Shazam-App und Apple-Logo
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Die Beweggründe hinter dem Musik-Deal Was Apple wirklich mit Shazam vorhat

von Angela Göpfert

Stand: 12.12.2017, 09:16 Uhr

Shazam ist bekannt für seine unschlagbare Fähigkeit, Musikstücke rasch zu erkennen. Der neue Besitzer von Shazam dürfte aber dessen Technologien noch zu ganz anderen, weit spektakuläreren Zwecken nutzen.

Wie Apple am Montagabend bestätigte, übernimmt der US-Technologieriese den Anbieter der auf Millionen Smartphones weltweit installierten Musikerkennungs-Software Shazam.

Einen Kaufpreis nannte Apple nicht. Laut dem Technologie-Blog "Recode" will Apple für Shazam gerade einmal 400 Millionen Dollar auf dem Tisch legen. In einer Finanzierungsrunde im Januar 2015 wurde Shazam noch mit rund einer Milliarde Dollar bewertet.

Die sinkende Bewertung spiegelt die sinkende Bedeutung der Shazam-App, die es aktuell noch nicht einmal mehr in die Top 100 des Google Play Store schafft.

Apple Music hinkt hinterher

Trotz seiner sinkenden Umsätze kann Shazam seinem neuen Besitzer jedoch in vielerlei Hinsicht helfen. Vor allem Apple Music dürfte profitieren. Bislang läuft es nämlich so:

Hat Shazam einen Song erkannt, verweist die App auf Download-Möglichkeiten bei Apple Music sowie auf Streaming-Optionen bei Diensten wie Spotify und Google Play Music.

Spotify ist der schärfste Rivale von Apple Music: Während sich Spotify über 60 Millionen Abonnenten freuen kann, hinkt Apple mit seinen rund 30 Millionen Nutzern weit hinterher.

Muss sich Spotify jetzt warm anziehen?

Der Kauf von Shazam bietet nun die Möglichkeit, diese große Lücke wieder ein wenig zu schließen. Laut Tech-Experten dürfte Apple die Shazam-App nämlich rasch abschalten und so die Verweise auf Konkurrenten entfernen.

Stattdessen dürfte Apple Shazam noch tiefer in sein Betriebssystem iOS integrieren – ganz in der Art, wie es Google mit seiner Musikerkennungssoftware auf dem Pixel-Smartphone getan hat.

Bereits heute greift bei Apple die Assistenzsoftware Siri im Hintergrund auf den Dienst von Shazam zurück, wenn man sie nach dem laufenden Song fragt.

Downloads sind sowas von gestern!

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 08.00 Uhr: Apple kauft Shazam

Insofern passt der Shazam-Kauf auch hervorragend zu Berichten, wonach Apple sogar plant, all seine Anstrengungen in die Abonnenten-Dienste zu stecken und den iTunes Store 2019 zu schließen.

Zuletzt gab es einen massiven Nutzer-Zustrom bei Streaming-Diensten. Die Ära der Downloads scheint sich ihrem Ende zu nähern.

Eigentliches Ziel: die AR-Technologie

Darüber hinaus dürfte Apple auch an der "augmented reality"-Technologie von Shazam interessiert sein. Shazam verfügt über eine visuelle Erkennungs-Technologie und eine "augmented reality"-Plattform für Marken.

Das könnte Apple dabei helfen, ein Feature ähnlich der "Google Lens" für das iPhone zu entwickeln. Ziel ist es, dass das Smartphone passende Informationen liefern kann zu dem, was es gerade "sieht", etwa Blumen erkennen, Restaurantkritiken abrufen, Übersetzungen in Echtzeit und vieles mehr.

Und das alles für 400 Millionen Dollar? Der Shazam-Kauf könnte sich für Apple schon rasch auszahlen.

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