Roche-Schriftzug an der Unternehmenszentrale in Basel

Neue Gentherapie-Plattform Warum Roche eine US-Biotechfirma kauft

Stand: 25.02.2019, 13:27 Uhr

Der Baseler Pharmariese Roche sichert sich ein vielversprechendes Medikament gegen die so genannte Bluterkrankheit - und zahlt dafür 4,3 Milliarden Dollar. Warum nur?

Die Investition bedeutet zunächst die Übernahme des US-Unternehmens Spark Therapeutics, eine 2013 entstandene Ausgründung eines Kinderkrankenhauses in Philadelphia. Die Firma beschäftigt derzeit zwar nur 350 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von 65 Millionen Dollar, doch das Start-up verfügt über eine nachgewiesene Kompetenz gegen die Bluterkrankheit, Augen- und neurodegenerative Erkrankungen.

Mehr noch: Spark Therapeutics hat ein profundes Know-How in der gesamten Gentherapie-Wertschöpfungskette. Das eröffne Roche wichtige neue Möglichkeiten für die Behandlung von schweren Krankheiten, erklärte Roche-Chef Severin Schwan.

Große Zukunftshoffnung

Die Gen- und Zelltherapie gilt als große Zukunftshoffnung zum Kampf gegen verschiedene Krankheiten. Pharmariesen wie Novartis oder Pfizer investieren Milliardenbeträge in den Ansatz, bei dem menschliche Zellen gezielt verändert werden.

Roche ist vor einigen Jahren erst spät in die damals ebenfalls neue Immunkrebstherapie eingestiegen, in der inzwischen der US-Rivale Merck mit seinem Medikament Keytruda die Nase vorne hat. Spark hat bereits eine Gentherapie zur Behandlung einer seltenen Erbkrankheit, die zur Erblindung führt, auf dem Markt.

850.000 Dollar pro Patient

Die Behandlung mit Luxturna schlägt mit 850.000 Dollar pro Patient zu Buche. In den USA wird sie von Spark vertrieben, in anderen Teilen der Welt von Novartis. Roche interessiert sich vor allem für die in der Entwicklung steckenden Spark-Medikamente zur Behandlung der Bluterkrankheit.

Der Baseler Konzern vertreibt bereits das Mittel Hemlibra gegen Hämophilie.Mit der in Philadelphia ansässigen Firma erwerben die Schweizer auch eine marktreife Gentherapie-Plattform.

Spark-Aktie steigt um 121 Prozent

Läuft alles nach Plan, soll der Deal noch im zweiten Quartal über die Bühne gehen. Roche bezahlt 114,50 Dollar je Spark-Aktie in bar - mehr als doppelt so viel, wie die Titel am Freitag an der Börse kosteten.

Allerdings hatte Spark jüngst an Wert verloren, nachdem das Unternehmen einen Rückschlag bei der Entwicklung der Gentherapie hinnehmen musste. Roche-Rivale Novartis hatte vergangenes Jahr für die Gentherapie-Firma AveXis 8,7 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt.

Im vorbörslichen Handel schnellt die Spark-Aktie um 121 Prozent nach oben. Die Roche-Aktie dagegen notiert rund ein halbes Prozent schwächer.

lg/rtr