigentliche Schock kommt aber erst weiter unten auf Seite 26 des Halbjahresberichtes. Dort steht, was Vapiano in seiner Pressemitteilung unter den Tisch fallen lässt: Vapiano macht nicht nur Verluste. Nein, die Dynamik, mit der das Unternehmen Geld verbrennt, hat mittlerweile abenteuerliche Züge erreicht.

So hat sich der Verlust (Periodenergebnis) binnen nur einen Jahres mehr als verdreifacht von 3,7 auf 13,5 Millionen Euro. Je Aktie schnellte das Minus von 0,20 auf 0,67 Euro in die Höhe.

Aktie weiter unter Ausgabepreis

Kein Wunder also, dass die Vapiano-Aktie heute mit Kursabschlägen auf die Vorlage des Geschäftsberichts reagiert. Mit aktuell 21,80 Euro notiert sie rund fünf Prozent unterhalb ihres Ausgabepreises von 23 Euro.

Nicht zuletzt mit Blick auf die fundamentale Entwicklung haben Anleger weiterhin allen Grund, skeptisch zu bleiben.