Anleger im Zwiespalt Warten auf das nächste Sommerhoch

Stand: 22.07.2018, 11:27 Uhr

Bisher war der "Börsensommer" durchwachsen und gewittrig. Daran dürfte sich wohl auch in der nächsten Woche nicht viel ändern. Der Handelsstreit bleibt ein zentraler Belastungsfaktor. Neuen Schub könnte die Berichtssaison bringen.

Dax

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Wann macht Mister Trump endlich Urlaub? Diese Frage dürfte sich so mancher Anleger momentan stellen. Denn wohl niemand bremst aktuell so die Börsen wie US-Präsident Donald Trump. Das zeigte sich erneut in der abgelaufenen Börsenwoche: Gerade war der Dax drauf und dran, seine Jahresverluste abzuschütteln, da beendete ein Rundumschlag von Trump die sommerliche Börsenerholung. Auf Wochensicht trat der Dax nahezu auf der Stelle.

Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Am Freitag bekräftigte der mächtigste Mann der Welt seine Entschlossenheit zu einer weiteren Eskalation im Handelsstreit mit China. Trump drohte Peking mit Strafzöllen auf sämtliche chinesische Importe im Wert von 500 Millionen Dollar. Zudem beschuldigte er China und die EU der Währungsmanipulation. Sie würden den Wert ihrer Währung künstlich niedrig halten, um sich Vorteile im internationalen Handel zu verschaffen. Damit schaffte es Trump, den Dollar und die Aktienmärkte auf Talfahrt zu schicken.

Verhängt Trump jetzt auch noch Autozölle?

Es ist gut möglich, dass Trump in den nächsten Tagen den Handelsstreit weiter anheizen wird. Martin Lück, Kapitalmarktstratege von Blackrock, kann sich "gut vorstellen, dass Trump noch Zölle auf Europas Autos einführen wird". So könnte er vor den Kongresswahlen im November "noch einmal richtig auf die Pauke hauen" und seine Wähler zufrieden stellen. Am Ende werde es aber eine gütliche Einigung geben - mit insgesamt weniger Zöllen, prophezeit Lück.

Mitte der nächsten Woche kommt es zum Showdown zwischen Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Am Mittwoch reist der zuletzt gesundheitlich etwas angeschlagene Luxemburger nach Washington, um Trump von seinen erwogenen Auto-Strafzöllen abzubringen. Ob ihm das gelingt, bezweifeln Analysten und Volkswirte. Helaba-Experte Christian Apelt ist skeptisch. "Womöglich wird sich der Hauch von Entspannung an den Finanzmärkten wieder ins Gegenteil verkehren", prophezeit er im aktuellen Wochenausblick.

Berichtssaison nimmt Fahrt auf

Der Wochenausblick mit Dr. Detlev Landmesser
Video

Was nächste Woche wichtig wird... [20.7.18]

Große Hoffnungen setzen die Anleger auf die Berichtssaison, die in den USA auf Hochtouren läuft und nun auch in Europa und in Deutschland an Fahrt aufnimmt. "Die ersten Ergebnisse konnten uns noch nicht komplett überzeugen, allerdings gehen wir davon aus, dass im Laufe der Berichtssaison die positiven Ergebnisse überwiegen", sagt Analyst Alexander Lokat von der Weberbank.

Allein aus der ersten deutschen Börsenliga legt in der neuen Woche ein knappes halbes Dutzend Firmen Zwischenbilanzen vor. Den Anfang machen Linde, die Deutsche Bank und die Deutsche Börse am Mittwoch, danach folgen Covestro und Daimler am Donnerstag, bevor BASF am Freitag den Zahlenreigen abrundet. Daimler hatte im Juni als erster Dax-Konzern wegen des Handelsstreits seine Gewinnziele revidiert.

Im Ausland präsentieren in der neuen Woche die Google-Mutter Alphabet (Montagabend), der Brausekonzern Coca-Cola , der Flugzeugbauer Boeing, das soziale Netzwerk Facebook (Mittwoch), die Fastfood-Kette McDonald's (Donnerstag) sowie die Ölkonzerne Chevron und ExxonMobil (Freitag) ihre Zahlen. Aus Europa geben der französische Luxusgüterkonzern LVMH, die Schweizer Großbank UBS und der Nahrungsmittel-Riese Nestlé Einblick in ihre Bücher.

US-Aufschwung dürfte anhalten

Konjunkturdaten stehen nur wenige auf dem Terminplan. Am Freitag wird das US-BIP zum zweiten Quartal veröffentlicht. Schätzungen zufolge dürfte sich das Wirtschaftswachstum in Amerika auf das Gesamtjahr hochgerechnet auf vier Prozent verdoppelt haben. Ein Teil davon gehe aber auf das Konto vorgezogener Geschäfte vor der Einführung von Strafzöllen, betonten Volkswirte. Daher werde sich der Aufschwung in den kommenden Quartalen wieder abschwächen.

In Deutschland stehen zwei wichtige Konjunkturindikatoren auf der Agenda: Am Dienstag kommt der Ifo-Index, der die Gemütslage in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt. Zwei Tage später gibt der GfK-Index Auskunft über die Kauflaune der deutschen Verbraucher.

EZB-Geldpolitik im Blick

Vor diesem Hintergrund warten Anleger gespannt auf das Ergebnis der geldpolitischen Beratungen der EZB am Donnerstag.  Ein formaler Beschluss zum Ende der Anleihekäufe werde wohl nicht gefasst, glaubt Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz. Auch zum Zeitpunkt einer möglichen Zinserhöhung wird sich EZB-Chef Mario Draghi bedeckt halten. "Denn die Notenbank will sich weiterhin alle Türen offenhalten." Bislang betont die EZB, die Zinsen "über den Sommer 2019 und in jedem Fall so lange wie erforderlich auf ihrem aktuellen Niveau" zu halten. Die Postbank-Experten sehen daher die EZB-Sitzung als "Non-Event".

nb