DWS Investments

Börsengang am Freitag Was taugt die DWS-Aktie?

Stand: 19.03.2018, 15:37 Uhr

Eine Woche nach der Siemens-Medizintechniksparte will die Fondsgesellschaft DWS am Freitag ihr Börsendebüt feiern. Eine Gelegenheit auch für Privatanleger?

Mit dem Verkauf von bis zu 25 Prozent an der DWS will die Deutsche Bank 1,2 bis 1,8 Milliarden Euro einnehmen. Das sogenannte Basisangebot besteht aus 40 Millionen Aktien, die Investoren zum Preis von je 30 bis 36 Euro zeichnen können. Bei entsprechend hoher Nachfrage will die Deutsche Bank bis zu zehn Millionen weitere Aktien platzieren.

Die DWS hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich und wurde im Rahmen der zahlreichen strategischen Volten der Deutschen Bank in den vergangenen zehn Jahren mal bevorzugt, mal stiefmütterlich behandelt. Mit einem verwalteten Vermögen von 702 Milliarden Euro (Stichtag 31.12.2017) ist die Fondsgesellschaft zwar deutlich kleiner als die weltweite Nummer eins Blackrock (5.000 Milliarden Euro) oder der französische Konkurrent Amundi, der 1.400 Milliarden Euro verwaltet.

Heimische Größe

In Deutschland gehört die DWS allerdings zu den führenden Anbietern. 42 Prozent des verwalteten Vermögens stammen aus dem Heimatmarkt. Auch die geplante Dividende ist für heimische Anleger attraktiv: 65 bis 75 Prozent des künftigen Gewinns sollen an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

Im vergangenen Jahr erzielte die DWS mit 720 Millionen Euro ein deutlich besseres Ergebnis vor Steuern als im Vorjahr. 2016 war ein Verlust von 200 Millionen angefallen. Grund für die Trendwende waren aber nicht gesunkene Kosten oder gestiegene Einnahmen: Es handelt sich schlicht um Wertberichtigungen auf den Geschäfts- und Firmenwert der 2016 verkauften britischen Versicherung Abbey Life. Ohne den Effekt aus dem Verkauf wären die Ergebnisse der DWS unverändert geblieben.

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Mehr Mittel eingesammelt

Bei den Mittelzuflüssen konnte die DWS im vergangenen Jahr 16 Milliarden Euro mehr Geld einsammeln, während im Vorjahr noch Mittel abgeflossen waren. Dass die Erlöse trotzdem um knapp 500 Millionen auf 2,5 Milliarden Euro gesunken sind, ist dem Verkauf von Abbey Life geschuldet. Bereinigt um diese Trennung sind die Erträge gegenüber dem Vorjahr um 54 Millionen Euro (zwei Prozent) gestiegen.

Eine Wachstumsgeschichte sieht anders aus. Wegen der Kursverluste an den Aktienmärkten im Februar gehen einige Investmentbanken inzwischen davon aus, dass das Ergebnis vor Steuern der DWS in diesem Jahr die 2017 erzielten 720 Millionen Euro nicht wieder erreichen wird. Als Belastung für das Geschäftsmodell erweist sich auch der Trend zu börsengehandelten Indexfonds (ETFs). Sie sind deutlich günstiger zu haben als aktiv gemanagte Fonds. Das ist gut für die Sparer, bedeutet aber für die Fondsgesellschaften geringere Einnahmen.

Stattliche Dividendenrendite möglich

Dennoch kalkulieren Experten bei der DWS für dieses Jahr mit einem Gewinn je Aktie von 3,00 Euro (2017: 3,17 Euro), so dass sich bei einem Platzierungspreis von 33,00 Euro ein KGV von 11 ergibt. Werden wie angekündigt zwischen 65 und 75 Prozent des Gewinns als Dividende ausgeschüttet, errechnet sich in der Mitte dieser Spanne mit 2,10 Euro eine Dividendenrendite von stattlichen 6,7 Prozent. Das wären im Vergleich zum wichtigsten Konkurrenten Amundi (KGV: 14; Rendite: 3,8 Prozent) ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Kritiker monieren allerdings, dass die Deutsche Bank auch künftig die Kontrolle bei ihrer Vermögensverwaltungstochter behält. Die DWS soll nämlich in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) umgewandelt werden, an der die Deutsche Bank auch künftig die Mehrheit hält. Zudem befürchten manche Investoren, dass das Geldhaus im Falle plötzlichen Kapitalbedarfs weitere DWS-Aktien auf den Markt werfen könnte.

Großanleger haben Interesse

Trotzdem stößt der Börsengang auf das Interesse von Großinvestoren. Der französische Vermögensverwalter Tikehau Capital, der nach einer Inselgruppe im Pazifik benannt ist, selbst aber in Paris sitzt, will sich mit 250 Millionen Euro am Börsengang der DWS beteiligen - egal ob die Aktien am unteren Ende der Preisspanne zu 30 oder am oberen zu 36 Euro an den Markt gehen. Damit würden sich die Franzosen drei bis vier Prozent an der DWS sichern.

Nicolas Moreau

Nicolas Moreau. | Bildquelle: Imago

Auch der japanische Lebensversicherer Nippon Life ist an der DWS interessiert. Er soll sich bereits fünf Prozent an der DWS gesichert haben - sehr zur Freude des Managements, das die Japaner als Ankerinvestor begreift. “Wir freuen uns sehr, dass wir Nippon Life als Ankerinvestor gewonnen haben“, sagte DWS-Chef Nicolas Moreau. "Unsere strategische Partnerschaft steht im Einklang mit unserem Wachstumsfokus in der asiatischen Region und setzt Impulse für weiteres Wachstum."

lg

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BlackRock
Das Maß aller Dinge ist Blackrock. Mit einem verwalteten Vermögen von rund 6,3 Billionen Dollar ist der US-Konzern der mit Abstand größte börsennotierte Vermögensverwalter der Welt. Zum Vergleich: Die DWS verwaltet gerade mal 700 Milliarden Euro.