Deutsche Bank-Chef Christian Sewing
Audio

Investorentag der Deutschen Bank Warum Sewing um Vertrauen buhlen muss

Stand: 10.12.2019, 10:09 Uhr

Die Deutsche Bank hat heute Investoren nach Frankfurt eingeladen, um sie vom Erfolg der laufenden Umbaupläne zu überzeugen. Das ist auch bitter nötig, zeigen die Anleger dem Bankhaus doch weiterhin die kalte Schulter.

Passend zum großen "Investors Day" verkündete die Deutsche Bank gleich am Morgen eine gute Nachricht: Die Europäische Zentralbank werde zum 1. Januar 2020 die Mindestkapitalanforderung für die Deutsche Bank absenken, von 11,84 Prozent auf 11,59 Prozent.

Die Anleger begrüßten die Nachricht mit einem beherzten Zukauf: Der Aktienkurs der Deutschen Bank legte als zeitweise einziger Gewinner im Dax um gut ein Prozent zu. Am dramatischen Niedergang des Dax-Titels ändert das allerdings nichts. Vielmehr zeigt der Blick auf die Entwicklung in den letzten Jahren, was die Investoren von der Deutschen Bank halten: gar nichts. Der Kurs ist allein seit 2015 von 30 auf 6,00 Euro abgestürzt. Zu den besten Zeiten des früheren Vorstandschefs Ackermann war die Aktie gar 90 Euro und mehr wert.

Aktie im Niedergang

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
7,65
Differenz relativ
-2,35%

Inzwischen bringt die Deutsche Bank nur noch knapp 14 Milliarden Euro auf die Waage. Das ist der gleiche Wert wie der des von Manipulationsvorwürfen gebeutelten Zahlungsabwicklers Wirecard.

Im europäischen Vergleich der großen Bankhäuser rangiert der deutsche Branchenprimus schon lange in den hintersten Reihen, ganz weit hinter vergleichbaren Häusern wie der französischen BNP Paribas, die mit 63,5 Milliarden Euro bewertet wird, oder der Schweizer UBS (40 Milliarden Euro).

Einnahmen fallen stärker als die Kosten

Christian Sewing als Paketbote

Sewing will liefern. | Bildquelle: dpa, colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

Den Niedergang konnte auch der im April 2018 zum Vorstandschef berufene Christian Sewing nicht aufhalten. Seit der Präsentation der Umbaupläne im Juli ist der Aktienkurs der Deutschen Bank sogar unter die Schwelle von 7,00 Euro gefallen.

Überraschend ist das nicht, haben doch die hohen Verluste im dritten Quartal von 832 Millionen Euro die Anleger weiter verunsichert. Die Zahlen offenbaren, was viele Analysten vorhergesehen hatten: Die Einnahmen der Bank sind stärker gefallen als die Kosten. Besonders im Privatkundengeschäft sind die Erlöse unter den Erwartungen geblieben.

Kostenziele bestätigt

Besonders dramatisch war der Rückgang im Investmentbanking, vor allem wegen der Einstellung des Aktienhandels. Dabei war die Deutsche Bank unter ihrem früheren Vorsitzenden Josef Ackermann einst angetreten, um in der Liga der weltgrößten Investmentbanken mitzuspielen - was ihr kurze Zeit auch gelang. Die Sparte war jahrelang die mit Abstand größte Einnahmequelle der Bank.

Doch das von Skandalen und Strafen in Milliardenhöhe gebeutelte Geschäft soll nun weitgehend eingedampft werden. Stattdessen will der Vorstandschef die stabileren Bereiche wie das Geschäft mit Unternehmen, Privatkunden und die Vermögensverwaltung aufwerten. Bis 2022 hat Sewing den Kunden eine Eigenkapitalrendite von acht Prozent versprochen.

Die Bank bestätigte am Morgen ihre Kostenziele, sowohl für dieses und das kommende Jahr als auch für 2022. Für das Gesamtjahr 2019 erwartet sie bereinigte Kosten von 21,5 Milliarden Euro vor umbaubedingten Belastungen. Im kommenden Jahr sollen die bereinigten Kosten auf 19,5 Milliarden Euro sinken. Für 2022 bestätigte die Bank ihr Ziel von 17 Milliarden Euro für die bereinigten Kosten, die damit im Vergleich zu 2018 um fast sechs Milliarden Euro sinken sollen.

"Schiff auf Kurs bringen"

Bleibt die Frage, wie Sewing und seine Mannschaft den Rückgang der Einnahmen stoppen will. Von dem Treffen in den Frankfurter Zwillingstürmen erhoffen sich Analysten und Anleger Hinweise, ob das Geschäft in den einzelnen Sparten besser läuft als im dritten Quartal und ob die Bank ihre Ziele in Sachen Ertragszuwächse und Kostensenkungen erreicht.

"Das Dringendste ist, das Schiff wieder auf Kurs zu bringen, damit man ein paar Knoten schneller fahren kann", sagt Andreas Thomae, Portfoliomanager bei der zu den Sparkassen gehörenden Deka, einem der größeren Investoren der Bank. "Was die Kosten angeht, scheint die Deutsche Bank gut unterwegs zu sein. Die große Frage ist, ob sie die Erträge wie geplant steigern kann."

Enormer Wettbewerb

James von Moltke, CFO Deutsche Bank

James von Moltke. | Bildquelle: Unternehmen

Das Vertrauen der Investoren verspielte die Bank schon wenige Wochen nach der Verkündung des neuerlichen Umbaus im Sommer - denn Finanzchef James von Moltke musste kurz darauf auch die neuen Prognosen schon wieder eindampfen. Bis 2022 erwartet er nun Erträge von 24 bis 25 Milliarden Euro, zunächst war er von "rund" 25 Milliarden Euro ausgegangen.

Für den seit April 2018 amtierenden Sewing und seine Mannschaft ist der Konzernumbau, dem weltweit 18.000 Jobs zum Opfer fallen, eine Herkulesaufgabe - und nach Meinung von vielen Experten "der letzte Schuss". Weil der Leitzins in der Eurozone noch auf Jahre niedrig bleibt, kann das Institut wie viele Rivalen kaum noch Geld im angestammten Spar- und Kreditgeschäft verdienen. Der Wettbewerb um Privat- und Firmenkunden - dem Kerngeschäft der Deutschen Bank - ist enorm und die Risikovorsorge für faule Kredite steigt wegen der schlechteren Konjunkturaussichten. Wegen des Umbaus, der 7,4 Milliarden Euro verschlingen wird, werden dieses Jahr Verluste in Milliardenhöhe erwartet.

lg