Wochenausblick

Hingucker der Woche

Zwischen Handelshoffnungen und Zinsfantasie Weihnachtsrally noch nicht vom Tisch

von von Robert Minde

Stand: 02.12.2018, 13:17 Uhr

Die Anleger haben so einiges zu verarbeiten in der kommenden Woche. In Argentinien auf dem G20-Treffen ist der totale Wirtschaftskrieg zumindest vorläufig verhindert worden. Zudem konkretisiert sich das Zinsszenario in den USA. Aber reicht das für eine Weihnachtsrally?

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die USA und China haben sich im alles beherrschenden Handelsstreit etwas mehr Zeit genommen, um einen globalen Wirtschaftskrieg abzuwenden. 90 Tage mehr Zeit, nicht mehr, aber auch nicht weniger. "Die Anleger werden verarbeiten, was bei dem G20-Gipfel herausgekommen ist", sagt Postbank-Marktstratege Heinz-Gerd Sonnenschein.

Donald Trump und Xi Jinping

Donald Trump und Xi Jinping. | Bildquelle: Imago

Mit der Vereinbarung ist sowohl für die Bullen als auch für die Bären etwas dabei. Aber die Erleichterung, dass es nicht zum totalen showdown zwischen China und den USA gekommen ist, lässt zumindest das Prinzip Hoffnung am Leben. Davon könnte der Dax profitieren, auch wenn das Thema natürlich weiter die Tagesordnung der Börsen beherrschen wird.

US-Zinszyklus schon früher am Ende?

Jerome Powell

Jerome Powell. | Bildquelle: Imago

"Konkreter" ist da schon Fed-Chef Powell geworden, soweit das bei einem versierten Notenbanker überhaupt möglich ist. Aber die Botschaft zwischen den Zeilen ist klar. Wenn Powell sagt, die aktuelle Leitzinsspanne zwischen 2,00 und 2,25 Prozent liege "knapp unter" dem Niveau, bei dem die Wirtschaft weder angeschoben noch gebremst werde, ist das ein deutlicher Hinweis auf das bevorstehende Ende des aktuellen Zinszyklus.

Experten rechnen nach der allgemein erwarteten Zinserhöhung auf der nächsten Sitzung im Dezember jetzt nur noch mit einer Zinserhöhung im Jahr 2019 - anstatt wie bisher mit zwei Anhebungen. Das dürfte die amerikanischen Aktienmärkte freuen, die mit der Konkurrenz attraktiver Renditen am Markt für US-Staatsanleihen zu kämpfen haben. Aber sie reagieren sofort, wie die abgelaufene Woche gezeigt hat. Der Leitindex Dow Jones legte in New York auf Wochensicht rund 5,1 Prozent zu, noch stärker ging es an der Technologiebörse Nasdaq bergauf.

Dax im Windschatten

All dies könnte auch unseren Dax stützen und vielleicht doch noch für die so sehnlichst erhoffte Weihnachtsrally sorgen. Allerdings bleibt der Index markttechnisch angeschlagen, so dass die Bären weiter gewichtige Argumente auf ihrer Seite haben.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.468,01
Differenz relativ
+0,08%

Mit Spannung blicken die heimischen Anleger am Dienstag nach Washington, wenn die deutschen Autobosse mit Vertretern der US-Regierung zusammenkommen. Sollte die Trump-Administration tatsächlich hohe Importzölle auf Importautos verhängen, wäre dies eine große Belastung für die deutsche Schlüsselindustrie. Allerdings ist in so manchem Aktienkurs schon eine gehörige Portion Pessimismus in dieser Richtung enthalten.

Überschaubarer Terminkalender der Unternehmen

Die Berichtssaison ist (fast) vollständig beendet, so dass der Terminkalender aus dem Unternehmenssektor kommende Woche überschaubar ist. Ausnahme ist Dax-Mitglied Vonovia, das am Donnerstag noch seine Zahlen zum dritten Quartal präsentiert.

Trotzdem bleibt es interessant, denn so manches Unternehmen lädt Analysten und Investoren zu Kapitalmarkttagen ein. Unter anderem will Bayer am Mittwoch wieder die Initiative übernehmen, in der Schweiz gibt Allianz-Konkurrent Zurich Insurance ein strategisches Update. Hinzu kommt die Überprüfung der Indizes durch die Deutsche Börse, ebenfalls am Mittwoch.

US-Arbeitsmarktdaten im Fokus

Untere den Konjunkturdaten der kommenden Woche ist der offizielle November-Arbeitsmarktbericht in den USA am Freitag wohl der Höhepunkt. Der Jobmotor brummt in Amerika auf vollen Touren, alles andere wäre eine Überraschung.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1018
Differenz relativ
-0,22%

"Die anstehenden US-Daten sollten bestätigen, dass die US-Wirtschaft weiterhin ordentlich wächst", so Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz. Zuvor wird am Mittwoch noch das "Beige Book" erwartet, der Konjunkturausblick der Fed.

Ein Termin, auf den auch die Devisenmärkte genau blicken werden. Dort ist der Dollar mit den absolut hohen Leitzinsen im Rücken schon länger der Star der Veranstaltung. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch das geplante Opec-Treffen am Donnerstag - denn Öl wird bekanntlich in Dollar abgerechnet.

Hinzu kommen noch mit den Einkaufsmanagerindizes für die Dienstleistungen eine Reihe von Stimmungsindikatoren, sowohl in Europa als auch in Übersee. Auch Auftragseingänge der Industrie werden sowohl in Deutschland als auch in den USA erwartet.

Am Mittwoch bleibt die New Yorker Börse wegen des Todes des ehemaligen US-Präsidenten George H.W. Bush übrigens geschlossen. Der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten war am Freitagabend (Ortszeit) im Alter von 94 Jahren gestorben. Präsident Trump hat den Mittwoch zum Staatstrauertag erklärt.