Paul Singer

Offener Brief des Investors Warum Paul Singer den Verkauf von AutoScout24 fordert

Stand: 05.08.2019, 10:52 Uhr

Der aggressive US-Investor Elliott Advisors fordert gravierende Veränderungen beim Internetportalbetreiber Scout24. Das klare Ziel: Kursgewinne der Aktie. Die Anleger scheinen von den Plänen allerdings zunächst nicht besonders beeindruckt.

Der Hedgefonds um den aktivistischen Investor Paul Singer verlangt in einem am Montag veröffentlichten Brief an Vorstandschef Tobias Hartmann unter anderem die Aufspaltung des deutschen Kleinanzeigen-Portals - mit einem Verkauf der Plattform AutoScout24.

AutoScout24 ist die Gebrauchtwagenbörse des Münchner Unternehmens und sieht sich als Nummer eins in Europa. In Deutschland scheint aber mobile.de die Nase vorn zu haben. Zuletzt handelte sich AutoScout24 auch noch Ärger vom Branchenverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) ein, der die deutlichen Preiserhöhungen auf der Plattform kritisiert.

Das Autoportal, mit dem Scout24 gut ein Drittel des Umsatzes erwirtschaftet, komme im Gegensatz zu Deutschlands größter Haus- und Wohnungsanzeigenplattform Immobilienscout24 zu kurz, schreibt Elliott. Deshalb solle das Unternehmen verkauft werden, um sein "volles Potenzial auszuschöpfen". Axel Springer, der Gebrauchtwagenhändler Auto1 sowie Investoren hätten bereits Interesse gezeigt. Laut Finanzkreisen hält Elliott einen Verkaufspreis für AutoScout24 von bis zu 2,5 Milliarden Euro für realistisch.

Elliott kritisiert fehlenden Ehrgeiz

Um den Wert des Unternehmens zu steigern, solle Scout24 außerdem sein geplantes Aktienrückkaufprogramm nach oben fahren, erklärt Elliott. Dem Scout24-Vorstand wirft der Investor fehlenden Ehrgeiz vor. "Dieser Mangel an Ambition ist gerade für ein börsennotiertes Unternehmen mit der Qualität und den Perspektiven von Scout24 höchst besorgniserregend."

Vertreter von Elliott hatten sich nach eigenen Angaben mehrfach mit dem Vorstand getroffen und ihre Forderungen vorgebracht. Kurz nach dem bisher letzten Treffen verkündete Scout24 ein 300 Millionen Euro schweres, schuldenfinanziertes Aktienrückkaufprogramm. Doch das reicht Elliott nicht aus.

Bei einer Übernahme durch die Finanzinvestoren Blackstone und Hellman & Friedman hätte Scout24 eine weit höhere Verschuldung hingenommen, argumentiert der Großaktionär. Scout24 könne daher auch einen Aktienrückkauf im Milliardenvolumen verkraften. Der geplante Kauf war Mitte Mai gescheitert. Es wäre die größte Übernahme einer börsennotierten Gesellschaft durch Finanzinvestoren in Deutschland gewesen.

"Signifikantes Wertsteigerungspotenzial"

Scout24 habe laut Elliott noch "signifikantes Wertsteigerungspotenzial". Mit den geforderten Schritten sei es möglich, den Kurs des Scout24-Papiers rasant zu steigern. "Wenn Sie die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Hindernisse für die Entfaltung von Scout24 zu beseitigen, gehen wir davon aus, dass der Aktienkurs auf mehr als 65 Euro je Aktie steigen könnte", so Elliott. Am Freitag schloss das Papier bei gut 50 Euro.

Die Anleger lässt der offene Brief des Hedgefonds zunächst kalt. Am Vormittag gewinnt die Aktie nur leicht an Wert.

Der Hedgefonds von Paul Singer hält ein Aktienpaket im Wert von mehr als 400 Millionen Euro an Scout24. Anfang Juni hatte der aktivistische Investor seine Anteile an dem Konzern auf knapp 7,5 Prozent erhöht - und ist damit einer der größten Anteilseigner. Singer ist unter anderem auch bei Bayer und Uniper investiert und sorgt dort für Unruhe.

tb