Elon Musk
Audio

Zweifel am Tesla-Chef wachsen Was nun, Mr. Musk?

Stand: 27.08.2018, 08:59 Uhr

Der Zick-Zack-Kurs von Tesla-Chef Elon Musk erzürnt Anleger wie Experten. Und er lässt Zweifel an seinen Führungsqualitäten wachsen. Zu allem Überfluss könnte das Hin und Her um den angeblichen Börsenrückzug teuer für ihn werden.

Die amerikanische Börsenaufsicht ermittelt ohnehin schon gegen Musk wegen Irreführung der Investoren. Jetzt könnten sich die laufenden Ermittlungen der SEC noch verschärfen.

Der Zick-Zack-Kurs

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
329,06
Differenz relativ
-0,20%

Musk hatte am 7. August in einem Tweet überraschend verkündet, er erwäge, Tesla zum Aktienkurs von 420 Dollar von der Börse zu nehmen. Die Aktion hatte großen Wirbel ausgelöst, den Kurs zunächst steigen lassen und die Börsenaufsicht auf den Plan gerufen. Immerhin hätte der von Musk genannte Preis von 420 Dollar einen Aufschlag von rund 20 Prozent auf den damaligen Aktienkurs bedeutet.

Später aber ruderte Musk zurück. Eine Finanzierungszusage aus Saudi-Arabien sei doch noch nicht ganz in trockenen Tüchern, obwohl er diesen Eindruck Ende Juli gewonnen habe. Jetzt verkündete Musk den Rückzug vom angeblichen Börsenrückzug. Er habe dem Verwaltungsrat mitgeteilt, "der bessere Weg für Tesla ist, an der Börse zu bleiben", schrieb Musk in seinem Blogeintrag am Freitag.

Ist Musk noch der Richtige?

Diese Sprunghaftigkeit wirft bei Investoren Fragen nach Musks Gesundheitszustand auf und ob er als Tesla-Chef noch der Richtige ist. Sie erschüttert Musks Glaubwürdigkeit bei den leidgeprüften und verlustgeplagten Investoren weiter. 

"Schon vor der Börsenrückzugsgeschichte war seine Glaubwürdigkeit fragwürdig, obwohl Investoren insgesamt noch Vertrauen in diesen Mann hatten", sagt Erik Gordon, Professor für Wirtschaft und Recht an der Universität Michigan. "Die ganze Börsenrückzugsepisode hat seine Glaubwürdigkeit jedoch jetzt nahe dem Nullpunkt gebracht."

Ähnlich Analyst Gene Munster vom Finanzdienst Bloomberg: "Was Musk Freitagnacht geschrieben hat, widerspricht allem, was er zuvor getwittert hatte." Irgendwann werde sich die Aufregung zwar wieder legen, es sei aber keine Situation, die man einfach so vergessen könne. Rechtsprofessor Stephen Diamond von der Santa Clara University glaubt, dass Teslas Verwaltungsrat Musk letztlich zur Räson brachte, um den Schaden zu begrenzen: "Sie mussten die Farce beenden".

Juristische Folgen

Die SEC hatte Mitte August konkrete Schritte zur Untersuchung des geplanten Börsenrückzugs eingeleitet. Sie fokussiert sich unter anderem darauf, ob Musks Angaben zu den Plänen und zum Stand der Finanzierungsgespräche korrekt waren und forderte laut Medienberichten Informationen von allen Verwaltungsräten an.

Es machte sich rasch Skepsis breit. Denn die Privatisierung wäre eine finanzielle Herkulesaufgabe. Tesla wäre bei Musks Kursziel insgesamt mit rund 72 Milliarden Dollar bewertet worden, zudem hat die Firma etwa zehn Milliarden Schulden.

Investoren machten mobil. Zwei haben den Tesla-Chef verklagt. Seine Tweets seien falsch und irreführend gewesen. Es handele sich um einen Angriff, um Leerverkäufer zu dezimieren. Leerverkäufer spekulieren über Finanzwetten auf fallende Kurse. Der zwischenzeitlich heftige Kursanstieg der Tesla-Aktie nach Musks Ankündigung hatte diesen Spekulanten, die auf einen Niedergang von Tesla wetten, hohe Verluste beschert.

Musk hält zwar weiter an seiner Behauptung fest, dass "mehr als genug" Finanzmittel vorhanden gewesen wären, um Tesla von der Börse zu nehmen. Wo genau das Geld hätte herkommen sollen, erklärt er aber nicht. Deshalb muss sich Tesla nun uf eine langwierige SEC-Untersuchung einstellen und ist mit Sammelklagen wegen irreführender Aussagen und Marktmanipulation konfrontiert.

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
329,06
Differenz relativ
-0,20%

Mit Blick auf Teslas strapazierte Kapitaldecke hat sich Musk mit dem ganzen Hin und Her keinen Gefallen getan. Nicht nur wegen der nun anstehenden Rechtskosten in Bezug auf die Sammelklagen und SEC-Ermittlungen. Um den Eindruck zu zerstreuen, der Tweet zum Börsenrückzug sei ein Bluff gewesen, hatte Tesla auch kostspielige Maßnahmen zur Prüfung der Idee ergriffen. So ließ sich der Konzern etwa von der Beteiligungsgesellschaft Silver Lake und von den Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley beraten - sowas ist nicht billig. Und beim Aktienkurs hat sich Musk ebenfalls einen Bärendienst erwiesen - der notierte zuletzt schon wieder tiefer als vor seinem Irsinns-Tweet.

Zweifel am Model 3

Inzwischen treibt manch Großaktionär die Befürchtung um, dass der Superstar des Silicon Valley, der Tesla bislang als Ein-Mann-Show führt, selbst zum größten Risiko für das Unternehmen wird. Denn ausgerechnet jetzt durchläuft Tesla mit seinem Hoffnungsträger Model 3 die wohl kritischste Produktionsphase, weshalb Musk eigentlich stärker denn je gefordert ist. Ende Juni hatte der Firmenchef noch aufgetrumpft, als mit über einem halben Jahr Verspätung endlich das Produktionsziel erreicht wurde, pro Woche 5000 Einheiten des ersten günstigeren Tesla-Modells vom Band laufen zu lassen. Doch auch die Zweifel an der Nachhaltigkeit der Model-3-Fertigung steigen. "Unsere Experten fanden zahlreiche Qualitätsprobleme wie fehlende Schrauben, starken Lärm oder ungleichmäßige Spaltmaße", heißt es in einer aktuellen UBS-Analyse.

Parallel dazu berichtete die Website "Business Insider" unter Berufung auf interne Unterlagen von Tesla von einer enormen Fehlerquote. Mehr als 4300 der 5000 in der letzten Juniwoche gefertigten Model 3 mussten demnach überarbeitet werden.

Musk wirkt bereits angeschlagen wie selten zuvor. Jüngst erst schockte er Aktionäre mit einem emotionalen "New York Times"-Interview, in dem er sich unter Tränen als getriebener Workaholic mit Gesundheitsproblemen und Schlafmittelkonsum outete. Ein Visionär, den die Kräfte verlassen - aber wer könnte auf ihn folgen?

bs