Warren Buffett

Warren Buffett - erst kein Glück, dann auch noch Pech

von Mark Ehren

Stand: 03.07.2020, 14:08 Uhr

Warren Buffett hat seit der Corona-Krise kein Händchen mehr für den Aktienmarkt, unken Kritiker. Doch vielleicht wird der legendäre Investor doch noch Recht behalten.

Die Corona-Krise hat Berkshire Hathaway, die Beteiligungsgesellschaft von Warren Buffett, voll erwischt. Insbesondere mit Fluggesellschaften verbuchte der Investor große Kursverluste. Quasi auf dem Höhepunkt der Krise stieg Buffett komplett aus dem Sektor aus.

Damit lernten seinen Aktionäre eine völlig ungewohnte Seite von Buffett kennen. Denn eigentlich hatte er bisher immer nach dem Motto gehandelt: "Sei gierig, wenn andere ängstlich sind", Doch dieses Mal war er es, der ängstlich war, die Käufer seiner Airline-Aktien waren "gierig".

In der Finanz- und Wirtschaftskrise der Nuller Jahre hatte er sich noch ganz anders verhalten. Damals kaufte er extrem mutig große Aktienpakete von Banken - so etwa für fünf Milliarden Dollar eine Beteiligung an Goldman Sachs. Die Berkshire-Aktionäre werden sich mit Freude daran zurückerinnern.

Kenneth Fisher

Kenneth Fisher. | Bildquelle: Fisher Investments

Wie schnell der Stern an der Börse sinken kann, zeigte beispielsweise der 68-jährige Investmentanalyst und Milliardär Kenneth Fisher, der offen das fortgeschrittene Alter des bald 90-jährigen Buffett thematisierte. Buffetts Kompagnon Charlie Munger ist sogar bereits 96.

Ganz viel Cash, aber keine Ideen

Nach den Verkäufen sitzt Berkshire Hathaway nun auf einem gewaltigen Berg an Barmitteln. Ende März lag der Cashbestand bei 137 Milliarden Dollar. Für die Berkshire-Aktionäre ist das ein zweischneidiges Schwert. Zwar ist es sicherlich beruhigend, finanziell unabhängig zu sein. Doch eine Weisheit von Buffett lautet eben auch: "Cash never makes happy".

Der vielfache Milliardär verfolgt seit Jahrzehnten die so genannte Value-Strategie, die ursprünglich mal von Benjamin Graham entwickelt worden war. Dabei geht es darum möglichst Aktien zu kaufen, die unter ihrem wahren Wert notieren. Dabei stützte er sich auf Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), die Dividendenrendite, die Höhe der Schulden und das Gewinnwachstum.

Doch in den vergangenen Jahre wurde ein Großteil der positiven Wertentwicklung an den internationalen Börsen eben nicht durch Value-Aktien, sondern durch Technologiewerte erzielt.

Aktien wie von der Google-Mutter Alphabet, Amazon, Apple, Facebook, Microsoft und Netflix waren nach den klassischen Value-Gesichtspunkten eigentlich nie günstig, sondern teuer. Dennoch hielt das die Papiere nicht ab, überragend gut zu laufen. Durch ihre herausragenden Produkte und Geschäftsmodelle, von denen Kunden zuvor gar nicht wussten, dass sie sie brauchen könnten, machten sie sich quasi ihre eigene Sonderkonjunktur.

Ein gutes Beispiel ist die Amazon-Aktie. So wurde Konzernchef Jeff Bezos sicherlich fast zwei Jahrzehnte der Vorwurf gemacht, immer nur Verluste zu produzieren. Inzwischen ist die Phase überwunden, die Gewinne und insbesondere auch der Cashflow gehen seit einigen Jahren durch die Decke. Immerhin ist Berkshire seit einigen Jahren an dem weltweit führenden Online-Händler und auch an Apple beteiligt.

Buffett wartet auf die zweite Corona-Welle

Die Investments in Amazon und Apple zeigen, dass Buffett auch in vorgerücktem Alter noch lernfähig ist. Und vielleicht bekommt der Investor doch Recht. Speziell mit Blick auf den kommenden Herbst und Winter scheint eine großflächige zweite Pandemiewelle alles andere als ausgeschlossen zu sein. In diesem Fall wäre der laufende Aufschwung nur eine Bullenfalle gewesen.

Vielleicht wird sich also zeigen, dass Buffett doch noch über sein legendären Händchen am Aktienmarkt verfügt und der fast 50 Milliarden Dollar hohe Verlust im ersten Quartal nur ein Ausrutscher war.

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Delta Airlines

Besonders hart traf Buffett der Zusammenbruch der Fluggesellschaften. Der Investor scheint dabei völlig den Glauben an die Zukunft der Branche verloren zu haben. Denn er verkaufte bis zum 7. April seine Beteiligung an Delta-Airlines.