Händler auf dem Parkett der New York Stock Exchange bedeckt mit der Hand seine Augen
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Aktienmärkte im freien Fall Was ist denn da los?

Stand: 06.02.2018, 08:34 Uhr

Der Dow-Jones-Index in New York ist um 4,6 Prozent abgestürzt. In Punkten: minus 1.175 - der höchste Punktverlust in der Geschichte des Dow. Was ist da los?

Händler und Analysten tun sich zunächst schwer, die genauen Gründe für den Absturz zu benennen. "Viele Anleger sind in regelrechte Panik verfallen", meint Thomas Altmann von QC-Partners. Es handele sich um eine Flucht aus Aktien. "Grund ist ein Mix aus zuvor überteuerten Kursen in den USA, einer zu großen Euphorie und plötzlich steigenden Zinsen", sagt Daniel Saurenz vom Analysehaus Feingold Research. In Anlehnung an den "Black Monday" genannten Börsen-Crash von 1987 - damals war der Dow um 23 Prozent abgeschmiert - spricht Saurenz von einem "dunkelgrauen Montag".

Angst vor Leitzinserhöhungen

Bereits am Freitag hatte der US-Arbeitsmarktbericht die Stimmung der Anleger kippen lassen. Das Lohnwachstum fiel stärker als erwartet aus, was die Inflation in Gang bringen könnte. Steigende Preise dürften aber die Notenbank zwingen, den Leitzins schneller als bisher geplant zu erhöhen. Schon rechnen Experten in diesem Jahr nicht mit drei Zinserhöhungen, sondern mit vier. Steigende Zinsen wiederum gefallen Investoren nicht - sie verteuern Geld und Kredite und hemmen so das Wachstum.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.535,08
Differenz relativ
-1,73%

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.325,44
Differenz relativ
-1,77%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.738,52
Differenz relativ
-1,47%

Steigende Anleihezinsen

Parallel zu den Zinsängsten sind die Renditen der Staatsanleihen gestiegen. Sie liegen für langlaufende US-Staatsanleihen derzeit bei 2,77 Prozent und damit so hoch wie seit vier Jahren nicht mehr. Nach Meinung von Fachleuten dürften sie weiter zulegen und sich in Richtung drei Prozent bewegen. Steigende Anleihezinsen sind Gift für den Aktienmarkt, weil sie als risikoärmere Alternative zum Aktienmarkt gelten.

Heiß gelaufene Märkte

ARD-Börsenstudio: Klaus-Rainer Jackisch
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Was macht der Dax?

Zudem weisen viele Beobachter daraufhin, dass die Aktienmärkte - allen voran in den USA - in den letzten Wochen einfach zu heiß gelaufen sind, der Anstieg war zu schnell. Eine Korrektur war deshalb unausweichlich. "Der Markt ist eingebrochen, weil die Blase außer Kontrolle geraten ist", rekapituliert Daniel Alpert, Mitgründer der New Yorker Investmentbank Westwood Capital. "Die zentrale Erkenntnis bei Märkten mit Blasen ist jedoch, dass man nie genau weiß, was der Auslöser für einen Kursrutsch sein wird. In diesem Fall waren es steigende Anleiherenditen, die den Markt erschreckt haben."

Automatisierter Handel

Verstärkt wurde der Kollaps auch vom automatisierten Handel. Ein Großteil der Finanzmärkte ist inzwischen durch Computer-Programme gesteuert und quasi auf Autopilot. Werden bestimmte Kursmarken durchbrochen, werfen die "Algo-Trader" automatisch weitere Papiere auf den Markt und verstärken so den Kursverfall. Das "Flash Crash" genannte Phänomen war also auch diesmal am Werk.

Korrektur könnte weitergehen

Ist die Korrektur mit dem Kurssturz abgeschlossen? Die Finanzprofis halten sich bedeckt. "Die 'Risk-Off'-Stimmung könnte anhalten", sagt Win Thin vom Geldhaus Brown Brothers Harriman. So deuten die Futures derzeit darauf hin, dass der Dow auch heute weiter an Wert verlieren dürfte.

lg

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Die schwärzesten Börsentage seit 1987 Historie

Black Monday 1987, New York

19. Oktober 1987
An diesem denkwürdigen Tag lassen Spekulationen auf höhere US-Zinsen die Kurse weltweit einbrechen. Der Dow-Jones-Index stürzt um 22,6 Prozent ab. Selbst nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war der Einbruch nicht so hoch. In Frankfurt purzeln die Kurse gemessen an dem zurückberechneten Dax - der Index wurde erst am 1. Juli 1988 eingeführt - um durchschnittlich 9,4 Prozent nach unten.