Zehnjähriger Vergleichs-Chart Porsche SE vs. Dax

Wie kann das sein? Underperformer Porsche SE

Stand: 11.06.2018, 14:04 Uhr

Es ist immer wieder erstaunlich. Zu den meist gesuchten Wertpapieren auf boerse.ARD.de gehört "Porsche". Dabei hätte sich ein Investment in die Porsche-Vorzugsaktien in den vergangenen zehn Jahren als ein gewaltiger Underperformer erwiesen.

Besonders deutlich macht das ein Vergleich mit dem Dax. Während der deutsche Leitindex seit 2008 um mehr als 90 Prozent zugelegt hat, verlor die Aktie der Porsche Automobil Holding SE (kurz Porsche SE) fast 40 Prozent.

Das Stuttgarter Unternehmen ist nicht mehr der Hersteller von weltweit erfolgreichen Modellen wie 911, Cayenne und Panamera. Vielmehr ist der mit Abstand werthaltigste Bereich die Beteiligung am Wolfsburger Volkswagen-Konzern, der wiederum 100-prozentiger Eigentümer des daher auch nicht börsennotierten Stuttgarter Automobilproduzenten Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG ist.

Neben der dominierenden Volkswagen-Beteiligung hält die Porsche SE knapp 100 Prozent an der PTV Planung Transport Verkehr AG, ein Anbieter von Software für Verkehrsplanung und Verkehrsmanagement sowie Transportlogistik. Zudem halten die Stuttgarter Minderheitsbeteiligungen an dem amerikanischen Technologieunternehmen Inrix und an den zwei 3D-Druck-Spezialisten Markforged und Seurat Technologies.

Porsche SE ist quasi Volkswagen

Die Porsche Automobil Holding SE hält 30,8 Prozent aller Volkswagen-Aktien und 52,2 Prozent der Stimmrechte. Bei einem Kurs von 160 Euro je VW-Stammaktie ist die Beteiligung an den Wolfsburgern damit rund 24,6 Milliarden Euro wert.

Die Porsche SE hat wiederum 153,125 Millionen Stammaktien und ebenso viele Vorzugsaktien, also insgesamt rund 306 Millionen Aktien. Legt man für die nicht börsennotierten Stammaktien hypothetisch den gleichen Aktienkurs wie der Vorzugspapiere zu Grunde, liegt der Wert des Unternehmens bei einem Kurs von 62 Euro bei rund 19 Milliarden Euro. Das zeigt, dass die Porsche SE fast so hoch bewertet ist wie ihre Beteiligung an der Volkswagen AG.

Früher war alles besser?

Doch vor zehn Jahren gehorchte die Bewertung der Porsche-Aktie noch anderen Gesetzen. Die Porsche SE war gerade erst durch eine Umwandlung der Rechtsform aus der "alten" Porsche AG entstanden. Zu diesem Zeitpunkt war sie noch Eigentümer des Porsche-Automobilgeschäfts - mit entsprechend viel Glamour.

Möglicherweise hatten sich in der Zeit einfach viele Fans Porsche-Vorzugsaktien anstatt eines schwäbischen Sportwagens gekauft. Ein praktischer Nebeneffekt: Eine Porsche-Aktie dürfte deutlich günstiger gewesen sein als auch der heruntergerittenste gebrauchte Porsche.

So viele Fans bescherten der Porsche-Aktie damals eine im Branchenvergleich sehr sportliche Bewertung. Zeitweise lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei über 20. Üblich waren damals wie heute einstellige Werte.

In dieser Liga spielt derzeit auch der Massenhersteller Volkswagen. Auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzungen der Analysten liegt das KGV für dieses und nächstes Jahr nur bei rund sechs.

Die Underperformance der Aktie der Porsche SE lässt sich also so erklären: Die viel niedrigere Bewertung, die der Markt den Volkswagen-Aktien zugesteht, hat den Porsche-Aktionären die Wertentwicklung gehörig verdorben. Ein Porsche 911 ist eben viel schicker und schneller als ein Polo - aber leider auch viel, viel teurer.

Es zeigt sich immer wieder: Liebe macht blind - auch an der Börse.

ME