Donald Trump

Handelskrieg mit China Walmart & Co. appellieren an Trumps Vernunft

Stand: 14.06.2019, 10:45 Uhr

Hunderte amerikanische Firmen haben Donald Trump einen Anstoß gegeben, endlich den Handelsstreit mit China zu beenden. Dazu legten sie dem US-Präsidenten am Donnerstag einen Brief vor - mit eindringlichen Warnungen. Auch deutsche Ökonomen sehen den Welthandel ernsthaft bedroht.

Insgesamt haben mehr als 500 Unternehmen und 140 Vereinigungen den Brief verfasst. Sie fordern ein Ende der Spirale von immer neuen Zöllen sowie die Rückkehr an den Verhandlungstisch mit China. "Wir wissen aus erster Hand, dass zusätzliche Zölle signifikante negative und langfristige Folgen für die Unternehmen, Landwirtschaft, Familien sowie die gesamte US-Wirtschaft haben", hieß es in dem Brief mit dem Titel "Tariffs Hurt the Heartland".

Unter dem Begriff "Heartland" sind in den USA alle Bundesstaaten gemeint, die nicht an der Küste liegen. Damit bekommt Trump ausgerechnet aus der Mitte des Landes Druck - die Region, in der er 2016 die Wahl gewonnen hatte.

"Beide Seiten würden verlieren"

Unter den Verfassern befinden sich etwa der weltgrößte Einzelhändler Walmart und sein Konkurrent Target. Die Konzerne schrieben in dem Brief, zusätzliche Zölle würden amerikanischen Firmen und Verbrauchern schaden. So würden die Preise für die Verbraucher in den USA steigen, für eine vierköpfige Familie etwa um rund 2.000 Dollar pro Jahr.

Zusätzliche Zölle im Volumen von 25 Prozent auf Importe im Volumen von 300 Milliarden Dollar würden bis zu zwei Millionen US-Arbeitsplätze ausradieren, hieß es unter Berufung auf eine Studie der Beraterfirma Trade Partnership. "Ein eskalierender Handelskrieg ist nicht im besten Interesse des Landes, beide Seiten würden verlieren."

Vor knapp einem Jahr, am 15. Juni 2018, verhängte die US-Regierung erste Strafzölle auf Waren aus China. Es war der Auftakt zu einem eskalierenden Handelsstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. China reagierte mit Gegenmaßnahmen.

Deutsche Ökonomen warnen

Neben der amerikanischen Wirtschaft ist auch der Welthandel durch den USA-China-Konflikt bedroht. Das sagen zumindest Ökonomen in Deutschland. Nach Einschätzung von Volkswirten könnte der Handelsstreit die internationalen Wirtschaftsbeziehungen dauerhaft beschädigen.

"Die goldenen Jahre der Globalisierung sind vorbei", kommentiert etwa Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Finden die USA und China keinen Modus Vivendi, droht die Weltwirtschaft über die Jahre in eine westliche und östliche Sphäre zu zerfallen. All diese Risiken haben sich wie Mehltau auf die Weltwirtschaft gelegt."

Gabriel Felbermayr

Gabriel Felbermayr. | Bildquelle: picture alliance/Carsten Rehder/dpa

"Das Hauptproblem ist die Unsicherheit, die Trump schafft. Man weiß nicht, welches Land demnächst in sein Visier gerät", sagte Ökonom Gabriel Felbermayr der Deutschen Presse-Agentur. "Verunsicherte Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück, Verbraucher verschieben möglicherweise Anschaffungen."

Dieser Schaden sei "wahrscheinlich deutlich größer als der, der tatsächlich durch Zölle verursacht wird", so der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW/Kiel). Den Schaden für den Welthandel durch Zölle schätzt er langfristig auf circa 90 Milliarden Euro jährlich - sollten die Abgaben zwischen China und USA dauerhaft auf dem aktuellen Niveau bleiben. Angesichts eines Welthandelsvolumens von 15 Billionen Euro sei das vergleichsweise wenig.

Größte Verlierer die Verbraucher

Der Präsident des Deutsches Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW/Berlin), Marcel Fratzscher, nennt den Handelskonflikt eine "massive globale Wachstumsbremse". Die wirtschaftlichen Konflikte der USA schafften enorme Unsicherheit, die Gift für jedes Unternehmen sei. Zu leiden hätten vor allem exportabhängige Volkswirtschaften wie Deutschland.

"Die größten Verlierer weltweit sind die Verbraucher", erklärt Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. "Wenn Preise für Güter und Dienstleistungen steigen und einige Angebote überhaupt nicht mehr verfügbar sind, dann trifft das am Ende die privaten Haushalte in allen Ländern", so Kater. "Handelskriege kann man nur insoweit gewinnen, dass man meint, die geringeren Schäden davonzutragen."

tb/dpa-AFX