Traum-Aktie mit Traum-Zahlen Warum wir uns mit Überflieger-Aktien wie Nvidia so schwer tun

von Angela Göpfert

Stand: 10.11.2017, 09:36 Uhr

Ein Blick auf den Nvidia-Chart genügt, um Anleger in Selbstzweifel zu stürzen: Warum habe ich diese Aktie nur nicht gekauft!?

Ein Kursplus von mehr als 200 Prozent binnen zwölf Monaten: Eine Aktie wie Nvidia reicht, um ein ganzes Depot in ungeahnte Höhen zu katapultieren. Trotzdem machen die meisten Anleger einen großen Bogen um solche Überflieger-Aktien – und müssen dafür bitter bezahlen. Denn kaum etwas schmerzt Anleger so sehr wie entgangene Gewinne.

Viel, viel besser als gedacht

Der amerikanische Chiphersteller bot Anlegern dazu am späten Donnerstagabend mal wieder einen aktuellen Anlass: Nach US-Börsenschluss gab Nvidia einen Quartalsgewinn von 1,33 Dollar je Aktie sowie einen Umsatz in Höhe von 2,363 Milliarden Dollar bekannt.

Nvidia stellte damit selbst die kühnsten Erwartungen der Analysten in den Schatten. Im Schnitt hatte die Wall Street mit einem Gewinn je Aktie von 1,07 Dollar sowie Erlösen in Höhe von 2,362 Milliarden Dollar gerechnet.

Platzhirsch Nvidia

Nvidia Drive PX

Der Konzern mit Sitz im kalifornischen Santa Clara ist einer der größten Entwickler von Grafikprozessoren und Chipsätzen für PCs und Spielekonsolen. Nvidia profitiert von der ungebrochenen Chip-Nachfrage an allen Fronten. Noch hat Nvidia einen gewaltigen Innovationsvorsprung. Doch die Konkurrenz schläft nicht, vor allen Intel und AMD rüsten derzeit mächtig auf. Erst zu Wochenbeginn gab Intel bekannt, in Zukunft selbst Grafikkarten zu entwickeln.

In fünf Jahren von 11 auf über 200 Dollar

Das Echo der Börse ließ nicht lange auf sich warten: Die Nvidia-Aktie schnellte im nachbörslichen Handel um 3,2 Prozent in die Höhe auf 211,85 Dollar. Damit nähert sie sich ihrem nur wenige Tage alten Rekordhoch von 212,90 Dollar wieder an. Nur zur Erinnerung: Vor fünf Jahren notierte Nvidia noch bei 11,15 Dollar.

Die Markierung eines frischen Allzeithochs gilt als eines der besten Kaufsignale, das die Technische Analyse zu bieten hat. Schließlich sind historische Widerstände im so genannten "uncharted territory" jenseits der alten Rekordmarken naturgemäß nicht auszumachen.

Unsere Psyche ist uns im Weg

Und doch dürften diesem Signal auch dieses Mal viele Privatanleger nicht folgen. Woran das liegt, erläuterte der Schweizer Vermögensverwalter Mojmir Hlinka einst im Gespräch mit boerse.ARD.de: "Befindet sich eine Aktie oder ein Index auf Allzeithoch, meldet unsere Psyche: Ein weiterer Anstieg ist unwahrscheinlich."

Im Sprech der "Behavioral Finance" wird dieses Phänomen dann auch als "all-time-high bias" bezeichnet. "The trend is your friend" lautet eine alte Börsenweisheit. Doch offenbar vermag kaum ein Anleger, ihr zu folgen.