Mercedes-Stern in Stuttgart
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Wegen Diesel-Affäre Daimler: Erst Rückruf, dann Gewinnwarnung

Stand: 24.06.2019, 09:09 Uhr

Die Diesel-Affäre lässt den Daimler-Konzern nicht los. Der Autoriese muss jetzt für juristische Verfahren und Rückrufe einen "hohen dreistelligen Millionenbetrag" zurücklegen. Die Ergebnisprognose ist nicht mehr zu halten.

Am Sonntagabend um 19:03 Uhr hat der Stuttgarter Autobauer seine Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr 2019 per Pflichtmitteilung kassiert. Hintergrund sind "laufende behördliche Verfahren und Maßnahmen" bei Diesel-Modellen von Mercedes.

Vor diesem Hintergrund rechnet Daimler nur noch mit einem Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) in etwa auf Höhe des Vorjahres (11,1 Milliarden Euro). Bisher hatten die Stuttgarter für 2019 mit einem Plus von 5 bis 15 Prozent gerechnet.

Wiederholungstäter Daimler

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Wem das bekannt vorkommt, der täuscht sich nicht: Bereits im vergangenen Jahr hatte Daimler seine Aktionäre zweimal mit einer Gewinnwarnung enttäuscht – erst Ende Juni und dann nochmals im Oktober 2018.

Als Grund nannte der Autobauer damals die teure Aufarbeitung der Dieselkrise. Im Zusammenhang mit den laufenden behördlichen Verfahren und Maßnahmen sei ein Anstieg der Aufwendungen zu erwarten.

Mit der dritten Gewinnwarnung binnen eines Jahres verspielt Daimler weiteres Vertrauen bei den Anlegern. Die Aktie fällt im frühen Handel um bis zu 3,9 Prozent auf 47,70 Euro.

Marktbericht neutral Audio

B5 Börse 07.15 Uhr: Daimler leidet unter Dieselkrise

Vorwurf des KBA: Illegale Abschalteinrichtung

Der neuerlichen Gewinnwarnung war ein Pflicht-Rückruf des Kraftfahrtbundesamtes für 60.000 Diesel-Geländewagen vom Typ Mercedes-Benz GLK 220 vorangegangen. Das KBA wirft Daimler die Verwendung einer illegalen Abschalteinrichtung bei Modellen des Typs mit dem Motor OM651 der Schadstoffkategorie Euro 5 vor.

Ganz überraschend kommt auch das nicht - höchstens der Zeitpunkt des Rückrufs. Schließlich war das Amt bereits im Herbst 2018 auf die umstrittene Software-Funktion bei dem Motor OM 651 gestoßen.

Daimler weist die Vorwürfe einer Manipulation von Abgaswerten zurück. Der Konzern will den Rückruf umsetzen, aber Widerspruch gegen den Bescheid einlegen.

Mercedes GLK 220

Muss zurück in die Werkstatt: Mercedes-Benz GLK 220. | Bildquelle: picture alliance/Patrick Seeger/dpa

Kein guter Start für Ola Källenius

Doch nicht nur der Diesel-Skandal beunruhigt die Aktionäre. Auch operativ läuft es derzeit alles andere als rund in Stuttgart. Nach Jahren immer neuer Absatzrekorde hat Daimler von Anfang Januar bis Ende Mai nur 938.499 Autos der Marke Mercedes-Benz verkauft. Das sind 4,7 Prozent weniger als im Vorjahr.

Der Handelskonflikt zwischen Amerika und China, der schwache chinesische Markt und hohe Vorlaufkosten für die "Zukunftsthemen" Elektromobilität und autonomes Fahren machen Daimler zusätzlich das Leben schwer.

Ola Källeenius

Hat im Mai Dieter Zetsche an der Daimler-Spitze abgelöst: Ola Källenius. | Bildquelle: picture alliance / dpa

An Aufgaben und Herausforderungen mangelt es dem neuen Konzernchef Ola Källenius und seinem ebenfalls erst jüngst angetretener Finanzvorstand Harald Wilhelm somit nicht. Die neuerliche Gewinnwarnung ist allerdings eine schwere Bürde.

ag

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Die Daimler-Geschichte Galerie

1883: Gründung Benz & Cie.

Im Jahr 1883 gründet der Ingenieur Carl Benz (1844-1929) die "Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik in Mannheim" zusammen mit Max Caspar Rose und Friedrich Wilhelm Eßlinger. Durch sein neues Unternehmen sieht Benz bessere Möglichkeiten, um den zuvor entwickelten, ersten funktionierenden Zweitaktmotor zu vermarkten. Schnell werden 800 Stationärmotoren verkauft.