Männliche Hand mit einem Stapel Geldscheine vor dunklem Himmel
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Aktienrückkaufprogramme Wall Street: Die hausgemachte Jahresendrally

Stand: 19.11.2018, 13:18 Uhr

Massive Aktienrückkäufe an der Wall Street: US-Unternehmen dürften noch bis Jahresende für rund 350 Milliarden Dollar eigene Aktien kaufen. Das könnte die Jahresendrally anheizen - doch schon 2019 wird der Rückenwind sehr viel geringer ausfallen.

Optimistischen Schätzungen zufolge könnte bei den S&P-500-Unternehmen im Jahr 2018 in den USA ein Rekordwert der Aktienrückkäufe von knapp einer Billion Dollar erreicht werden. Viele Fachleute halten das massive Aktienrückkaufprogramm für eine wesentliche Ursache für die relative Stärke der Wall Street, die sich in den vergangenen Monaten deutlich besser entwickelte als beispielsweise der Dax.

Grund sei die Steuergesetzgebung der Trump-Regierung: Die Liquidität, die den Unternehmen durch die Steuererleichterungen aus Übersee zugeflossen seien, würden in Rückkaufprogramme investiert.

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Futter für die Jahresendrally?

Auch für die kommenden Monate November und Dezember erwarten viele Experten nach einem diesbezüglich schwachen Monat Oktober, darunter die Analysten der UBS, wieder ein kräftiges Anziehen der Rückkäufe. Im Oktober hätten die Unternehmen wegen der laufenden Berichtssaison auf intensive Rückkäufe verzichtet, lautet die These einiger Fachleute. Das könnte dazu führen, dass die Wall Street mit kräftigem Rückenwind auf das Ende des Jahres zusteuert.

Was für die Anleger auf den ersten Blick wie eine gute Nachricht aussieht, ist allerdings durchaus auch kritisch zu bewerten. Aktionäre profitieren zwar durch Kurssteigerungen, da die Rückkäufe Nachfrage generieren. Außerdem werden einige Kennzahlen aufgehübscht, weil sich beispielsweise der Gewinn je Aktie auf weniger Wertpapiere verteilt.

Steuereffekt läuft aus

Aber das Geld, das die Unternehmen praktisch für Aktionärs-Verwöhnprogramme ausgeben, fehlt für erforderliche Investitionen. Für einen kurzfristigen Effekt kann also gewissermaßen die langfristige Unternehmensentwicklung gefährdet werden.

Und vor allem werden die Effekte der Steuerreform im kommenden Jahr wohl deutlich geringer ausfallen. Ein wichtiges Treibmittel für die Kurse dürfte damit zwar nicht ganz wegfallen, aber an Kraft verlieren. Für den Aktienmarkt ist das angesichts der größer werdenden konjunkturellen Sorgen keine gute Nachricht.

ts