Airbus A220 Paris Air Show

Milliardengewinne mit der Beteiligung Warum Airbus für den Bund ein Glücksfall ist

von Notker Blechner

Stand: 13.02.2020, 06:45 Uhr

Vor gut sieben Jahren kaufte der Bund Daimler dessen restliche Airbus-Beteiligung ab. Für Berlin war es einer der erfolgreichsten Deals. Die Merkel-Regierung hat mit den Airbus-Aktien Milliarden verdient. Geht der Höhenflug weiter?

Von der Telekom bis zur Bahn - an gut 100 Unternehmen ist der Bund immer noch beteiligt. Besonders reich wurde er damit nicht, manche Beteiligungen erwiesen sich als Flop. Vor allem der Einstieg bei der Commerzbank brachte bislang herbe Verluste. Damit der Bund unbeschadet aus diesem Engagement herauskommt, müssten die Aktien der Bank auf 26 Euro steigen. Momentan notieren sie bei knapp sechs Euro.

Kurs hat sich auf Achtjahressicht verfünffacht

Ein glücklicheres Händchen bewies der Bund mit seiner Beteiligung an der damaligen EADS, die heute Airbus heißt. Seit dem Einstieg 2012 hat sich der Kurs des Luftfahrt-Konzerns gut verfünffacht - von 25 Euro auf inzwischen 136 Euro. Rund sieben Milliarden Gewinn dürfte die Regierung mit seinem Investment gemacht haben.

Airbus Chart Dezemebr 2012 bis Februar 2020

Airbus. | Bildquelle: boerse.ARD.de

In einer komplexen Transaktion übernahm Berlin damals die restlichen Anteile von Daimler an der EADS, nämlich 7,5 Prozent. Der Autobauer wollte seine Beteiligung loswerden und sich ganz aufs Kerngeschäft konzentrieren. Zunächst zierte sich die damalige Bundesregierung mit Kanzlerin Merkel und Wirtschaftsminister Philipp Rösler. Sie suchte nach einem privaten Investor und verhandelte gar mit dem Staatsfonds von Katar. Doch das war industriepolitisch schwer vermittelbar. Letztlich entschied sich das Kanzleramt für eine Kfw-Lösung. Die staatliche Förderbank übernahm die Daimler-Anteile – über die Gesellschaft zur Beteiligungsverwaltung GZBV.

Bund hält dauerhaft an Airbus fest

EADS- und Airbus-Logos

EADS- und Airbus-Logos. | Quelle: picture-alliance/dpa

Ein dauerhaftes Engagement sollte EADS (später Airbus) nicht werden. Es war geplant, die Anteile bei der nächstbesten Gelegenheit wieder abzugeben. Daraus wurde nichts - zum Glück. Jetzt will der Bund langfristig an Airbus festhalten. Die Beteiligung sei strategisch wichtig, heißt es. Das Interesse Berlins bestehe in der Wahrung der deutsch-französischen Balance beim Flugzeug- und Rüstungshersteller und dem Schutz des Unternehmens vor Übernahmeversuchen.

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der europäische Flugzeugbauer mit Hauptsitz im französischen Toulouse hat sich in den letzten Jahren zur Gewinnmaschine entwickelt. 2018 verdiente Airbus unterm Strich 3,05 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte auf 5,8 Milliarden Euro. 2019 fiel ein Fehlbetrag von knapp 1,4 Milliarden Euro an. Grund ist aber nicht ein Einbruch des Geschäfts, sondern eine Strafzahlung von 3,6 Milliarden Euro wegen Korruptionsvorwürfen. Hinzu kam eine Belastung im Zusammenhang mit dem Militärflugzeug A400M. Die Behörden untersuchten unter anderem Bestechungsvorwürfe im Zusammenhanghang mit Verträgen beim Verkauf von Zivilflugzeugen und Satelliten.

Profiteur der 737-Max-Probleme bei Boeing

Und dennoch: Mit 768 Bestellungen und 863 Auslieferungen hat Airbus 2019 Boeing als weltgrößten Flugzeughersteller entthront. Der US-Konzern lieferte nur 380 Jets aus und erhielt ganze 54 Bestellungen. Im Januar 2020 gab es sogar nicht eine einzige Order für Boeing. Dagegen startete Airbus mit einem kräftigen Auftragsschub ins neue Jahr. Im Januar kamen Orders für 274 neue Verkehrsjets herein.

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Der europäische Flugzeugbauer profitiert vom 737-Max-Desaster von Boeing. Seit Mitte März darf der Unglücksjet, der zwei Mal abgestürzt war, nicht mehr abheben. Das Flugverbot für Boeings 737-Max dürfte wohl noch bis mindestens Mitte 2020 andauern, womöglich sogar noch länger.

Verkaufsschlager A320

Besonders mit den Mittelstreckenjets verdient Airbus das große Geld. Die Kerosin sparende A320-neo-Reihe ist sehr begehrt. Seit Mitte 2019 montiert Airbus monatlich 60 A320-Jets. Dagegen erwies sich der A380 als Flop. Die Produktion des Riesenfliegers wird eingestellt.

Das einzige, was die Erfolgsstory von Airbus bremsen könnte, sind die Zölle, die die USA als Vergeltung für rechtswidrige EU-Subventionen für Airbus angekündigt haben. Um die Auswirkungen der geplanten Zölle zu begrenzen, baut Airbus Maschinen der A320.Reihe und bald auch das kleinere Modell A320 im US-Bundesstaat Alabama. Ob die Strafzölle letztlich kommen, entscheidet die WTO im Laufe dieses Jahres.

Klimaschutz als nächste Herausforderung

Mittelfristig könnten auch die verschärften Klimaschutz-Vorgaben zum Problem für Airbus & Co werden. In der Luftfahrt steigt jedes Jahr der CO2-Ausstoß um rund drei Prozent, weil trotz treibstoffärmerer Jets das Verkehrsaufkommen zunimmt. "Airbus glaubt wohl, in 30 Jahren noch Flugzeuge so bauen zu können wie heute: Man nehme eine Röhre, klebe zwei Flügel dran und hänge zwei Motoren drunter", moniert Philippe Petitcolin vom Zulieferer Safran gegenüber dem Handelsblatt. "So wird es künftig nicht mehr laufen." Die Unternehmensberatung Alix Partners prophezeit der Luftfahrt, auf ein ähnlich dramatisches Szenario wie die Autoindustrie zuzusteuern. Es brauche dringend völlig neue Konzepte in der Luftfahrt zur Senkung der Emissionen. Zwar tüftelt Airbus an Elektro-Flugzeugen, doch bis diese wirklich serienreif sind, dürfte es noch Jahre dauern.

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Wo der Staat überall mitmischt Beteiligungen des Bundes

KfW

KfW
An der Kreditanstalt für Wiederaufbau, heute nur noch KfW genannt, hält der Bund 80 Prozent der Anteile. Die restlichen 20 Prozent befinden sich im Besitz der Länder. Die KfW ist eine Förderbank. Ihre Aufgabe besteht in der Realisierung von öffentlichen Aufträgen wie der Förderung von Mittelstand und Existenzgründern. Im September 2008 geriet sie in Kritik, nachdem sie der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers einen Betrag von 320 Millionen Euro überwiesen hatte, obwohl diese einige Stunden vorher Insolvenz angemeldet hatte.