Eine lächelnde Chinesin und chinesische Geistermasken

Dieser Investor ist kein Unbekannter Was haben die Chinesen bloß mit Dialog Semiconductor vor?

von Angela Göpfert

Stand: 19.12.2017, 07:36 Uhr

Ein chinesischer Investor kauft sich gerade massiv beim TecDax-Konzern Dialog Semiconductor ein. Wird der Halbleiterkonzern jetzt zum Übernahmekandidaten, zu einer Art zweiter Aixtron oder Kuka? Und was sagen die Amerikaner dazu?

Das nach dem jüngsten Kurseinbruch stark erniedrigte Kursniveau der Dialog-Aktie war für den chinesischen Investor Tsinghua University offenbar einfach zu verführerisch.

Der chinesische Großaktionär hat seinen Anteil an dem schwäbisch-britischen Halbleiterhersteller weiter ausgebaut. Die Chinesen halten jetzt insgesamt 9,01 Prozent an Dialog, wie aus einer am Montagabend veröffentlichten Pflichtmitteilung hervorgeht. Zuletzt wurden 8,1 Prozent gemeldet.

Einmalige Kaufgelegenheit?

Tsinghua University kaufte die jüngsten Dialog-Aktienpakete, nachdem sich der Dialog-Kurs von seinem Hoch im November bei 44,23 Euro zeitweise mehr als halbiert hatte.

Hintergrund des Kursverfalls waren Gerüchte um den Wegfall des Hauptkunden: Der US-Konzern Apple, der für etwa zwei Drittel des Dialog-Umsatzes steht, will angeblich bestimmte Chips von Dialog künftig in Eigenregie entwickeln und damit bereits Anfang 2018 starten.

Mächtige US-Behörde

Die Tsinghua University ist übrigens keine Unbekannte: Zu der staatlichen Universität gehört der Halbleiterkonzern Tsinghua Unigroup, der in den vergangenen Jahren bereits zweimal versucht hat, sich in die US-Halbleiterindustrie einzukaufen. Erfolglos.

Die Übernahme von Micron war spektakulär am Widerstand der amerikanischen Behörde CFIUS (Committee of Foreign Investment in the United States) gescheitert. Diese hat die Macht, Übernahmen zu stoppen, welche die nationale Sicherheit gefährden könnten.

Militärischer Nutzen

Im Falle von Micron-Tsinghua hatte sie für ihr Veto in der Tat gute Gründe, fertigt Micron doch auch solche Chips, die in den High-Tech-Waffen der Amerikaner zum Einsatz kommen.

Auch ein zweiter Anlauf der Chinesen, sich bei einem amerikanischen Chipkonzern einzukaufen, scheiterte: Tsinghua machte selbst einen Rückzieher, als die Amerikaner nur ankündigten, den geplanten Deal mit Western Digital genau untersuchen zu wollenDer Fall Aixtron

Zur Erinnerung: Auch die Übernahme der deutschen Aixtron durch den chinesischen Investor Grand Chip Investment war am Widerstand just jener amerikanischen Behörde gescheitert.

Es gebe ungelöste nationale US-Sicherheitsbedenken, hieß es damals zur Begründung. Laut Medienberichten würden die Halbleiter von Aixtron auch militärisch eingesetzt werden.

Ob dies auch auf die Chips von Dialog zutrifft, ist unbekannt. Fakt ist nur: Sollten die Amerikaner keine Einwände haben, stünde einer Übernahme durch die Chinesen wohl nichts im Wege.

Der Fall Kuka

Schließlich haben sich die deutschen Behörden den Begehren der Chinesen in der Vergangenheit auch nicht in den Weg gestellt.

Peking will mit dem staatskapitalistischen Plan "Made in China 2025" in zahlreichen Branchen Weltmarktführer schmieden und hat dazu eine Aufkaufwelle im Ausland und vor allem auch in Deutschland losgetreten.

Kuka-Industrieroboter bei der Tesla-Autoproduktion in Fremont, Kalifornien, USA

Die Industrieroboter von Kuka kommen bei der Autoproduktion zum Einsatz - und liefern so Einblick in deutsche Schlüsseltechnologien. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Dieser war bislang der Augsburger Roboterhersteller Kuka zum Opfer gefallen, der 2016 an die Chinesen verkauft wurde. Kritiker sprachen damals von einem Ausverkauf deutscher Hochtechnologie nach China. Und dass Kuka erst der Anfang sei.