Ausblick zweites Halbjahr Contra: Weitere Verluste zu erwarten

Stand: 03.07.2018, 15:59 Uhr

Der Dax hat sich in der ersten Jahreshälfte deutlich schlechter geschlagen als die Wall Street – setzt sich diese Underperformance in der zweiten Jahreshälfte fort? Davon ist leider auszugehen, glauben derzeit einige Ökonomen.

Die Pessimisten verweisen vor allem auf die sich verschlechternden wirtschaftlichen Aussichten, allen voran in Deutschland. Dadurch dürften die Gewinne der Unternehmen langsamer steigen als ursprünglich erwartet - was sich natürlich auf die Aktienkurse auswirken dürfte. Wegen des Handelskonflikts mit den Vereinigten Staaten ist in einigen Fällen wie den Autoherstellern sogar mit sinkenden Überschüssen zu rechnen - wie die Warnung von Daimler bereits gezeigt hat.

Chartverlauf Ifo-Geschäftsklimaindex von Oktober 2017 bis Juni 2018

Ifo-Geschäftsklimaindex. | Bildquelle: ifo, Grafik: boerse.ARD.de

"Am deutschen Konjunkturhimmel brauen sich derzeit kräftige Gewitterwolken zusammen", prophezeit Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Er hat deshalb seine Prognosen für das Wirtschaftswachstum deutlich gesenkt. Statt 2,6 Prozent erwartet das Ifo für 2018 nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,8 Prozent. Für das kommende Jahr wurde die Prognose von 2,1 auf 1,8 Prozent reduziert. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr ist die deutsche Wirtschaft um 2,2 Prozent gewachsen.

Handelsstreit belastet

In Spartanburg (South Carolina, USA) produzierter BMW X4

In Spartanburg (South Carolina, USA) produzierter BMW X4. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung sei die Handelspolitik der USA. So erheben die USA seit Juni Zölle auf Aluminium und Stahl. Und Präsident Donald Trump wird nicht müde, mit Strafzöllen auf Autoimporte zu drohen. Am Sonntag richtete Trump scharfe Angriffe gegen die EU. "Die EU ist möglicherweise so schlimm wie China", sagte der Präsident in einem Interview mit "Fox News". Zwar laufen die Hersteller und Zulieferer, sogar aus Amerika, Sturm gegen die Pläne des Präsidenten.

Doch der hat sich bisher stets immun gezeigt gegen alle Versuche ihn umzustimmen. Nach Jahrzehnten eines immer weiter zunehmenden Freihandels sehen sich die auf Export getrimmten deutschen Unternehmen einem Strukturbruch gegenüber.

Konjunkturzyklus überschritten

Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: picture alliance/AP Images

Auch der von der Citigroup veröffentlichte Macro Risk Index - er misst die augenblickliche Risikostimmung an den Finanzmärkten - verheißt nichts Gutes. Indexwerte größer als 0,5 deuten auf zunehmende Risikoabneigung und Werte von kleiner als 0,5 auf Risikofreude hin. Der aktuelle Indexwert von 0,7 legt daher kurzfristig weitere Irritationen an den Aktienmärkten nahe.

Der Grund: Auch in den Vereinigten Staaten hat der Konjunkturzyklus seinen Höhepunkt überschritten. Die Wahl von Donald Trump und die von ihm veranlassten Steuererleichterungen hätten den Aufschwung zwar verlängert – außer Kraft gesetzt werden könne der zyklische Charakter der Wirtschaftsentwicklung jedoch nicht, erklärt Anlagestratege Didier Saint-Georges von der französischen Fondsgesellschaft Carmignac.

Auch Brexit belastet

Keine guten Aussichten also für eine rasche Erholung des Dax. Im Gegenteil: "Selbst wenn nur kleine Teile des deutschen Exports von den durch die USA verhängten Zöllen betroffen sind, dürfte das Aufkeimen des Protektionismus negativ auf das Exportklima wirken und Unternehmen vorsichtiger agieren lassen", urteilt Roland Döhrn, Konjunkturchef bei dem in Essen ansässigen Wirtschaftsforschungsinstitut RWI.

Auch die noch immer unklaren Folgen des Brexit und die damit verbundene unsichere Zukunft der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU dürften die exportlastigen deutschen Unternehmen belasten. Zudem könne der Iran-Konflikt zu einem weiter steigenden Ölpreis führen.

Auf defensive Werte setzen

Die Kursrückgänge seit dem Dax-Hoch im Januar bei knapp 13.600 Punkten entsprächen dem Muster früherer Phasen rückläufiger Konjunkturindikatoren, erklärt Markus Reinwand von der Landesbank Helaba. Die laufende Korrektur am Aktienmarkt dürfte sich daher noch bis in den Herbst hinein fortsetzen. Auf Basis vergangener Auf- und Abwärtszyklen sieht der Experte den Dax im dritten Quartal bei 11.500 Punkten. Das wäre ein weiteres Minus aus heutiger Sicht von noch einmal rund sieben Prozent.

Wie sollten sich Anleger in diesem sich verschlechternden Umfeld verhalten? Marktexperten empfehlen den Schwerpunkt im Depot auf weniger zyklische Aktien zu legen. Dazu gehören Pharmaunternehmen, Versorger sowie große Lebensmittel- und Getränkehersteller wie Nestlé oder Coca-Cola.

Auch Tech-Aktien sind eine Alternative

Allerdings verändere sich gerade die Definition dessen, was zyklische und was defensive Aktien seien, erklärt der Experte von Carmignac. Aus seiner Sicht führt die sogenannte "Amazonisierung" weiter Teile der Wirtschaft dazu, dass früher defensive Werte wie Einzelhandelskonzerne inzwischen angreifbarer geworden sind. Als defensiv könnten heute auch Technik-Aktien wie Facebook, Alphabet oder Amazon bezeichnet werden. Diese Unternehmen wüchsen sehr stark und profitierten zunehmend von der Monetarisierung ihrer gewaltigen User-Zahlen – was sie relativ unabhängig vom Konjunkturzyklus mache.

Selbst in Deutschland kommt den Technologie-Werten eine immer größere Bedeutung zu. So sind ab Herbst TecDax-Aktien auch im MDax oder SDax zu finden. Durch diese Zweitmitgliedschaft komme ihnen eine deutlich breitere Investorenbasis zugute, erklärt Robert Halver von der Baader Bank. "Von dieser Aufwertung profitieren dann auch Anleger in bislang weniger technologielastigen Indizes."

lg