Leuchtender Facebook-Daumen

Fake News, Russenhilfe und Hasskommentare Warum Facebook trotzdem so erfolgreich ist

Stand: 01.11.2017, 15:01 Uhr

Den ganzen Sommer über hat sich die Facebook-Aktie nicht bewegt. Auch taucht der Konzern zuletzt immer wieder in den Negativschlagzeilen auf, etwa bei der Einflussnahme Russlands auf die US-Präsidentschaftswahlen. Dennoch bleiben Anleger und Analysten optimistisch.

Tatsächlich dürften die überwiegend negativen Meldungen der letzten Wochen das Wachstum von Facebook kaum beeinträchtigt haben. Facebook dient inzwischen über zwei Milliarden Menschen als nicht mehr weg zu denkendes Kommunikationsmittel und Familienalbum - aller Kritik über Fake News und Russenwerbung zum Trotz. Deshalb haben die Anleger bisher auch nicht auf die Negativmeldungen reagiert. Im Gegenteil erwarten Analysten und Investoren erneut brillante Wachstumszahlen für das dritte Quartal.

Danach sollten die Einnahmen zwischen Juli und September um mehr als 40 Prozent auf knapp 10 Milliarden Dollar gestiegen sein. Für das Gesamtjahr erwarten die Experten sogar einen Anstieg des Umsatzes auf 39 Milliarden Dollar - und das für ein Unternehmen, das erst vor 13 Jahren gegründet wurde.

Aktie auf Allzeithoch

Entsprechend rasant dürfte sich auch das Ergebnis entwickelt haben. In Erwartung dieser Bilanz, und angefeuert von den guten Zahlen von Amazon und Google, ist die Facebook-Aktie am Dienstag auf ein neues Jahreshoch von 180 Dollar gestiegen, mehr als 50 Prozent höher als zu Jahresbeginn.

Eigentlich hat das Unternehmen damit Dimensionen erreicht, ab denen sich Wachstumsraten von 40 Prozent kaum mehr erreichen lassen. Doch Facebook ist es bisher immer gelungen, die Erwartungen der Experten zu übertreffen - und die Anleger mit neuen Produktangeboten und einer konsequent auf mobile Nutzer angelegten Strategie zu überraschen.

Zwei Milliarden Nutzer

Mit seinen zwei Milliarden Nutzern, eine Milliarde mehr als noch vor fünf Jahren, hat Facebook unter den sozialen Netzwerken eine derart dominante Stellung erreicht, dass es sich den Luxus erlauben kann, Innovationen nicht mehr selbst zu entwickeln, sondern von anderen zu übernehmen.

So wird der Tochter Instagram nachgesagt, nur noch die neuesten Features von Snapchat & Co. zu kopieren - und damit auch noch die Konkurrenz zu überholen. So ist Instagram nicht einmal ein Jahr nach dem überraschenden Start des "Stories-Features" Snapchat, dem eigentlichen Erfinder des Formats, komplett enteilt.

Instagram lässt Snap hinter sich

Binnen nur zweier Monate konnte die Facebook-Tochter enorme 50 Millionen neue Nutzer für ihr Story-Feature hinzugewinnen und bringt es damit inzwischen auf 250 Millionen Nutzer, während Snapchat per Ende März lediglich 166 Millionen Mitglieder vermeldete. Diese Wachstumsdynamik unterstreicht den anhaltenden Siegeszug eines schier übermächtigen Rivalen.

Doch auch Facebook selbst weitet sein Produktangebot immer weiter aus und erhofft sich besonders vom derzeit populären Video-Streaming neue Nutzer und zusätzliche Einnahmequellen. So können Nutzer seit dem Sommer Live-Streams ohne Zeitlimit ausstrahlen.

Neue Angebote

Mit dieser Möglichkeit will Facebook vor allem Video-Macher ansprechen, die anspruchsvolle Live-Streams ins Netz stellen. So ist es durch die neue Funktion beispielsweise möglich, Natur-Videos wie die Vogelnest-Kameras von Explore.org ohne Zeiteinschränkungen auf Facebook zu verfolgen. Natürlich lässt sich aber auch das Leben eines Video-Bloggers – also die gesamten 24 Stunden eines Tages – ins Netz stellen. Die bisherige Zeitbegrenzung von 90 Minuten ist weggefallen.

Hinzu kommt, dass Facebook noch immer von seinem erst 33 Jahre alten Gründer geleitet wird. Mark Zuckerberg hat den unbedingten Willen, das Unternehmen in die Zukunft zu führen. Er denkt dabei in Jahrzehnten und nicht bis zum Ende seines laufenden Mandats wie ein angestellter Manager.

Traumduo Zuckerberg-Sandberg

Sheryl Sandberg

Sheryl Sandberg. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Eines seiner Lieblingsprojekte ist die künstliche Intelligenz. Zuckerberg ermuntert dazu, sich lieber auf die Chancen dieser neuen Technologie zu konzentrieren als auf deren Risiken - und die besten menschlichen Köpfe daran arbeiten zu lassen. Schon jetzt rette sie Leben, etwa durch automatisierte Diagnosen. Und: "Selbstfahrende Autos werden viel sicherer sein als solche mit menschlichen Fahrern", so Zuckerberg.

Analysten sind überzeugt, dass Facebook mit dem Tandem Zuckerberg und Chief Operating Officer Sheryl Sandberg derzeit über eine der besten Führungsriegen der US-Wirtschaft verfügt.

lg