Siemens Healthineers

Fragen & Antworten Was Sie über Siemens Healthineers wissen müssen

Stand: 12.03.2018, 14:45 Uhr

Der Münchner Industriekonzern Siemens bringt seine Medizintechnik-Sparte Healthineers am 16. März an die Börse. Einer der größten Börsengänge seit der Telekom schlägt hohe Wellen.

Wofür steht der Name "Healthineers"?

Das im Mai 2016 vorgestellte Kunstwort für die vorher schlicht Siemens Healthcare genannte Sparte sorgt immer noch für Rätselraten. "Health" (Gesundheit), "Engineer" (Ingenieur) und "Pioneer" (Pionier) verbergen sich dahinter. Die internationalen Kunden fänden den Namen gut, argumentiert man bei Siemens. Einen Weg zurück gibt es ohnehin nicht: Die neuesten Produkte sind bereits unter diesem Namen zugelassen.

Was macht Healthineers?

Der größte Bereich ist die "diagnostische Bildgebung": Röntgen-, Computertomographie (CT)- und Magnetresonanztomographie-Geräte (MRT) machen mehr als die Hälfte des Umsatzes von 13,8 Milliarden Euro aus. Hier sieht sich Healthineers unangefochten als Weltmarktführer. Die Nummer zwei weltweit ist Siemens in der Labordiagnostik, der Auswertung etwa von Blut- und Urintests. Sie macht 30 Prozent vom Umsatz aus. "Advanced Therapies" heißt der kleinste Bereich. Dabei geht es um technische Hilfsmittel für Operationen und die Behandlung von Krankheiten. Mit 47.000 Mitarbeitern erwirtschaftet Healthineers 13,8 Milliarden Euro Umsatz und einen Gewinn von 2,5 Milliarden Euro.

Woher kommt Healthineers?

Schon 1844 linderte Firmengründer Werner von Siemens die Zahnschmerzen seines Bruders (vorübergehend) mit Stromstößen über einen sogenannten "Volta-Induktor". Die eigentlichen Wurzeln der Sparte liegen aber in der 1886 gegründeten Firma Reiniger, Gebbert & Schall (RGS). Kurz nachdem Wilhelm Conrad Röntgen 1895 die nach ihm benannten Strahlen entdeckt hat, beginnt Max Gebbert mit dem Bau von Röntgengeräten - und liefert auch an Röntgen selbst. 1925 übernimmt Siemens & Halske die Firma, als sie nach Fehlspekulationen am Abgrund steht. RGS wird in Siemens-Reinigerwerke AG umbenannt. 1966 geht sie mit Siemens & Halske und Siemens-Schuckertwerke in der Siemens AG auf. 1967 kommt das erste Ultraschallgerät auf den Markt, 1971 folgt der Computertomograph, 1981 das MRT. Auch Herzschrittmacher, Hörgeräte und Zahnbohrer kommen zeitweise aus dem Hause Siemens.

Warum der Börsengang?

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
109,76
Differenz relativ
-0,85%

Medizintechnik-Unternehmen sind zumeist höher bewertet als die Industrie. Siemens hofft, dass sich das auch im Börsenkurs widerspiegelt. Mit den Aktien kann Healthineers auch Zukäufe finanzieren, ohne den Konzern um Geld bitten zu müssen. Nach dem Windkraftkonzern Siemens Gamesa wird Healthineers die zweite Siemens-Tochter, die separat an der Börse gelistet wird. Der Zugtechnik-Konzern Siemens Alstom soll nach der Fusion folgen. Die ehemaligen Siemens-Spin-Offs Infineon und Epcos sind völlig von der Konzernmutter abgenabelt. Mittelfristig sieht Konzernchef Joe Kaeser das Konglomerat Siemens als Flottenverbund weitgehend eigenständiger Unternehmen, die vor allem die Marke verbindet.

Welche Rolle wird Healthineers an der Börse spielen?

Lange war offen, wo Healthineers an die Börse gehen würde. Am Ende entschied man sich doch für Frankfurt, weil Siemens die Argumente für New York ausgingen. Fusionspläne mit einem US-Rivalen zerschlugen sich, die strengen Börsenregeln in den USA schreckten ab. London kam wegen des Brexit schon vorher nicht mehr in Frage. Zudem hat Healthineers in Frankfurt gute Chancen auf einen Einzug in den Leitindex Dax. Siemens hat die Preisspanne mit 26 bis 31 Euro unerwartet niedrig angesetzt und will 15 Prozent der Aktien verkaufen. Das würde wohl mehr als vier Milliarden Euro in die Kassen spülen.

Wie ist die Nachfrage?

Bislang sieht es so aus, als sei die Nachfrage ziemlich gut. "Wir haben einen sehr guten Start gesehen", sagte ein beteiligter Banker in Frankfurt. "Das ist für uns die Bestätigung dafür, dass es ein großes Investoren-Interesse an Siemens Healthineers gibt." Der Vorstand um Bernd Montag versucht Fonds und andere Großanleger seit Montag vergangener Woche vom Kauf der Aktien zu überzeugen. Die Zeichnungsfrist läuft noch bis Donnerstag, 15. März. Einen Tag später soll Siemens Healthineers das Debüt an der Frankfurter Börse feiern.

rtr

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