Saudi Aramco

Börsengang von Saudi Aramco Warum die Deutsche Bank leer ausgehen dürfte

Stand: 21.08.2019, 08:42 Uhr

Saudi-Arabien will spätestens 2021 einen neuen Anlauf für einen Börsengang seines Erdöl-Riesen Aramco nehmen. Es soll die weltgrößte Neuemission werden. Doch die Deutsche Bank dürfte wohl nicht dabei sein.

Wie die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters berichten, hat Aramco Banken um Bewerbungen für eine Mitarbeit bei einem Börsengang gebeten. Der Schritt sei vor einigen Tagen erfolgt, hieß es. Der Konzern lehnte eine Stellungnahme ab.

Der IPO von Aramco könnte mit 100 Milliarden Dollar der größte der Geschichte werden. Er ist das Herzstück der Pläne des Königreichs, ausländische Investoren anzulocken und die Wirtschaft breiter aufzustellen. Wann die Aktien an den Börsen gehandelt werden, bleibt allerdings ungewiss.

"Zum IPO bereit"

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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"Der Konzern ist zum IPO bereit“, hatte Aramcos Finanzchef Khalid al-Dabbagh kürzlich bestätigt, nachdem der Ölgigant, der pro Tag etwa zehn Prozent des weltweiten Ölverbrauchs fördert, erstmals seine Halbjahreszahlen veröffentlicht hatte. Gerechnet wird bisher mit dem ersten Quartal 2020 für den Mega-Börsengang, doch auch 2021 wird nicht ausgeschlossen.

Das Land hatte die seit Jahren geplante Emission 2018 auf Eis gelegt. Stattdessen kaufte Aramco erst einmal für 69 Milliarden Dollar 70 Prozent der Anteile des saudischen Petrochemieriesen Sabic. Damit solle sichergestellt werden, dass Aramco mit zwei Billionen Dollar Marktwert eingestuft werde.

Deutsche Bank und Katar

Beim Ringen der Banken um ein Beratermandat bei dem Börsengang hat die Deutsche Bank schlechte Karten. Denn die Frankfurter sind in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) nicht mehr gut gelitten, seitdem zwei Fonds aus Katar bei der Bank eingekauft haben und zu den größten Anteilseignern des Instituts aufgestiegen sind.

Bislang sind Mitglieder der katarischen Herrscherfamilie al Thani über zwei Holdings mit insgesamt 6,1 Prozent an der Großbank beteiligt. Dazu kommen Derivatepositionen, sodass der gesamte Anteil der al Thanis auf über neun Prozent geschätzt wird.

Von den Saudis boykottiert

Katar wird aber durch Saudi-Arabien, die VAE und einige andere arabische Staaten politisch und wirtschaftlich boykottiert. Dass eine Bank, deren größter Anteilseigner die Kataris sind, beim Börsengang eines saudischen Unternehmens mitwirken kann, gilt also als äußerst unwahrscheinlich.

Schon bei der mit zwölf Milliarden Dollar größten Emission einer Anleihe eines Emerging-Markets-Konzerns im April war die Deutsche Bank nicht zum Zuge gekommen.

lg