Elon Musk, skeptisch

Probleme für Musk häufen sich Brennende Solarmodule: Walmart verklagt Tesla

Stand: 21.08.2019, 11:25 Uhr

Klagen, Kritik, Abmahnungen - Tesla hat es aktuell nicht leicht. Nach Bränden bei etwa sieben Märkten hat nun auch der US-Einzelhändler Walmart geklagt. Die vom Elektroautopionier installierten Solaranlagen auf den Dächern hätten die Feuer ausgelöst, da Tesla sich nicht ausreichend gekümmert habe.

Tesla habe die Solaranlagen entworfen, installiert und versprochen, sie auf den Dächern Hunderter Walmart-Supermärkte sicher zu betreiben. Die Module hätten allerdings die Feuer in den sieben Geschäften in den USA verursacht, bei denen es zu größeren Schäden gekommen sei, hieß es in den am Dienstag veröffentlichten Gerichtsunterlagen. Es handle sich spätestens seit Mai 2018 um einen Vertragsbruch und sei eine Folge jahrelanger Vernachlässigung. Den amerikanischen Einzelhändler sollen die Reparaturen Millionen gekostet haben.

"Die offensichtlichen, ordnungsgemäß entworfenen, installierten, inspizierten und gewarteten Solarsysteme entzünden sich nicht spontan", hieß es in der Beschwerde. Das Auftreten mehrerer Brände sei ein eindeutiges Zeichen der Fahrlässigkeit von Tesla. Die Forderung der Anwälte: Abbau der über zweihundert Systeme und eine Zahlung von 8,2 Millionen Dollar. Tesla nahm zunächst keine Stellung.

Installierte Anlagen abgeschaltet

Walmart hat etwa 240 seiner Supermärkte mit Solaranlagen von SolarCity ausgestattet, um die Energiekosten zu senken. Die Module gehören weiterhin dem Hersteller, der laut den Unterlagen die Wartung übernehmen muss.

Seit Frühjahr 2018 sind sämtliche von Tesla installierten Anlagen bei Walmart abgeschaltet. Der Anbieter konnte für deren Sicherheit nicht mehr garantieren. Dennoch soll im November eine abgeschaltete Anlage auf dem Dach eines Marktes in Nordkalifornien gebrannt haben.

2016 kaufte Tesla SolarCity für 2,6 Milliarden Dollar. Die Idee klang vielversprechend: Eine stimmige Mischung aus Stromerzeugung und Energiespeicher durch SolarCity und dem umweltschonenden Transport durch Tesla schaffe den einzigen vollintegrierten Energiekonzern der Welt, sagte Musk einst bei der Übernahme. Gemeinsam mit Panasonic wollte er in der Gigafactory 2 Komponenten für innovative Solardächer produzieren.

Probleme über Probleme

Modellhaus SolarCity

SolarCity. | Bildquelle: SolarCity

SolarCity verbrennt allerdings immer noch eine Menge Geld und hinkt Konkurrenten wie Sunrun und Vivint deutlich hinterher. Im zweiten Quartal konnte das Unternehmen gerade mal Systeme für 29 Megawatt installieren - zu Rekordzeiten waren es noch 200 Megawatt. Medienberichten zufolge werden Mitarbeiter aus Kostengründen entlassen und Serviceleistungen eingedampft. Dennoch scheint Elon Musk weiterhin an das Unternehmen zu glauben. Jüngst kündigte er auf Twitter ein neues Mietprogramm für seine Solaranlagen an.

Die Walmart-Klage reiht sich ein in eine Liste voller Kritik, Klagen und Abmahnungen. Zuletzt hatte Tesla einen Millionenauftrag aus Deutschland verloren. Der Elektroauto-Vermieter Nextmove aus Leipzig hatte Ende des vergangenen Jahres 100 Model 3 bestellt, geriet aber nach der Lieferung der ersten 15 Autos im Frühjahr wegen "schwerer Qualitäts- und Sicherheitsmängel" mit dem Hersteller in Streit und stoppte die Lieferung.

Auch ein Besitzer eines der Elektrofahrzeuge hat Klage gegen den US-Konzern wegen Manipulation der Akkumulatoren bestimmter Modelle eingereicht. Der Kläger wirft Tesla vor, bei Software-Updates die Reichweite älterer Fahrzeuge des Typs Model S und Model X zu verringern. Damit will der Konzern aus Sicht des Klägers kostspielige Rückrufe wegen defekter Akkus vermeiden.

Weiter tief in den roten Zahlen

Außerdem hat der Elektroautopionier immer wieder Schwierigkeiten mit den US-Behörden. Vor wenigen Wochen hatte die Verkehrsbehörde National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) Tesla für angeblich irreführende Werbeaussagen zur Fahrzeugsicherheit abgemahnt. Tesla hatte im vergangenen Jahr erklärt, das Modell 3 weise in amtlichen Tests von allen Fahrzeugen das geringste Verletzungsrisiko für Insassen auf. Die NHTSA widersprach, diese Aussage sei durch die Prüfergebnisse nicht gedeckt.

Im vergangenen Quartal hat Tesla so viele Autos ausgeliefert wie noch nie. Doch der Preis dafür ist hoch: Die enormen Kosten für die Produktion drückten Tesla tief in die Verlustzone. Seit Dezember hat die Aktie an der Nasdaq um 40 Prozent an Wert verloren, obwohl es zuletzt eine Weile wieder ziemlich steil bergauf gegangen war.

Für das laufende Quartal und das Gesamtjahr peilt der Konzern die Rückkehr in die schwarzen Zahlen an. Um noch in diesem Jahr den Turnaround zu erreichen, hat Tesla Mitarbeiter entlassen und Niederlassungen geschlossen. Das soll die Kosten senken. Auch die Autopreise wurden angepasst und in den vergangenen Monaten einige Modellvarianten aufgegeben.

tb