Blick über den Main auf die Frankfurter Skyline
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Geringere Verluste als an der Wall Street Warum die Panik in Frankfurt ausfällt

Stand: 06.02.2018, 11:49 Uhr

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich von der Panik an der Wall Street nicht anstecken lassen. Der Dax kann seine anfänglichen Verluste sogar eindämmen. Warum ist das so?

Dass die Anleger in Europa vorerst besonnener reagieren als an der Wall Street, erklären Marktexperten zunächst mit der unterschiedlichen Entwicklung der Märkte in den vergangenen Monaten. So hat der Dow-Jones-Index allein in den ersten drei Januar-Wochen um 7,2 Prozent zugelegt, während der Dax in dieser Zeit "nur" gut fünf Prozent schaffte. Noch extremer ist der Unterschied beim Blick auf die Jahresperformance: Der Dow schaffte im vergangenen Jahr ein Plus von 25 Prozent, doppelt soviel wie der Dax, der um 12,5 Prozent zulegte - obwohl in den Dax als Performance-Index auch noch die Dividendenzahlungen eingeflossen sind. Im Klartext heißt das: Die Kurse im Dow waren zu heiß gelaufen. Deshalb fällt die Korrektur nun umso stärker aus.

Aus fundamentaler Sicht lässt sich die unterschiedliche Reaktion der Anleger diesseits und jensseits des Atlantiks vor allem mit der völlig anderen Geldpolitik erklären. In den Vereinigten Staaten herrscht eine zunehmende Inflationsangst, weil die Löhne zuletzt stärker gestiegen sind als erwartet. Auch ist die Inflationsrate zuletzt auf 2,1 Prozent geklettert - Tendenz steigend. Deshalb gehen die meisten Experten inzwischen davon aus, dass die Notenbank Fed in diesem Jahr viermal den Leitzins anheben dürfte - jeweils um 0,25 Prozent - um die Preisspirale zu stoppen. Dabei wird der erste Schritt bereits im März erwartet.

Keine Anzeichen für höhere Leitzinsen in der Eurozone

Ganz anders in Europa. Hier gibt es keine Anzeichen für eine bevorstehende Leitzinserhöhung. Die meisten Fachleute rechnen frühestens Mitte oder Ende des kommenden Jahres mit einer Straffung der Zinsen. Der Grund: im Gegensatz zu den USA verharrt die offizielle Inflationsrate in der Eurozone deutlich unter der von der Europäischen Zentralbank angepeilten Marke von 2,0 Prozent. Im Januar betrug die Teuerungsrate lediglich 1,3 Prozent.

Auch hat die amerikanische Notenbank ihre monatlichen Anleihekäufe längst eingestellt, während die EZB in der Eurozone noch 30 Milliarden Euro pro Monat für den Kauf von Anleihen ausgibt. Und ob die Ankäufe wie erwartet im September auslaufen, steht noch nicht fest. Damit bleiben die Geldschleusen in der Eurozone weit geöffnet.

Markterwartungen zu den Leitzinsen

Markterwartungen zu den Leitzinsen. | Bildquelle: Bloomberg, J.P. Morgan Asset Management, Grafik: boerse.ARD.de

Unterschiedliche Anleiherenditen

Und noch etwas unterscheidet die Lage in den USA von der in Europa: Wegen der Inflationsängste sind in den USA auch die Renditen für Staatsanleihen gestiegen, auf zuletzt 2,77 Prozent. Damit gewinnt diese Form der Anlage im Vergleich zum Aktienmarkt zunehmend an Attraktivät.

Davon kann in Deutschland und Europa nicht die Rede sein. Zehnjährige Bundesanleihen gelten zwar als besonders sicher, weil Deutschland zu den Top-Schuldnern in der Welt zählt. Doch Anleger müssen sich mit einer mageren Rendite von 0,76 Prozent zufrieden geben - keine wirkliche Alternative zum Aktienmarkt, wo sich zuletzt zweistellige Renditen erwirtschaften ließen.

Einige Händler sind der Meinung, dass es mehr Gründe für die Fortsetzung der Rally als für den Beginn einer Korrektur gibt. "Die laufende Berichtssaison konnte bisher insgesamt überzeugen und die US-Konjunktur sowie die Wirtschaft in der Euro-Zone zeigen bisher keine Zeichen der Schwäche", meint Milan Cutkovic vom Handelshaus AxiTrader.

lg